
Bastian Schmidtke ist da, wo er immer hinwollte. Vor gut zwei Jahren sind er und sein Kompagnon Jakob Schreyer von Bamberg nach Berlin gezogen, um dort ein eigenes Unternehmen, ein Startup, hochzuziehen. „Gewissermaßen vom toten Winkel der alten Bundesrepublik in den einstigen toten Winkel Westberlins“, sagt Schmidtke.
Der tote Winkel, von dem der 28-Jährige spricht, ist der Oranienplatz in Kreuzberg, wo Schmidtkes und Schreyers Unternehmen Orderbird seinen Sitz hat. Früher war hier ein Kiez für Alternative und Bundeswehrflüchtlinge im Schatten der Mauer. Heute ist Kreuzberg eines der heißen Pflaster für die Internet-Szene in Berlin.
Schmidtke und Schreyer haben eine moderne Kassensoftware für Kneipen, Clubs und Restaurants entwickelt, die über iPad und iPhone funktioniert.
Mit ihrem System haben die beiden nicht nur mehrere Preise bei Gründerwettbewerben abgeräumt, sondern Ende April auch einen Großinvestor an Land gezogen: Carsten Maschmeyer, Gründer des Finanzdienstleisters AWD. Der Multimillionär aus Hannover hat über seine Beteiligungsgesellschaft Alstin rund 2,7 Millionen Euro in das Jungunternehmen gesteckt und hält jetzt 30 Prozent der Anteile. „Wir freuen uns, mit Orderbird ein sehr chancenreiches Wachstumsunternehmen für unser Beteiligungsportfolio gewonnen zu haben“, ließ sich Maschmeyer nach dem Deal zitieren.
Gründerboom in Berlin
Dass ein Startup so schnell so viel Geld anzieht, ist in Deutschland nicht an der Tagesordnung, zeichnet die junge Berliner Internet-Szene aber aus. In den vergangenen zwei Jahren hat sich in der Hauptstadt etwas entwickelt, das es sonst nur – wenn auch viel größer – im kalifornischen Silicon Valley gibt: ein umfangreiches und ständig wachsendes Netzwerk. Es besteht aus Unternehmensgründern, Investoren und Inkubatoren, das sind Helfer, die Firmen ausbrüten.
Sie alle kooperieren, tauschen Erfahrungen aus und vermitteln sogar Mitarbeiter, wo immer es gerade passt. Hier kennt über ein paar Ecken jeder jeden, Kontakte liegen fast auf der Straße und sind schnell zu knüpfen.
Das Berliner Netz nährt sich zunehmend selbst. Es zieht immer mehr Gründer von außerhalb an, denen eine wachsende Schar namhafter Investoren folgt, die an dem Boom teilhaben wollen: Seien es Privatinvestoren mit eigener kleiner Anlagegesellschaft wie Maschmeyer, seien es Verlage wie DuMont aus Köln, Madsack aus Hannover oder Holtzbrinck aus Stuttgart, die über Investitionen in neue Digitalgeschäfte das Wegbrechen ihres Kerngeschäfts kompensieren wollen. Aber auch Handelskonzerne wie Otto oder Tengelmann, die sich neue Chancen im Electronic Commerce erschließen wollen, drängen nach Berlin.
Bild: ReutersDie Produktdesignerin: Marissa Mayer
Ihre Nominierung als Yahoo-Chefin macht die erst 37-jährige Google-Managerin einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch schon zuvor war sie in der Branche als ein Gesicht von Google bekannt, das beispielsweise im Interview mit dem Elektrischen Reporter eloquent die Daten-Sammelei des Konzerns verteidigte. Die ausgebildete Informatikerin galt als eines der Gesichter von Google.
Bei Google war sie für Produkte zuständig. Sie gehörte zum Kern-Team Google und war 1999 die 20. Mitarbeiterin des Unternehmens überhaupt. Das schlichte Design der Google-Suchmaske stammt von ihr. Die Los Angeles Times attestierte ihr, niemand anderes habe so viel Einfluss darauf, wie Menschen das Internet erleben. Dass Yahoo Mayer zur neuen Chefin macht zeigt, dass das Unternehmen vermutlich mit neuen Produkten aus der Krise finden will.
Bild: dapdDer Visionär: Marc Andreesen
Wenn einer Silicon-Valley-Größe der Titel Visionär gebührt, dann ohne Zweifel Marc Andreesen (links im Bild), Entwickler des Webbrowsers Mosaic und späterer Gründer von Netscape. Hier ist er links im Bild mit seiner Frau und Facebook-Gründer Marc Zuckerberg zu sehen. Das angesehene Silicon-Valley-Magazin „Wired“ bezeichnete ihn als den „Mann, der die Zukunft gestaltet“.
