Vor der Präsentation des iPhone 6: Apple jagt sich selbst

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InterviewVor der Präsentation des iPhone 6: Apple jagt sich selbst

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Wafa Moussavi-Amin

In der kommenden Woche präsentiert Apple seine Neuheiten. Mit dem iPhone 6 will der Konzern mit dem angebissenen Apfel als Logo neue Verkaufsrekorde erzielen. Doch kann der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino wirklich noch mit Neuheiten überzeugen? Nein, meint Wafa Moussavi-Amin, Geschäftsführer vom Marktforschungsunternehmen IDC Europe, im Interview.

WirtschaftsWoche Online: Das nächste iPhone soll in der kommenden Woche präsentiert werden. Wird das Gerät wichtig für den Markt?

Moussavi-Amin: Ja, auf jeden Fall – auf dem Smartphone-Markt wird es eine Stütze fürs Wachstum sein, und natürlich wird es bei Apple den Umsatz antreiben.

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Warum schafft es Apple immer wieder, so großes Interesse auf sich und seine Neuheiten zu ziehen?

Das liegt zum einen an der sehr loyalen Anhängerschaft von Apple, die immer wieder die neuesten Geräte kauft. Hinzu kommt die Funktionalität, die durch ihre Einfachheit in der Anwendung überzeugt. Und das Marketing ist gut.

Aber eigentlich macht Apple doch eher nur wenig Werbung, kaum Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Apple braucht eben keine Pressearbeit. Das Unternehmen steht so sehr im Fokus der Aufmerksamkeit, dass Apple nur eine Pressemitteilung herauszuschicken braucht und schon schwirren die Informationen durch die Blätter dieser Welt.

Die Köpfe hinter Apple

  • Tim Cook: Apple-Chef

    Cook schlug zum Start als Apple-Chef mit dem Tod von Jobs im Oktober 2011 einige Skepsis entgegen. Denn er war zwar schon zuvor für das Tagesgeschäft zuständig und hatte den Gründer immer wieder mal während der Auszeiten wegen dessen Krebserkrankung vertreten.

    Der 55-jährige Manager hat Apple in den vergangenen Jahren seinen Stempel aufgedrückt. Der Konzern achtet mehr auf Umweltaspekte, Datenschutz sowie die Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern, kommuniziert offener als in der Jobs-Ära und schüttet Milliarden Dollar an Aktionäre aus. Zuletzt wagte Cook eine Konfrontation mit der US-Regierung um Verschlüsselung beim iPhone.

  • Angela Ahrendts: Apple Store

    Die Marketingexpertin interessierte sich früh für Kleidung. Sie heuerte beim Modelabel Donna Karan an. Zwischen 2002 und 2006 war die gebürtige US-Amerikanerin für die Marke Liz Claiborne verantwortlich und sanierte dann das Londoner Modehaus Burberry.

  • Jimmy Iovine: iTunes

    In den Siebzigerjahren arbeitete Iovine als Toningenieur mit Stars wie John Lennon und stieg zum Plattenboss bei Interscope Geffen A&M auf. 2006 gründete er mit Dr. Dre Beats. Parallel wirkte er bei der US-TV-Talentshow "American Idol" mit.

  • Kevin Lynch: Internet der Dinge

    Lynch startete im Elektronischen Visualisierungslabor der Universität von Chicago. Später ging er zur US-Softwarefirma Macromedia. Als Adobe diese 2005 kaufte, wurde er Technikchef. Mit Apple- Gründer Jobs stritt er, weil der die Adobe-Flash-Technik hasste.

  • Dr. Dre (André Young): iTunes

    Young war als Teenager DJ, rappte in der Hip-Hop-Gruppe N.W.A und gründete 1991 das Musiklabel Death Row Records. Er verpflichtete die späteren Megastars Eminem und 50 Cent. 2006 startete er mit Jimmy Iovine den Kopfhörerbauer Beats.

Was macht Apple besser als die Konkurrenz?

Das Herausragende ist die Einfachheit. Die vergleichsweise einfache Bedienung macht ein Apple-Gerät direkt einsatzbereit. Der Anwender wird gut durch die Menüs geführt und schon ist alles erledigt. Außerdem hat Apple es geschafft, mehrere Geräte – iPhone, iPad, MacBook, Apple-TV, … – übergangslos miteinander zu verbinden. Das hat noch kein anderer so gut erreicht.

Warum schafft der Wettbewerb das nicht?

Der einzige Wettbewerber, der eine ähnlich breite Palette auf dem Markt bietet, wäre Microsoft. Microsoft hatte eine sehr schwache mobile Strategie und hat deshalb in diesem Bereich an Bedeutung verloren. Aber das hat sich geändert mit dem Kauf von Nokia, mit dem Angebot des Tablet-Computers Surface. Die Redmonder sind jetzt auf einem guten Weg.

Google ist zwar im mobilen Bereich sehr stark, aber es fehlt an Breite in der Produktpalette. Es wird noch dauern, bis etwa das Chromebook von Google eine größere Rolle spielt.

Wie sieht es mit Samsung aus – die Koreaner sind breit aufgestellt.

Samsung hat zweifellos eine gute Position – aber Samsung ist auch ein sehr großer Konzern, der alles bietet von der IT bis zur Waschmaschine. Das ist vielleicht zu viel, man ist nicht fokussiert genug. In den letzten Quartalen haben wir schon gesehen, dass Samsung unter Druck gerät. Im Vergleich zu Apple setzt Samsung auch auf günstigere Geräte. Genau in diesem Bereich werden sie von neuen Herstellern aus China attackiert, und Samsung muss sich wehren. Das kostet.

Apple dagegen hat sich im hochpreisigen Segment positioniert und etabliert.

Wettbewerber wie Nokia und Samsung lästern über oder stänkern gegen Apple. Was halten Sie davon – ist das berechtigt?

Stänkern würde ich das nicht nennen. In den USA gibt es einfach provokativere Werbung als in Deutschland. Aber natürlich hat Samsung beispielsweise mit seinem Spot über größere Displays einen wunden Punkt von Apple getroffen. Apple muss jetzt zum ersten Mal seit dem Boom mobiler Geräte dem Wettbewerb folgen und wird wohl jetzt beim neuen iPhone ein größeres Display anbieten. Die Phablets, also die Smartphones, die größenmäßig in Richtung Tablet gehen, haben Apple ganz schön zugesetzt.

Beim iPad mini hat Apple bereits auf den Wettbewerb reagiert, aber diese Reaktion hat sich noch in Grenzen gehalten, weil das iPad mini nicht so wichtig ist. Aber beim iPhone läuft Apple jetzt erstmals dem Wettbewerb richtig hinterher.

Wie innovativ ist Apple denn eigentlich noch?

Das ist schwer zu sagen. Bei den Endgeräten hat Apple auf jeden Fall das Heft des Handelns aus der Hand gegeben. Das iPhone 6 mit größerem Display ist der erste Wink, der zeigt Apple ist zum Verfolger geworden, statt eigene Akzente zu setzen.

Aussagen der Geschäftsführung von Apple, man konzentriere sich auf die Anbindung aller Geräte und auf Back-Office-Applikationen versprechen nicht die großen und plakativen Innovationen, die Apple groß gemacht haben.

Sie spielen auf die Abmachung von Apple und IBM an, dass beide Unternehmen bei industriespezifischen Anwendungen und Apps eng zusammenarbeiten wollen.

Ja, genau. Apple will sich im Business-Bereich besser positionieren. Aber dieser Bereich macht bei Apple nur eine marginale Rolle im Gesamtgeschäft aus. Hier sind andere viel wichtiger.

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