Verizon, AOL und Yahoo: Ein Ausweg für Marissa Mayer

Verizon, AOL und Yahoo: Ein Ausweg für Marissa Mayer

, aktualisiert 09. Februar 2016, 21:22 Uhr
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Kommt es zu einem Verkauf von Yahoo an Verizon?

von Astrid Dörner und Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Der US-Mobilfunkriese Verizon hat Interesse an Yahoo. Für Konzernchefin Marissa Mayer wäre ein Verkauf ein eleganter Weg, dem Abwärtsstrudel ein Ende zu bereiten.

New YorkSchon lange ist Tim Armstrong hinter Marissa Mayer her. Bereits 2014 hat der damalige AOL-Chef auf einer Medien-Konferenz einen ersten Anlauf gestartet. AOL und Yahoo, so Armstrongs Idee, könnten ein starkes Team werden. Lange hat sich Mayer gegen einen Verkauf gewehrt. Doch nun, da ihr Internet-Konzern immer tiefer in die Krise rutscht, scheint ein Verkauf die beste Lösung.

AOL wurde mittlerweile vom US-Mobilfunkriesen Verizon übernommen. Doch die Einheit, die weiter von Tim Armstrong geführt wird, ist weiter an Yahoo interessiert. Armstrong habe eine führende Rolle in den derzeit noch informellen Verhandlungen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Manager kennen sich noch aus alten Zeiten, als sie beide beim Internet-Konzern Google gearbeitet haben.

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Verizon kommt damit genau zur rechten Zeit. Die Chancen für einen Verkauf sind so gut wie nie zuvor. Erst vergangene Woche hatte Verwaltungsratschef Maynard Webb durchblicken lassen, dass die Yahoo-Führung an einem Verkauf interessiert sei. Und Verizon-Chef Lowell McAdam hat die Signale prompt erwidert. „Zum richtigen Preis wäre es gut für Investoren, wenn wir einige Teile von Yahoo unter der Führung von Tim Armstrong mit AOL verschmelzen“, sagte er dem Börsensender CNBC.

Mit der 4,4 Milliarden Dollar schweren Übernahme von AOL hat sich Verizon strategisch für die Zukunft positioniert. Der Mobilfunker steht vor Problemen in seinem Stammgeschäft. Das Wachstum im US-Mobilfunkmarkt schwächt sich ab, fast alle Amerikaner haben längst ein Smartphone, es fehlen neue Kassenschlager wie das 2007 auf den Markt gekommene iPhone. Zwar gewann Verizon im vierten Quartal 2015 rund 1,5 Millionen neue Abonnenten – das waren aber fast ein Drittel weniger als im gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Langfristig werden dem Marktführer kleinere Konkurrenten wie T-Mobile USA und Sprint das Leben schwer machen. Die Tochter der Deutschen Telekom gewinnt mit niedrigen Preisen und unkonventionellen Methoden Marktanteile, so eroberte es im jüngsten Quartal 2,1 Millionen neue Vertragskunden – vor allem von den Branchenriesen Verizon und AT&T.

Neue Geschäftsfelder müssen also her. Bislang hegte Verizon große Hoffnung in Fios TV, mit dem sich Kunden ihr Fernsehmenü nach Kanälen selbst zusammenstellen können. Allerdings schwächte sich dort das Wachstum dramatisch ab,  mit 5,8 Millionen Kunden verfügt Verizon 2015 nur über 200.000 mehr als im Vorjahr.

Da die Eigeninitiativen nur wenig fruchten, versucht Verizon sich jetzt in Akquisitionen. Mit fast fünf Milliarden Dollar an Bargeldreserven hat der Konzern auch die Mittel dazu.

Der Mobilfunker hat es vor allem auf die Werbetechnologien von AOL abgesehen, die Armstrong in den vergangenen Jahren beharrlich ausgebaut hat und die als eine der wenigen mit den Marktführern Google und Facebook mithalten können. Gerade bei Video-Werbung ist AOL stark. Dem Marktführer Comscore zufolge erreichte AOL im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung.

Yahoo hat ebenfalls stark in Werbetechnologien investiert. Die Serien, die Yahoo für den eigenen Streaming-Dienst produzieren lässt, könnten Verizons Angebot ebenfalls ergänzen. Der Mobilfunker hat im vergangenen Jahr den Internet-Streaming „Go 90“ gestartet – eine Mischung aus Live-Fernsehen und jederzeit abrufbaren Streaming-Angeboten im Stil von Netflix. So will der Mobilfunk-, Internet- und Kabelkonzern um die Fernsehzuschauer der Zukunft kämpfen, die sich immer stärker vom klassischen Bezahl-Fernsehen abwenden.

Marissa Mayer könnte dabei helfen. Schließlich besuchen mehr als eine Milliarde Nutzer im Monat die Dienste von Yahoo – zu dem Email, Finanz-, Sport-, Wetter- und Nachrichtenangebote gehören.

Quellle:  Handelsblatt Online
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