1992, das Worldwide Web war nicht einmal ein Jahr alt, sagte er bereits voraus, dass irgendwann jeder Zugang zum Web haben wird. 1995 – das Web wurde erstmals einer breitere Öffentlichkeit gerade erst bekannt – die nächste Vorhersage: Der Browser werde zum eigentlichen Betriebssystem, in dem Programme laufen. Eine Vision, der wir heute dank Cloud-Programmen wie Google Docs und Web-Mail-Diensten deutlich näher sind. 1999 sah er den Durchbruch der Cloud-Computing-Technologie für Business-Anwendungen voraus und 2004, im Jahr der Gründung von Facebook, den kommenden Durchbruch des Social Webs.
Die in der Regel treffsicheren Vorhersagen haben Andreesen in Business-Belangen nicht immer geholfen. Der von ihm geschaffene Browser Netscape Navigator verlor den ersten großen Browser-Krieg der 1990er Jahre gegen Microsoft. Das 1999 gegründete Start-Up Loudcloud, das Cloud-Services an Business-Kunden verkaufte, war seiner Zeit voraus. Cloud Computing wurde erst rund zehn Jahre später zum Hype. 2007 kaufte HP das Unternehmen für 1,6 Milliarden Dollar.
Andreesens letzte Vorhersage stammt aus dem Jahre 2009 und klingt heute genauso visionär wie die anderen Vorhersagen von Andreesen zu ihrer Zeit: Alle zentralen Branchen der Wirtshaft, vom Einzelhandel über die Immobilienbranche bis zu Gesundheitsdienstleistungen, werden durch Software revolutioniert und um neue hyperintelligente Software herumgebaut werden.
Bild: dpaBescheidene Genies: Larry Page und Sergey Brin
Im Sommer 1995 kommt es zu einer Begegnung, die die Computergeschichte grundlegend verändern wird: Larry Page (rechts), Absolvent der Universität von Michigan, soll den ein Jahr jüngeren Sergey Brin an der Uni einführen. Wie sie später eingestehen, sind beide bei diesem Treffen bei so gut wie allen Fragen verschiedener Meinung.
Vielleicht macht gerade das die Zusammenarbeit der beiden so fruchtbar. 1996 gründen sie gemeinsam die Suchmaschine BackRub, die einen revolutionären neuen Suchalgorithmus nutzt: Dabei wird die Reihenfolge der Suchergebnisse davon abhängig gemacht, wie viele andere Seiten auf die entsprechende Seite verlinken.
Neben ihren Unterschieden verbinden die beiden Google-Manager Page und Brin auch viele Gemeinsamkeiten in der Biografie: So haben sie beide auf Schulen besucht, die nach dem Erziehungskonzept der Pädagogin Maria Montessori arbeiteten. Das Motto der italienischen Ärztin: „Hilf mir, es selbst zu zun“. Auch ihr Führungsstil ist ähnlich: Beide treten eher zurückhaltend, fast schüchtern, in der Öffentlichkeit auf. Auch werden ihnen keinerlei exzentrische Züge nachgesagt.
Bild: dapdDer Erfolgsmensch: Larry Ellison
Larry Ellison, Chef des weltgrößten Datenbank-Herstellers Oracle, gehört zu jenen CEOs, die wissen, wie sie sich Gehör verschaffen. Meist hat er zu allem, was in der Branche vor sich geht eine Meinung – und meist sagt er sie laut. Eine wütende Rede über den aus seiner Sicht unsinnigen Begriff Cloud Computing aus dem Jahre 2008, kennt in der Branche fast jeder.
Ellisons Leben war durch Brüche geprägt. So rasselte der uneheliche Sohn 1966 in tiefer Trauer durch sämtliche Uni-Prüfungen, als seine Stiefmutter verstarb. Mit nur 2000 Dollar Stammkapital und ohne Uni-Abschluss gründete er 1977 zusammen mit zwei Partnern die Firma, die heute als Oracle bekannt ist. Heute ist der laut „Forbes“ mit einem Nettovermögen von 36 Milliarden Dollar der sechstreichste Mensch der Welt.
Ellison lebt und genießt seinen heutigen Reichtum. Seine 138 Meter lange Mega-Yacht „Rising Sun“, die er mit seinem Freund David Geffen teilt, gehört zu den größten der Welt. Seit kurzem besitzt der Multimilliardär auch eine eigene Insel. Im Bieterwettstreit um die Hawaii-Insel Lanai stoch er Ex-Microsoft-Chef Bill Gates aus.
Bild: dapdDer Geschäftsmann: Bill Gates
Bei Microsoft-Gründer Bill Gates verbanden sich Begabung, Fleiß und Glück miteinander. Als Kind brillierte Gates in Mathematik und Naturwissenschaften. Das erste große Glück im Leben des Bill Gates war sein früher Zugang zu Computern. Die private Elite-Schule, die er besuchte, gehörte zu den ersten in den USA, die einen programmierbaren Fernschreiber besaß. Ebenfalls noch als Schüler erhielt er Zugriff auf Großrechner. Sein Havard-Studium brach er zugunsten der von ihm gemeinsam mit Freunden gegründeten Firma Microsoft ab – keine schlechte Entscheidung.
