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Verblasster Trendsetter: Bei Apple ist der Wurm drin

15. Januar 2013
Über Jahre war der Erfolg von Apple nicht zu bremsen, aber Anleger werden zunehmend nervös Quelle: dapdBild vergrößern
Über Jahre war der Erfolg von Apple nicht zu bremsen, aber Anleger werden zunehmend nervös Quelle: dapd
von Matthias Hohensee

Der Erfinder von iPod, iPhone und iPad spielte einst in einer Liga für sich. Doch die phänomenalen Umsätze und Profite geraten unter Druck, die Rolle des Trendsetters schwindet. Hat Apple die besten Tage hinter sich?

Das Apple-Fieber grassiert wieder. Doch diesmal erhitzt der kalifornische Unterhaltungselektronikhersteller nicht seine Jünger. Elektrisiert sind andere – Aktionäre, die Verwalter von Pensionskassen und die Chefs von Hedgefonds, die Anteile am wertvollsten Unternehmen der Welt halten.

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Denn in gut einer Woche, am 23. Januar eine Stunde vor Mitternacht deutscher Zeit, ein Monat nach Weihnachten, ist schon wieder Verkündigung im kalifornischen Cupertino. Dann werden Apple-Chef Tim Cook und sein Finanzvorstand Peter Oppenheimer am Firmensitz die Geschäftszahlen von Oktober bis Dezember 2012 präsentieren.

Anleger werden nervös

Erwartet wird ein neuer Stern am Umsatz- und Gewinnhimmel: ein Quartalsumsatz erstmals jenseits der 50 Milliarden Dollar, wahrscheinlich 55 Milliarden Dollar, fast so viel, wofür Siemens sechs Monate braucht. Getragen wird der prognostizierte Rekord vom Absatz der iPhones und iPads in Nordamerika und Europa sowie der Sucht der wachsenden Mittelklasse in China nach Geräten mit dem angebissenen Apfel.

Rückschläge für Apple

  • Rivale Android

    75 Prozent aller Smartphones laufen inzwischen auf dem Betriebssystem Android des Apple-Rivalen Google

  • Weihnachtsgeschäft

    18 Prozent mehr Umsatz machte Apple im Weihnachtsgeschäft 2012 - gegenüber einem Plus von 73 Prozent im Vorjahr

  • Konkurrent Samsung

    350 Millionen Smartphones plant Samsung in diesem Jahr zu verkaufen - 60 Millionen mehr als Apple an iPhones seit Juni 2007 insgesamt verkauft hat

  • Teure Tablets

    150 Dollar soll das neue Tablet von Acer kosten, weniger als die Hälfte des iPad mini

  • Probleme in China

    Im vierten Quartal 2012 rutschte Apple in China bei Smartphones auf Rang sechs

Doch so paradox es klingt: Je besser die Zahlen sein werden, desto nervöser werden die Anleger. Denn die Erfolge sind die Erfolge der Vergangenheit. Der erwartete Rekord provoziert die Miteigentümer von Apple zu der Frage, ob Cook das Wachstum halten, ja, mit einem neuen Knüller die Fantasie der Anleger beflügeln kann.

Denn so sehr der Konzern mit geschätzten sagenhaften Barreserven von 150 Milliarden Dollar glänzt und in einer Liga für sich spielt, der Biss, den er unter dem 2011 verstorbenen Gründer Steve Jobs hatte, scheint dahin. Unter der Oberfläche des Apfels haben sich Schwachstellen gebildet. Sie drohen nicht nur langfristig das Erfolgsmodell zu beschädigen, sondern auch die Verführungskraft zu schwächen und damit die weitere Expansion der Silicon-Valley-Ikone zu behindern.

Zweifel am Dauerboom

"Wettbewerber wie Google und Microsoft schließen langsam auf", warnt Apple-Mitgründer Steve Wozniak. Bei den Tablets, für die Apple mit seinem iPad vor drei Jahren überhaupt den Markt schuf, sah sich der Konzern erstmals hinter seinem Konkurrenten Samsung, als der handlichere Geräte mit kleinem Bildschirm brachte.

