Vodafone: Historischer Absturz eines Mobilfunk-Riesen

KommentarVodafone: Historischer Absturz eines Mobilfunk-Riesen

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600.000 Kunden hat Vodafone innerhalb eines Jahres verloren.

von Jürgen Berke

Vodafones Marktanteil ist auf einen historischen Tiefststand abgestürzt. Schon im nächsten Quartal könnte der Konzern unter die Schallmauer von 30 Millionen Kunden fallen.

Können Sie sich noch an den 18. Dezember des Jahres 2006 erinnern? Damals, also vor rund neun Jahren, hatte der damalige Deutschland-Statthalter von Vodafone, Friedrich Joussen, allen Grund zum Feiern. Mitten im Weihnachtsgeschäft durchbrach die Nummer Zwei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt die Schallmauer von 30 Millionen Kunden.

750.000 Neukunden hatte Vodafone in nur zweieinhalb Monaten gewonnen. Joussen lieferte sich mit dem damaligen Telekom-Chef René Obermann ein Kopf-an-Rennen um die Marktführerschaft. Zur Erinnerung: Damals gab er erst 85 Millionen aktivierte Mobilfunk-Sim-Karten in Deutschland.

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Verlorenes Vertrauen Vodafone steckt in der Image-Krise

Der Rücktritt des Deutschland-Chefs Jens Schulte-Bockum offenbart die Probleme bei Vodafone. Der Angriff des Mobilfunkers auf Marktführer Telekom dauert länger als ursprünglich gedacht.

Vodafone Deutschland-Chef Jens-Schulte-Bockum ist zurückgetreten Quelle: dpa/Montage

Jetzt rückt Vodafone wieder nahe an die damals überschrittene 30-Millionen-Marke heran – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Vodafones Konzernchef verkündete heute bei der Vorlage der Quartalszahlen, dass nur noch 30,3 Millionen Vertrags- und Prepaid-Kunden das Vodafone-Netz nutzen – 600.000 Kunden weniger als Ende März 2015.

Zum Vergleich: Heute telefonieren 112 Millionen Kunden in den deutschen Mobilfunknetzen, 27 Millionen mehr als 2006. Vodafones Marktanteil ist damit auf einen historischen Tiefststand von 27 Prozent abgestürzt. Seit dem Rekordstand im September 2011 (37,6 Millionen Kunden) hat Vodafone damit mehr als sieben Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland verloren. Hält der Trend an, wird Vodafone bereits im nächsten Quartal unter die 30-Millionen-Marke rutschen.

Richtungsstreit bei Vodafone

Angesichts solch einer desaströsen Marktentwicklung ist verständlich, dass hinter den Kulissen von Vodafone ein Richtungsstreit über die künftige Ausrichtung des Unternehmens tobt. Joussens Nachfolger Jens Schulte-Bockum warf bereits Ende Mai wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ das Handtuch.

Die zehn umsatzstärksten Telekomkonzerne der Welt

  • AT&T (USA)

    AT&T (USA)
    Der US-amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T Inc. war aufgrund seiner Monopolstellung in den USA und Kanada lange Zeit die größte Telefongesellschaft und Kabelfernsehbetreiber der Welt.
    Umsatz: 100 Mrd. Dollar

    Umsatz 2014, Werte gerundet; Quelle: Bloomberg

  • Verizon (USA)

    Verizon (USA)
    Das US-amerikanisches Telekommunikationsunternehmen Verizon Communications mit Hauptsitz in New York landet mit 96 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2014 auf Platz 2.
    Umsatz: 96 Mrd. Dollar

  • NTT (Japan)

    NTT (Japan)
    Die Nippon Telegraph and Telefone Corporation (NTT) ist in Japan der Marktführer unter den Telekommunikationsunternehmen. Mit 81 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2014 ist das Unternehmen der drittumsatzstärkste Telekommunikationskonzern der Welt.
    Umsatz: 81 Mrd. Dollar

  • China Mobile (China)