Das zweite große Glück seines Lebens war der Erfolg des IBM-PCs – oder besser, IBM-kompatibler Nachbauten. Denn während der PC für IBM selbst kein kommerzieller Erfolg war, entwickelten sich die IBM-PC-Klone zu echten Verkaufsschlagern – und mit ihnen das Betriebssystem MS-DOS. Microsoft hatte das System für ressourcenschwache Rechner an IBM lediglich lizenziert und selbst alle Rechte behalten. Das System, das Microsoft reich machen sollte, war keine Eigenentwicklung. Das Unternehmen hatte QDOS von dem Entwickler Tim Paterson für 50.000 Dollar erworben. Heute engagiert sich Gates mit seiner Stiftung vor allem im Kampf gegen Krankheiten in der Dritten Welt.
Bild: dapdDas Marketing-Genie: Steve Jobs
In der Geschichte von Apple gingen bislang alle entscheidenden Impulse von Steve Jobs aus. Ende der siebziger Jahre erkannte Jobs als einer der ersten, dass die von seinem Kumpel Steve Wozniak zusammengelöteten Computer-Platinen nicht nur ein Hobby für Nerds sind, sondern den Anfang der Ära des Personal Computers markieren. Anfang der achtziger Jahre entdeckte er das Potenzial der bei Xerox entwickelten grafischen Benutzeroberfläche für Computer, die mit dem Mac und später mit Microsoft Windows die Welt verändern sollten.
Als Jobs 1985 nach einem Konflikt mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley das Unternehmen verlassen musste, übernahm er die Trickfilmsparte von George Lucas und revolutionierte mit Pixar die Filmbranche. 1997 kam er zu Apple zurück. Das Unternehmen stand damals kurz vor der Pleite und wurde von Jobs mit innovativen Produkten wie dem iMac und dem iPod wieder auf die Erfolgsspur gebracht.
Zum Mega-Unternehmer wurde er schließlich mit der Einführung des iPhone im Jahr 2007 und dem iPad (2010), mit dem Apple die „Post-PC“-Ära einläutete. Steve Jobs war bei Apple nicht nur der unbestrittene Chef, sondern vereinte in seiner Person die Rolle des genialen Visionärs, entschiedenen Antreibers und erfolgreichen Verkäufers. Am 5. Oktober 2011 starb Jobs an seinem Krebsleiden. Er hinterließ eine Frau, vier Kinder - und ein kerngesundes Apple, das bis heute das wertvollste Unternehmen der Welt ist.
Bild: ReutersDer Nerd: Steve Wozniak
War Steve Jobs das Gesicht von Apple, so war Wozniak in der Anfangszeit Hand und Hirn der Garagenfirma. Der zurückhaltende, hochbegabte Ingenieur gilt als Genie. Schon mit 13 entwickelte er einen Taschenrechner, ein IQ-Test von damals bescheinigte ihm einen Intelligenzquotienten von über 200 – schon ab Werten von über 130 gelten Menschen als hochbegabt.
1976 gründete Wozniak gemeinsam mit seinem Schulfreund Steve Jobs Apple. In seiner Biografie „iWoz“ beschreibt er seine Jugend als Außenseiter – ein Prototyp des „Computernerds“. Seinen Job als Ingenieur bei Hewlett-Packard gab er erst auf, als Jobs ihm zusicherte, nie Manager werden zu müssen.
Wozniak bereitete der Erfolg von Apple eher Unbehagen. Einen Teil seiner Aktien verkaufte deutlich unter Wert an Mitarbeiter des Unternehmens, die er am Erfolg teilhaben lassen wollte. Jobs zeigte dafür kein Verständnis. Nach einem Flugzeugsabsturz 1981 ließ er die damals aufstrebende Firma Apple hinter sich und widmete sich unter anderem der Organisation von Open-Air-Konzerten, bei denen er mehr als 20 Millionen Dollar verlor. Nach einem kurzen Intermezzo als einfacher Ingenieur bei Apple, kehrte er 1985 dem Konzern endgültig den Rücken. Allerdings erhält er bis heute rund 10.000 Dollar Gehalt im Jahr von Apple. Beruflich setzt er inzwischen aber ganz andere Prioritäten: Seit 1988 unterrichtet er Kinder in Informatik.
Bild: apDer Bastler: Linus Torvalds
„Ich aß, ich schlief. Vielleicht ging ich zur Uni“, beschrieb Linus Torvalds einmal seine Zeit als Student. Nebenbei allerdings schuf er noch etwas, das die IT-Welt für immer verändern sollte: Den frei verwendbaren Betriebssystem-Kern Linux. Vor 20 Jahren machte sich der finnischer Student daran, die Möglichkeiten damaliger Computerchips zu erkunden. In einer Newsgroup kündigte er den Beginn der Arbeit an seinem Betriebssystem Linux mit folgenden Worten an: „Ich arbeite an einem (freien) Betriebssystem (nur ein Hobby, wird nicht groß und professionell...).“ Er sollte sich irren. Das freie Betriebssystem wurde so erfolgreich, dass es heute aus dem Server- und Mobilbereich nicht mehr wegzudenken ist. Auf den Servern – seien es Internet-Dienste oder die Server in Unternehmen – ist es heute das mit Abstand beliebteste Betriebssystem. Auch Googles Smartphone- und Tablet-System Android basiert auf dem Linux-Kernel.