Schon spiegeln sich die Zweifel an einem Apple-Dauerboom im Verlauf des Aktienkurses wider. Seit dem Höchststand im September 2012 hat das Papier fast 25 Prozent verloren. Der Börsenwert von einer Billion Dollar, der von prominenten Analysten wie Gene Munster von Piper Jaffray eigentlich fürs Frühjahr 2014 prognostiziert worden war, ist in weite Ferne gerückt. Momentan wird der Apple-Konzern bei einem Kurs von 527 Dollar pro Aktie mit 495 Milliarden Dollar bewertet. Im September waren es noch rund 660 Milliarden Dollar. Die Analysten sind sich unschlüssig und prognostizieren Kurse von 300 bis 1000 Dollar.

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Kommentare | 13Alle Kommentare
  • 15.01.2013, 08:59 UhrJosef

    Es ist wirklich traurig, wenn WiWo einen Artikel zu Apple schreibt, wie er aktuell in der "Klatschpresse" zu lesen ist. Man sollte bei WiWo doch wieder zu dem bisherigen Niveau zurückkehren, recherchieren und mitdenken.

    Kein Unternehmen auf der Welt kann jährlich mit Sensationen "überraschen". Das ist Apple auch nur mit dem Iphone wirklich gelungen. Das auch Unternehmen wie z. B. BMW ohne sensationelle Überraschungen mit Produkten, die es schon über 100 Jahr gibt erfolgreich sein kann, sollte auch WiWo erkennen. Also wiese ist bei Apple der Wurm drin, weil nicht jedes Jahr eine "Überraschung" kommt.

    Das das Iphone 5 so langweilig ist, weil es keine "Überraschung" ist, ist sicher persönliches Empfinden. Allerdings stelle ich auch bei Samsung keine Überraschung fest.

    Wer das Iphone 5 kennt, weiß, dass es über ein exzellentes Touch-Display verfügt, beste Bildschirmqualität und perfekte Berührungsempfindlichkeit. Es läuft perfekt flüssig ohne zu ruckeln. Einziger Makel ist, dass es nicht für alle Frequenzen über LTE verfügt.

    Früher wusste niemand, wenn ein neues Iphone herauskommt. Im laufe der Jahre wird der Zeitraum berechenbarer und man weiß nun, dass das Produkt nicht zwei Jahre unverändert produziert wird. Darauf haben sich die Verbraucher schlicht und ergreifend eingestellt (was für eine Überraschung bei WiWo). Konsequenterweise wartet der Kunde ab, bis das neue Modell präsentiert wird und kauft dann seinen "aufgeschobenen Wunsch". Folglich explodieren im ersten Quartal der Neuvorstellung die Absatzzahlen und müssen auch konsequenterweise in den folgenden Quartalen wieder einbrechen. Denn nach mehreren Quartalen kann jeder Iphone-Besitzer (anders als offenbar der WiWo Redakteur) abschätzen, dass nun ein neues Modell folgen wird.

    Apple ist genauso im Premiumbereich tätig, wie z. B. BMW, Mercedes und Audi. Und wenn die weiterhin überdurchschnittliche Qualität abliefern, gibt es für diese Käufer auch keinen Grund zu "Billiganbietern" zu wechseln.

  • 15.01.2013, 10:02 UhrWahrheit29

    Der Trendsetzer Steve Jobs ist tot, iPhone und iPad sind erfunden, ein innovativer Apple TV ist nicht zu erwarten, die Asiaten haben inzwischen innovativerer Geräte die qualitativ ebenbürdig oder besser sind zu eine günstigeren Preis außerdem fertigen sie die Geräte selbst im eigenen Land. Warum sollte die Appleaktie wieder steigen? Das ganze Geschrei um Apple war total überzogen und der Hype ist vorbei. Apple wird in naher Zukunft wieder dort landen wo sie schon mal in den achtziger Jahren waren nämlich als unbedeutender Nischenproduzent mit kleinen Stückzahlen.

  • 15.01.2013, 10:05 UhrTim

    Der Vergleich zu Autoherstellern hinkt gewaltig. Das überlegene Android wird sich gegenüber iOS durchsetzen, schon allein durch die entstehenden Netzeffekte.

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