Vodafone, T-Mobile, Sprint: Die Telekom-Branche steht vor einer Deal-Welle

Vodafone, T-Mobile, Sprint: Die Telekom-Branche steht vor einer Deal-Welle

, aktualisiert 27. Februar 2017, 11:30 Uhr
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Der Telekom-Chef könnte mit dem Softbank-Gründer Masayoshi Son eine Neuordnung des US-Mobilfunkmarktes aushandeln.

Quelle:Handelsblatt Online

In der Telekom-Branche scheint eine Konsolidierung überfällig. Die wichtigsten Manager treffen nun in dieser Woche in Barcelona aufeinander. Geben sie den Startschuss für eine neue Deal-Welle?

BarcelonaAuf dem Mobile World Congress, dem alljährlichen Branchentreff der Mobilfunkbranche in Barcelona, stehen üblicherweise die neuesten Smartphones, Tablets und Wearables im Mittelpunkt. Doch hochrangige Manager der Branche dürften dieses Mal wohl mehr im Kopf haben als nur die jüngsten Handys.

Es dreht sich um Fusionen und Übernahmen, die auf höchster Ebene diskutiert werden und die die Branche weltweit verändern könnten. Vorstandschefs wie Tim Höttges von der Deutschen Telekom und Vittorio Colao von Vodafone müssen in Barcelona Entscheidungen treffen, die sich für Jahre auf ihre Unternehmen auswirken könnten.

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Bei der Messe, die hauptsächlich für die Vorstellung der neuesten Geräte bekannt ist, wird Höttges möglicherweise auf Softbank-Gründer Masayoshi Son treffen. Dieser ist offen dafür, die Kontrolle am US-Mobilfunkkonzern Sprint an die Deutschen abzutreten – im Rahmen einer Transaktion mit T-Mobile US, die den US-Telekommarkt umkrempeln könnte.

Vodafone-Chef Vittorio Colao arbeitet derweil an einer Lösung für das indische Geschäft, das bereits Milliarden an Verlusten eingefahren hat. Gleichzeitig dürfte er die nächsten Schritte in einer Mobilfunk-Kabel-Allianz mit Liberty Global erwägen, dessen Vorstandschef Mike Fries ebenfalls in Barcelona ist.

Die Konsolidierung in Frankreich könnte später in diesem Jahr wieder an Fahrt gewinnen. Und die spanische Telefónica versucht noch immer, mit ihrer britischen 02-Sparte Barmittel zu generieren. „Wir erwarten im Jahr 2017 eine gesunde M&A-Aktivität“, sagt Joachim Sonne, Co-Chef Investmentbanking für Telekom, Medien und Technologie in Europa, dem Nahen Osten und Afrika bei der US-Großbank JP Morgan.

Ihm zufolge zwingt ein langsameres Wirtschaftswachstum die Mobilfunkbetreiber dazu, neue Wege zu finden, um Umsätze und Gewinne anzutreiben. Der Druck in Richtung Konsolidierung wachse, weil die Unternehmen Zugang zu Barmitteln und attraktiver Finanzierung haben, während Finanzinvestoren einen wachsenden Appetit entwickeln und aktivistische Investoren ebenfalls mitmischen.


Lockere Trump-Politik könnte Übernahmen befördern

Nach zwei Jahren mit rückläufigen Zahlen war der Wert der weltweiten angekündigten Transaktionen in der Telekom-Branche 2016 um 34 Prozent auf 266 Milliarden Dollar gestiegen, wie aus von Daten von Bloomberg hervorgeht.

In den USA könnten Fusionen und Übernahmen dank einer lockereren Aufsicht der neuen Regierung von Donald Trump einen Aufschwung verzeichnen. „Was M&A in den USA zurückgehalten hat, war die Regierung Obama“, meint Analyst Roger Entner von Recon Analytics. „Die USA geben noch immer den Ton vor, wenn es um M&A geht. Und eine mildere Regierung wird wahrscheinlich den Rest der Welt beeinflussen.“

Telekom-Chef Höttges spricht sich seit langem für eine Konsolidierung in Europa aus. Dort gibt es rund 100 Festnetz- und Mobilfunknetz-Betreiber. Fusionen und Übernahmen würden die Kostenstruktur der Branche verbessern, die an immer mehr Fronten zu kämpfen hat. Dazu gehören der Wettbewerb mit großen Anbietern aus Übersee sowie Internetkonzernen wie Google und Facebook.

Christian Lesueur, Chef Telekom, Medien und Technologie in Europa, dem Nahen Osten und Afrika bei der UBS in London, weist allerdings darauf hin, dass angesichts des erfolgten Abschlusses vieler kleinerer, inländischer Deals in Europa der Schwerpunkt der künftigen Aktivität auf größeren Transaktionen liegen werde, die nicht so leicht umzusetzen seien.

Zurückhaltende Worte kommen auch von Roger Entner. Seiner Einschätzung zufolge gibt es mehr Verkäufer als Käufer in der Telekom-Branche, was es schwieriger machen könnte, Transaktionen über die Ziellinie zu bringen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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