Torvalds gilt vielen als Prototyp eines Nerds, hat aber auch eine sehr emotionale Seite. Die zeigte er kürzlich vor Studenten, als er auf Probleme mit Treibern für die Grafikkarten von Nvidia angesprochen wurde. Der Grafikkartenhersteller sei die schlimmste Firma überhaupt, was die Zusammenarbeit mit den Kernel-Entwicklern betrifft, wütete Torvalds. Unterstrichen hat er die Aussage mit einem beherzten „Fuck you, Nvidia!“ und einer eindeutigen Geste.
Bild: Victor PowellDer Freiheitskämpfer: Richard Stallman
Der Öffentlichkeit weniger bekannt dürfte Richard Stallmann sein – doch seine Idee prägt die heutige Software-Welt nicht weniger stark als die Produkte von Steve Jobs und Bill Gates. Seine Vision: Das freiheitliche Ethos der Anfangstage unter Programmierern zu bewahren, als Codes noch frei getauscht, geteilt und verändert wurde. 1985 kündigte er seinen Job am Massachusetts Institute of Technology, um sich ganz seiner Vision zu widmen. Er gründete die Free Software Foundation. Die GNU General Public License sollte den rechtlichen Rahmen für das geplante Betriebssystem GNU bilden – ein Betriebssystem, das komplett aus Komponenten bestehen sollte, die jeder frei verbreiten und verändern könnte.
Das Betriebssystem wurde nie fertig. Dafür nahm Linus Torvalds die bereits bestehenden Betriebssystem-Teile wie den Compiler GCC oder die Kommandozeile Bash und verheiratete sie mit dem Linux-Kernel, wodurch das System komplettiert wurde. Außerdem war die Idee Freier Software geboren, die zu zahlreichen Entwicklungen führte – vom freien Office-Programmen Libre Office/Open Office bis zum Mozilla Firefox, dem heute in Europa populärsten Webbrowser. Freie Software befindet sich heute auf fast jedem PC und fast jedem Smartphone. So basieren beispielsweise auch die Browser Chrome von Google und Safari von Apple auf Webkit, eine freie Software, deren Vorläufer KHTML für die Linux-Oberfläche KDE entwickelt wurde.
Bild: dapdLoyale Strategin: Sheryl Sandberg
Anfang 2008 begann Sheryl Sandberg damit, das noch wenig bekannte Social Network Facebook auf Profitabilität zu trimmen. Sie und Gründer Mark Zuckerberg bauten den Anzeigenvertrieb auf und ernteten bald die Früchte ihrer Arbeit: 2010 warf Facebook erstmals Gewinn ab, 2012 erfolgte der Börsengang. Ende Juni zog die Managerin, die 2011 mit allen Boni und Aktienoptionen über 30 Millionen Dollar verdiente, als erste Frau in den Verwaltungsrat von Facebook ein. Von einer Vorzeige- oder Alibifrau kann dabei allerdings keine Rede sein. Trotz ihres guten Verhältnisses zu dem als schwierig geltenden Mark Zuckerberg ist sie es gewohnt, ihre Standpunkte selbstbewusst zu vertreten. 2012 wurde sie in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen des "Time Magazins" aufgenommen.
Ob sie bei Facebook bleiben wird, ist ungewiss. Die Mehrheitsverhältnisse verschaffen Mark Zuckerberg das Recht, über alles und jeden allein zu bestimmen. Und jemanden wie Sheryl Sandberg kann man nicht ewig als Nummer zwei halten, ahnt auch der Facebook-Gründer: "Wenn sie wollte, könnte sie bei jedem Unternehmen Chef werden."
Text: Axel Postinett
Die Produktdesignerin: Marissa Mayer
Ihre Nominierung als Yahoo-Chefin macht die erst 37-jährige Google-Managerin einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch schon zuvor war sie in der Branche als ein Gesicht von Google bekannt, das beispielsweise im Interview mit dem Elektrischen Reporter eloquent die Daten-Sammelei des Konzerns verteidigte. Die ausgebildete Informatikerin galt als eines der Gesichter von Google.
Bei Google war sie für Produkte zuständig. Sie gehörte zum Kern-Team Google und war 1999 die 20. Mitarbeiterin des Unternehmens überhaupt. Das schlichte Design der Google-Suchmaske stammt von ihr. Die Los Angeles Times attestierte ihr, niemand anderes habe so viel Einfluss darauf, wie Menschen das Internet erleben. Dass Yahoo Mayer zur neuen Chefin macht zeigt, dass das Unternehmen vermutlich mit neuen Produkten aus der Krise finden will.
Die Liste der Promis, die dem Tross angehören, wächst von einem Quartal zum anderen. SAP-Mitgründer Hasso Plattner mischt über seine im benachbarten Potsdam ansässige Risikokapitalgesellschaft HPV im Rennen um die besten Ideen und die heißesten Startups mit. Und selbst Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher hat seine Fühler in die Berliner Szene ausgestreckt: Seine gemeinsam mit Madonna-Manager Guy Oseary betriebene Gesellschaft A-Grade Investments hält Anteile an drei Berliner Startups.
