Verbot der Videoplattform: Netzsperre für deutsche TV-Sender

Verbot der Videoplattform: Netzsperre für deutsche TV-Sender

, aktualisiert 18. April 2012, 15:56 Uhr
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Ein Screenshot der US-Video-Plattform Hulu.

von Daniel KlagerQuelle:Handelsblatt Online

RTL und Pro Sieben Sat 1 müssen sich wohl von den Plänen zu einer gemeinsamen Internet-Videoplattform verabschieden. In den USA hingegen hat ein derartiges Modell, Hulu, durchschlagenden Erfolg.

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht ließ am Mittwoch keinen Zweifel daran, dass die Richter der Argumentation des Bundeskartellamts folgen werden, wenn sie im Juni urteilen. Die Wettbewerbswächter hatten die Pläne der privaten TV-Sender durchkreuzt - die Mediathek würde die marktbeherrschende Stellung der Sender verstärken. Experten hatten der Beschwerde von RTL und Pro Sieben Sat 1 auch im Vorfeld keine Chance eingeräumt.

Doch das Verbot ist nicht ein Rückschlag für die Pläne der beiden Sendergruppen. Selbst die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) hatte das Aus für das werbefinanziertes Portal kritisiert. Die Entscheidung des Bundeskartellamts habe erheblichen Einfluss auf den Wettbewerb im dualen Rundfunksystem - ARD und ZDF planen ebenfalls eine gemeinsame Mediathek im Netz. Zudem „spielt die Entscheidung Hulu und auch Google in die Hände“ sagte LfM-Direktor Jürgen Brautmeier.

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Der Begriff Hulu dürfte in den Ohren der deutschen Senderverantwortlichen schmerzen - gerade nach der heutigen Vorentscheidung. Denn die US-Videoplattform ist das große Vorbild für die Vermarktung von TV-Inhalten im Internet.

Hulu ist eine extrem populäre Video-On-Demand-Seite, die Inhalte von über 260 verschiedenen US-Sendern und Produktionsstudios anbietet - darunter Fox, NBC, News Corp und Time Warner. Die Nutzung der Seite ist kostenlos und finanziert sich größtenteils durch Werbung. Für eine Gebühr von acht Dollar gibt es auch einem Premium-Zugang.

Das Unternehmen ist ein Joint-Venture von NBC-Universal, Fox und Disney, zudem hat sich eine Investmentgesellschaft zehn Prozent an Hulu gesichert. Ein Modell, das offenbar für den deutschen Markt so nicht in Frage kommt, aber viel Potenzial bietet.


Sogar Google hat für Hulu geboten

2011 ist der Umsatz von Hulu um 60 Prozent gestiegen. Die Einnahmen von 420 Millionen Dollar lagen zwar noch deutlich unter den Erwartungen von 500 Millionen, doch CEO Jason Kilar rechnet weiter mit hohen Steigerungsraten. „Das Wachstum des Premiumdienstes und der stabile Werbemarkt werden Hulu zu neuen Umsatzsprüngen verhelfen“, sagte der ehemalige Amazon-Manager am Dienstag auf einer Fachkonferenz.

Und die Zahlen sprechen für Kilar: Im Februar 2012 verzeichnete Hulu laut dem Datendienst Comscore mehr als 31 Millionen Zuschauer in den USA. Aber noch wichtiger: Mit der Videowerbung übertraf der Dienst in diesem Zeitraum sogar Google. Da klingt die Ankündigung der Investitionssumme von 500 Millionen Dollar für neue Inhalte in diesem Jahr gar nicht mehr utopisch.

Der Erfolg der Plattform lockte Ende 2011 auch IT-Riesen: Google soll sogar rund vier Milliarden Dollar für die Übernahme offeriert haben, doch die Hulu-Eigentümer wollten dem Internetgiganten nur beschränkte Lizenzen für die Inhalte überschreiben. So blieb die Plattform in den Händen des Joint Ventures.

Und das Unternehmen hat die Präsenz von Hulu immer weiter vorangetrieben. Die Video-Plattform ist nahezu über alle Endgeräte erreichbar - von PC über Spielekonsolen, Handys, Tablets und Fernseher mit Internetzugang.

In der Branche wurde auch immer wieder über eine Hulu-Version für den deutschen Markt spekuliert - ein Albtraum für die privaten Fernsehsender. Doch der Markt für die Rechte in Deutschland ist kompliziert und die großen Sender kaufen bei den Hollywood-Produktionen mittlerweile die Internet- und Mobillizenzen gleich mit. Wenn es Hulu überhaupt nach Deutschland schafft, würde das Angebot im Vergleich zur US-Version wohl deutlich abgespeckt.

Solange wird Hulu wohl den meisten Zuschauern in Deutschland ein Fremdwort bleiben. Denn aufgrund der weltweiten Lizenzvergabe können ausländische Zuschauer - zumindest legal - nicht auf die Hulu-Webseite zugreifen. Der Zugang wird aufgrund der Länderkennung in der IP-Adresse automatisch verwehrt.

Die neue - zeitlich unabhängige - Variante der Fernsehkonsums ist in den USA längst selbstverständlich. Die Zuschauer in Deutschland müsse auf diese Möglichkeiten noch etwas länger warten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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