    China Mobile (China)
    Nach Kundenzahl ist China Mobile Ltd. ist mit mehr als 815 Millionen Kunden (Stand: erstes Quartal 2015, eigene Angaben) der weltweit größte Mobilfunkanbieter der Welt. Im Geschäftsjahr 2014 erwirtschaftete das chinesische Unternehmen rund 79 Milliarden Dollar und landet damit auf Platz 4.
    Umsatz: 79 Mrd. Dollar

  • Deutsche Telekom (Deutschland)

    Deutsche Telekom (Deutschland)
    Die Deutsche Telekom AG ist eines der größten europäischen Telekommunikationsunternehmen. Mit über 150,5 Millionen Kunden (Stand: 2014, eigene Angaben) ist der Mobilfunk der größte Unternehmensbereich. Außerhalb Deutschlands bietet der Konzern Mobilfunkdienste in den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Griechenland, Rumänien und Polen an.
    Umsatz: 63 Mrd. Dollar

  • Telefónica (Spanien)

    Telefónica (Spanien)
    Das global agierende Telekommunikationsunternehmen Telefónica S.A. ist vorwiegend in Europa und Lateinamerika tätig, wo der Konzern vorwiegend unter der Marke Movistar auftritt. In Europa (außerhalb Spaniens) agiert Telefónica vor allem als O2. Auf dem spanischen Heimatmarkt und in Lateinamerika ist der Konzern Marktführer.
    Umsatz: 50 Mrd. Dollar

  • Softbank

    Softbank
    Die Softbank K.K. ist ein führender japanischer Telekommunikations- und Medienkonzern. Das Unternehmen ist vor allem im Bereich Telekommunikation tätig und verkauft damit einhergehend auch Mobilfunkgeräte und –Zubehör. Zum breiten Portfolio zählen aber auch die Entwicklung und Vermarktung von Online-Spielen, verschiedenen Internetdienstleistungen sowie Breitband-Technologien oder E-Commerce.
    Umsatz: 50 Mrd. Euro

  • Vodafone (Großbritannien)

    Vodafone (Großbritannien)
    Die Vodafone Group (ein Akronym aus voice, data und fone) ist ein international agierendes, britisches Mobilfunkunternehmen mit Hauptsitz in Newbury (Berkshire). Der Konzern ist auf fast allen europäischen Märkten präsent und erzielte einen Umsatz von 45 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2014.
    Umsatz: 45 Mrd. Dollar

  • América Móvil (Mexiko)

    América Móvil (Mexiko)
    Das mexikanische Unternehmen mit Firmensitz in Mexiko-City ist mit 289 Millionen Kunden (Stand: viertes Quartal 2014, eigene Angaben) der größte Mobilfunkanbieter in Lateinamerika. Mit insgesamt 48 Milliarden Dollar Umsatz landet es weltweit auf Platz 8.
    Umsatz: 48 Mrd. Dollar

  • China Telecom

    China Telecom
    China Telecom Corp. Ltd. war einst ein staatseigener Monopolbetrieb und ist heute der größte Telekommunikationsanbieter in China. Mit 40 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2014 landet die China Telecom auf Platz 10.
    Umsatz: 40 Mrd. Euro

Vor wenigen Tagen feuerte Colao auch noch seinen überaus ehrgeizigen, aber erfolglosen Europa-Chef Philipp Humm. Den Ausweg aus der Krise sieht Colao offenbar darin, die europäischen Landesgesellschaften noch stärker von der Konzernzentrale in London zu steuern.

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Immerhin: Der neue Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter hat durchgesetzt, dass er kein reiner Befehlsempfänger sein wird. Wie die Chefs der drei anderen großen Landesgesellschaften in Großbritannien, Italien und Spanien steigt er ins oberste Führungsgremium des Vodafone-Konzerns auf.  Ihre erste Aufgabe wird sein, die Führungskrise bei Vodafone schnell zu beenden.

Als Vodafone noch von Erfolg zu Erfolg eilte, hielten die Chefs weitgehend autonomer Landesgesellschaften fast alle Fäden in der Hand. Die richtige Führungsorganisation mit einer ausbalancierten Mischung aus zentralen und dezentralen Entscheidungen könnte der Schlüssel für eine Rückkehr zur alten Stärke sein.

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