Konkrete Zahlen über die Größe des Netzwerks gibt es nicht, dafür wächst die Szene zu schnell. Aber es dürften aktuell mehrere Hundert Internet-Startups in Berlin sein, die um Investoren, Aufmerksamkeit und Kunden buhlen. Befeuert wird der Nachschub an Ideen und Neugründungen durch Brutkästen, wie sie etwa die drei Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer mit Rocket Internet auf die Beine gestellt haben.
Berlins Startup-Netzwerk
Je nachdem, ob man etwa IT- und Biotech-Unternehmen mitzählt, hat das Startup-Biotop mittlerweile zwischen 10.000 und 50.000 Jobs in Berlin geschaffen. „Berlin ist praktisch selbst wie ein Startup – oder wie ein großer Brutkasten, der ständig neue Ideen gebiert“, sagt Roberto Bonanzinga, Partner beim im London ansässigen Wagnisfinanzierer Balderton Capital, einem der größten europäischen Investoren, der zum Beispiel am Berliner Spieleentwickler Wooga beteiligt ist. „Das ist eine perfekte Umgebung für Startups.“
Und so sorgt der riesige Inkubator Berlin dafür, dass die Maschen des Startup-Netzwerks von Tag zu Tag dichter werden. Inzwischen gibt es erste Multi-Gründer wie den 44-jährigen Schweizer Christophe Maire, die Geld aus Firmenverkäufen wieder zurück an die Spree pumpen. Maire hat sein 1999 gegründetes Unternehmen für Navigationssoftware, Gate 5, im Jahr 2006 für geschätzt 250 Millionen Dollar an Nokia verkauft.
2008 hob er das Unternehmen Txtr aus der Taufe, das sich nun nach einem Strategieschwenk auf E-Book-Software und virtuelle Bücher-Shops im Internet spezialisiert. Parallel arbeitet Maire inzwischen auch als Business Angel. Das heißt, er steuert Geld und Know-how bei und hat privat sowie als Partner beim Risikokapitalgeber Atlantic Ventures in diverse Berliner Startups investiert. „So entsteht langsam die Basis für ein nachhaltiges Firmen-Ökosystem“, sagt Maire über Berlin.
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Wenn Sie absehen können, dass Sie eine bestimmte Person auf einer Veranstaltung treffen, recherchieren Sie im Vorfeld einige Fakten. So ist es einfacher einen kreativen Aufhänger für den Gesprächsstart zu finden.
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Begegnen Sie den Menschen mit Offenheit und Interesse. Wenn Sie Fragen stellen, erfahren Sie häufig vieles über Ihr Gegenüber – auch Dinge, die Ihnen nicht gleich, aber eventuell später nützen können.
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Versuchen Sie nicht Ihren Gesprächspartner zu dominieren und davon zu überzeugen, welch toller Typ Sie sind. „Das ist das krasse Gegenteil von wertschätzender Kommunikation“, sagt Liebermeister.
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Es ist ein Fehler erst ein Netzwerk aufzubauen, wenn Sie ein Problem haben. Denn dann ist es häufig zu spät. Ein strategisches Netzwerk zu schaffen, ist zeitaufwendig.
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Bieten Sie Ihrem Gegenüber Ihre Hilfe an. Wenn Sie zuerst Informationen oder Kontakte preisgeben, erhalten Sie einen Vertrauensvorschuss. Entscheidend ist also die persönliche Einstellung. Wenn Sie jemandem Unterstützung anbieten, verleiht das Ihnen Souveränität.
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Können Sie Ihrem Kontakt nicht direkt weiterhelfen, suchen Sie in Ihrem Netzwerk nach jemandem, der das kann. Das ist laut Liebermann „der einfachste Weg, um in Vorleistung zu gehen“.
Bild: FotoliaVertrauen schaffen
Das Vertrauen in einen anderen Menschen erwächst nicht von heute auf morgen. Es entwickelt sich häufig über Jahre. Liebermeister hält gegenseitiges Zuhören, ehrliches Interesse und das Entdecken von Gemeinsamkeiten für die wichtigsten Bausteine einer vertrauensvollen Beziehung.
Bild: FotoliaSynergien beachten
Eine Beziehung, von der nur einer der beiden Partner profitiert, ist meist nicht von langer Dauer. Schaffen Sie eine gesunde Balance aus Geben und Nehmen. Das gilt sowohl für geschäftliche als auch private Kontakte.
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Kontaktpflege ist zeitaufwendig. Deshalb empfiehlt Netzwerk-Expertin Liebermeister, den Beziehungsaufbau als Lebensstil und Philosophie zu begreifen. Verfolgen sie diese Strategie rigoros, erschaffen sie „eine Welt von Verbindungen, die geprägt ist von Win-win-Situationen“.
