Verkaufsgerüchte: Niemand will Twitter

Verkaufsgerüchte: Niemand will Twitter

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Die Software-Firma Salesforce gab dem Webdienst öffentlich einen Korb.

Die Verkaufsgerüchte um Twitter haben sich nach weniger als einem Monat zerschlagen. Auch SAP-Rivale Salesforce gab Twitter einen Korb. Die Aktie ist jetzt deutlich weniger wert als vor Beginn der Spekulationen.

Twitter ist nach wochenlangen Spekulationen über eine mögliche Übernahme wieder auf sich allein gestellt. Der SAP-Rivale Salesforce, der als letzter potenzieller Käufer für den schwächelnden Kurznachrichtendienst galt, winkte ab. „In diesem Fall sind wir ausgestiegen, es hat einfach nicht gepasst“, sagte Salesforce-Chef Marc Benioff der „Financial Times“. Der Verkaufsprozess sei damit so gut wie tot, schrieb die Zeitung unter Berufung auf das Umfeld der Twitter-Chefetage. Die Twitter-Aktie sackte daraufhin im US-Handel am Freitag um gut fünf Prozent ab, für das Salesforce-Papier ging es um über fünf Prozent aufwärts.

Der amerikanische Spezialist für Cloud-Software galt als einer der hartnäckigsten Interessenten für Twitter, das in einer Wachstumsflaute steckt und nicht aus den roten Zahlen herauskommt.

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Salesforce-Chef Marc Benioff will mit den Meta-Daten von Twitter sein Kerngeschäft zukunftsfähig machen. Quelle: Reuters

Zuletzt waren Medienberichten zufolge auch der Internet-Riese Google und der Unterhaltungskonzern Disney abgesprungen. Auch bei Salesforce sei das Interesse erkaltet, hatte es bereits vor einigen Tagen geheißen. Dennoch wurde auch berichtet, im Hintergrund liefen noch Gespräche. Mit der jetzigen Absage ist Salesforce das einzige Unternehmen, das sich bisher öffentlich zu den Verkaufsgerüchten um Twitter äußerte.

Zahlen und Fakten zu Twitter

  • Nebenprodukt mit Erfolg

    Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

  • Idee von vier Freunden

    Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

  • Intrigen und Machtkämpfe

    Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Seitdem lenkte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig, die Firma. Nach der Warnung des Unternehmens im ersten Quartal 2015, dass die angepeilten Umsätze nicht erreicht würden, und die Aktie weit unter den Ausgabekurs rutschte, war die Luft für ihn dünn geworden. Nach Monaten der Kritik von der Wall Street, Anteilseignern, Mitarbeitern und Kunden wurde Costolo am 1. Juli 2015 durch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey ersetzt.

  • Durchweg in den Miesen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Im zweiten Quartal 2015 lag der Verlust bei unterm Strich 137 Millionen Dollar - immerhin 8 Millionen weniger als im Vorjahr. Vor allem Vergütungen für Mitarbeiter in Form von Aktienpaketen und Optionen machen sich bemerkbar.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen. Im zweiten Quartal 2015 stammten von den 502 Millionen Dollar Umsatz fast 90 Prozent aus dem Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Die Werbeeinnahmen nahmen im vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu.

  • Mehr als 270 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter mehr als 316 Millionen Nutzer pro Monat.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Die Twitter-Aktie war in den vergangenen Wochen durch die Spekulationen steil auf rund 25 Dollar gestiegen, war aber schon nach Berichten über das Desinteresse der anderen mutmaßlichen Interessenten wieder zurückgefallen. Jetzt liegt der Kurs mit 16,88 deutlich unter dem vor Beginn der Gerüchte. Twitters Berater schauten sich zwar weiterhin nach möglichen Käufern um, schrieb die „Financial Times“. Salesforce sei aber der letzte verbliebene ernsthafte Interessent gewesen.

Mitgründer Jack Dorsey, der vor rund einem Jahr wieder zum Firmenchef ernannt wurde, könnte nun freiere Hand bei seinen Umbauplänen für Twitter bekommen. Er hatte das Ziel ausgegeben, Twitter stärker zum Ort zu machen, an dem sich Menschen über aktuelle Ereignisse informieren und will noch mehr auf Video setzen. So zeigt Twitter in den USA Donnerstags-Spiele der Football-Liga NFL. Und zuletzt wurde die Livestreaming-App „Periscope“ für das Einspeisen von Übertragungen in professioneller Qualität geöffnet.

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