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Ein Mensch kann laut wissenschaftlichen Untersuchungen maximal den Umgang mit 150 Personen intensiv pflegen und genau darauf kommt es an. Denn ein „wirklicher“ Kontakt sei wichtiger als hunderte, zu denen Sie in keiner echten Beziehung stehen, meint Liebermeister.
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Wenn Sie absehen können, dass Sie eine bestimmte Person auf einer Veranstaltung treffen, recherchieren Sie im Vorfeld einige Fakten. So ist es einfacher einen kreativen Aufhänger für den Gesprächsstart zu finden.
„Die Startup-Szene in Berlin sucht zumindest in Kontinentaleuropa ihresgleichen“, sagt auch Klaus Hommels. Der 45-Jährige operiert von Zürich aus und hat in der Vergangenheit bereits gutes Gespür bewiesen. Er investierte frühzeitig in den Internet-Telefondienst Skype, der heute zum US-Software-Riesen Microsoft gehört, sowie in das Business-Netzwerk Xing. In Berlin hat Hommels aktuell unter anderem Geld in den Online-Portal-Betreiber Global Leads Group gesteckt.
Im Vergleich zu den USA mangelt es nach Hommels Meinung dem Berliner Internet-Schmelztiegel vor allem noch an Kapital. Aber auch das ändert sich langsam: Ende Juni hat die australische Investmentbank Macquarie zusammen mit den Altgesellschaftern 15 Millionen Euro in den Online-Essensbestellservice Lieferando investiert. Und Anfang dieses Jahres machte die US-Investmentgesellschaft Kleiner Perkins Caufield & Byers Millionen für das Musik-Startup Soundcloud locker. Soundcloud hat eine App für das Musikhören per Internet-Stream am PC und Smartphone entwickelt.
Soundcloud und Gidsy
Soundcloud ist eines der vielen Positiv-Beispiele aus der Berliner Gründerszene. Statt nach London oder ins Silicon Valley zogen die beiden Schweden Alexander Ljung und Eric Wahlforrs bei der Gründung vor fünf Jahren an die Spree. „Einer der Gründe, warum wir Soundcloud in Berlin gestartet haben, war die dortige Musikszene“, sagt Ljung. „Am Anfang haben wir praktisch jedes Wochenende ausgiebig das Berliner Clubleben genossen – nicht nur aus Spaß, sondern als perfekte Marketingmethode für Soundcloud.“
So befruchten sich die verschiedenen Mitglieder der Berliner Szene – Gründer und Investoren, aber auch Musiker und Künstler – gegenseitig. Die Stadt ist hip, kreativ und international. Damit bietet sie einen Nährboden für Firmengründer aus aller Welt. Das sieht auch der Niederländer Edial Dekker so, Gründer des Internet-Neulings Gidsy, in den Hollywood-Mime Kutcher Teile seiner Gage gesteckt hat. Gidsy ist ein Online-Reiseführer mit angeschlossenem Internet-Marktplatz für spezielle Dienstleistungen, etwa Weinproben.
Dekker sitzt mit seinem Team von elf Leuten unter dem Dach einer Fabriketage in Kreuzberg nahe dem Kottbusser Tor – in „Silicon Kotty“, wie Dekker die Gegend wegen ihrer Startup-Dichte nennt. „Berlin ist günstig, verändert sich ständig, zieht kreative Leute an und es gibt kein Establishment“, sagt der 27-Jährige. Entsprechend unkonventionell hat er offenbar Kutcher als Investor gewonnen. „Ich habe ihm Passwort und Benutzername von Gidsy per E-Mail geschickt, damit er’s ausprobieren kann“, erzählt Dekker.
Bild: dpaPlatz 17: Berlin
Das Projekt Startup Genome hat ermittelt, was die besten Standorte für Gründer sind. Immerhin auf dem 17. Platz landet eine deutsche Stadt. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zum Anziehungspunkt für Start-Up-Gründer entwickelt. Besonders die Gegend um den Rosenthaler Platz hat es vielen angetan, die mittlerweile schon Silicon Allee genannt wird.
Erfolgreiche Berliner Start-Ups der vergangenen Jahre waren unter anderem kaufda, die Werbeprospekte ins Internet stellen, der Gutscheinhändler Groupon, Zalando oder eDarling. Auch das von US-Schauspieler Ashton Kutcher unterstützte Start-Up Amen hat seinen Sitz in Berlin.
Bild: dpaPlatz 10: Moskau
Zwanzig Kilometer außerhalb von Moskau entsteht in Skolkowo ein neues „russisches Silicon Valley“. Das Innovationszentrum soll im gleichen Stil wie das Original neue Hochtechnologien hervorbringen. Dazu sollen dort in Zukunft über 30 000 Wissenschaftler an neuen Ideen tüfteln. Eröffnet wird „Innograd“ wahrscheinlich frühestens 2016.
Bild: ReutersPlatz 9: Bangalore
Immer erinnernd an das amerikanische Vorbild, hat Bangalore den Beinamen „indisches Silicon Valley“ bekommen. Nicht zu Unrecht: In der Stadt haben sich viele IT-Firmen wie SAP, Oracle und IBM niedergelassen. Deswegen ist auch die Zahl der Informatiker in der Stadt hoch.
Bild: ReutersPlatz 8: Sao Paulo
Brasilien, und allen voran Sao Paulo, ist im Beliebtheitsranking von Start-Up-Gründern schnell nach oben geklettert. Im Gegensatz zu anderen Metropolregionen haben die Gründer hier viel Platz um sich auszuleben. Investoren schätzen das große Potential in Südamerika und stellen bereitwillig Gelder bereit.
Auch die deutschen Samwer-Brüder, die unter anderem auch in Zalando, Jamba oder Groupon investiert haben, sind in Sao Paulo aktiv. Der Skype-Gründer Niklas Zennström hat in einen Online-Shop für Babyartikel investiert.

Platz 7: Singapur
Der Tigerstaat hat sich eine kleine Stadt im Inneren geleistet: Die Biopolis. Über 220 000 Quadratmeter groß, arbeiten hier Wissenschaftler aus der ganzen Welt an neuen Entwicklungen für die Medizin und Biotechnologie.
Diese Bereiche sind bei Risikokapitalgebern sehr beliebt, da sie gute und vergleichsweise sichere Renditen versprechen. Start-Ups in diesen Bereichen kommen hier schnell an einen Investor.
Bild: APPlatz 6: Los Angeles
Start-Ups fühlen sich wohl in der Nähe von Unterhaltungsindustrie, die ständig auf der Suche nach neuen technischen Möglichkeiten oder Ideen sind – und welcher Ort könnte dafür besser sein, als Los Angeles. Auch die Nähe zu vermögenden Bewohner der Stadt, wie zum Beispiel zum bekannten Schauspieler und Risikokapitalgeber Ashton Kutcher, zieht junge Unternehmensgründer an.
Bild: ReutersPlatz 5: Tel Aviv
Auch in Israel gibt es eine Niederlassung des Silicon Valley: Das Silicon Wadi. Laut „The Globe and Mail“ sollen 422 Start-Ups – alleine in den ersten drei Quartalen vergangenen Jahres - fast 1,9 Milliarden Euro Risikokapital eingesammelt haben.
Auch die großen US-Konzerne bedienen sich gerne an den kreativen Start-Ups im Silicon Wadi. So hat Ebay im September sein Portfolio für 20 Millionen Dollar um „The Gifts Projekt“ erweitert, eine Plattform, auf der Freunde gemeinsam Geschenke für eine andere Person kaufen können.

Platz 4: Toronto
Die kanadische Metropole ist der wichtigste Finanzplatz des Landes. Hier sind auch viele Investmentfirmen angesiedelt – was die Stadt für Startup-Gründer besonders attraktiv macht. Aus Kanada kommt unter anderem die Idee des „1-Dollar-Business“, die unter anderem von der Freien Universität Berlin aufgegriffen wurde: Die Studenten erstellen einen Business-Plan der von einer Jury aus Wirtschaftsvertretern bewertet wird. Der beste Plan gewinnt.
Bild: ReutersPlatz 3: London
Die Strahlkraft des Silicon Valley ist so groß, dass Ortsteile in denen sich viele junge Unternehmensgründer ansiedeln, schnell einen Namen tragen, der an das amerikanische Vorbild erinnert. In London ist es das „Silicon Roundabout“ rund um die U-Bahn Haltestelle „Old Street“.
Hier sitzt zum Beispiel auch die 2008 gegründete Internetfirma „Mixcloud“. Dort können sich die Nutzer ihr eigenes Radioprogramm zusammenstellen und mit Freunden teilen.
Bild: ReutersPlatz 2: New York City
Die Stadt gilt gemeinhin als Schmelztiegel der Kulturen, indem neue Ideen viel Raum finden. Und weil man sich in der Millionenmetropole nicht so leicht durch Zufall über den Weg läuft, haben Dennis Crowley und Naveen Selvadurai 2009 das Start-Up Foursquare gegründet. Über das Internet oder eine App können sich Nutzer an einem Ort „einchecken“ und sehen, wo sich ihre Freunde gerade befinden.
Platz 17: Berlin
Das Projekt Startup Genome hat ermittelt, was die besten Standorte für Gründer sind. Immerhin auf dem 17. Platz landet eine deutsche Stadt. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zum Anziehungspunkt für Start-Up-Gründer entwickelt. Besonders die Gegend um den Rosenthaler Platz hat es vielen angetan, die mittlerweile schon Silicon Allee genannt wird.
Erfolgreiche Berliner Start-Ups der vergangenen Jahre waren unter anderem kaufda, die Werbeprospekte ins Internet stellen, der Gutscheinhändler Groupon, Zalando oder eDarling. Auch das von US-Schauspieler Ashton Kutcher unterstützte Start-Up Amen hat seinen Sitz in Berlin.
Geschwindigkeit, Zusammenarbeit und Kreativität sind das Markenzeichen der Region rund um Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Mitte und Kreuzberg. Einen der Antriebsmotoren nennt Florian Heinemann, Geschäftsführer des vom Otto-Konzern finanzierten Inkubators Project-A Ventures: „In Berlin“, sagt Heinemann, „gibt es so etwas wie die Jamba-Mafia.“ Damit spielt Heinemann an auf die sogenannte Paypal-Mafia in den USA.
So nennt die Internet-Szene ironisch die Gründer des gleichnamigen Online-Bezahldienstes, zu ihnen gehören der Deutsche Peter Thiel und der Amerikaner Reid Hoffman. Sie steckten nach dem Verkauf von Paypal an das Online-Handelsportal Ebay für rund 1,5 Milliarden Dollar 2002 ihr Geld in weitere Neugründungen; Hoffman finanzierte zum Beispiel das inzwischen börsennotierte Karrierenetzwerk LinkedIn.
Analog dazu repräsentiert die Jamba-Mafia in Berlin ein Netzwerk aus Managern und Gründern, die ebenfalls Kasse gemacht haben und nun Geld und Know-how in die Berliner Internet-Maschine stecken. Im Zentrum stehen die drei Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer, die mit dem 2000 gegründeten Klingeltonanbieter Jamba Sporen und Geld verdient haben. 2004 verscherbelten die Samwers Jamba für 223 Millionen Euro an den US-Technologiekonzern Verisign.
Der Deal hatte Folgen. In den Jahren danach verließen diverse Mitarbeiter Jamba und wurden Gründer und Manager in Berlin. Zu ihnen zählen Project-A-Mann Heinemann, Wooga-Gründer Jens Begemann, die Toptarif-Gründer Thorsten und Ingo Bohg sowie der heutige Immoscout-Geschäftsführer Dirk Hoffmann.
Rocket Internet
DIE URSUPPE
Jamba war damit eine Art Ursuppe der Berliner Startup-Szene. Neu zubereitet und mit frischen Zutaten ist an die Stelle von Jamba der Inkubator Rocket Internet getreten, den die Samwer-Brüder 2007 gründeten. Rocket Internet spült ständig neue Startups in die Szene. Zudem sorgt das Unternehmen durch Zu- und Abgänge für dauerhaften Nachschub an Managern.
Rocket Internet ist das größte und vielleicht auch wichtigste Internet-Unternehmen in Berlin. Insgesamt arbeiten in den Rocket-Firmen weltweit 15.000 Leute. Rocket ist eine Fabrik für Internet-Startups. Herr über diese Fabrik und Statthalter der drei Samwer-Brüder ist Alexander Kudlich. Der 32-Jährige kommt mit hanseatischem Flair daher: leger gekleidet mit Hemd, nicht im typischen Startup-Outfit mit Kapuzenpulli.

250 Menschen werkeln in der Rocket-Zentrale im Dreieck zwischen Friedrich- und Oranienburgerstraße. Die Raketen, wie es auf einem internen Organigramm heißt, sitzen im vierten und fünften Stock eines sechseckigen Gebäudes in der Johannisstraße. Kudlich bündelt Experten für alles, was ein Internet-Startup braucht: Online-Marketing, Finanzen, Buchhaltung und Personalwesen. „Für Neugründungen schneiden wir hier Teams heraus“, sagt Kudlich.
Bild: ScreenshotTyp: Soziales Netzwerk
Gründung: November 2010
Wagniskapital: 41 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 500 Mio. Euro
Bild: ScreenshotTyp: Online-Bezahldienst
Gründung: Februar 2009
Umsatz: 60 Mio. Euro (geschätzt)
Wagniskapital: 168 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 4 Mrd. Euro
Bild: ScreenshotTyp: Vermittlung von Unterkünften (social sharing)
Gründung: August 2008
Wagniskapital: 120 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 1,5 Mio. Euro
Bild: ScreenshotTyp: Soziales Netzwerk
Gründung: August 2008
Wagniskapital: 37 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 800 Mio. Euro
Bild: ScreenshotTyp: Online-Speicherdienst
Gründung: Juni 2007
Umsatz: 240 Mio. Euro (geschätzt)
Wagniskapital: 257 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 5 Mrd. Euro
Bild: dpaTyp: Führender Online-Spieleanbieter
Gründung: Juli 2007
Umsatz: 1,14 Mrd. Euro
Verlust: 400 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 6,5 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 2900
Bild: dpaTyp: Kurznachrichtendienst
Gründung: März 2006
Umsatz: 140 Mio. Euro (geschätzt)
Wagniskapital: 1,1 Mrd. Euro
Börsenwert / Bewertung: 10 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 300
Bild: dpaTyp: Weltmarktführer soziale Netzwerke
Gründung: Februar 2004
Umsatz: 3,7 Mrd. Euro
Gewinn: 1 Mrd. Euro
Wagniskapital: 2,2 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 2500
Bild: dapdTyp: Weltmarktführer – Business-Netzwerk
Gründung: Mai 2003
Umsatz: 522 Mio. Euro
Gewinn: 12 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 10,5 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 2200
Bild: dapdTyp: Weltmarktführer Internet-Suche / Online-Werbung
Gründung: September 1998
Umsatz: 38 Mrd. Euro
Gewinn: 10 Mrd. Euro
Börsenwert / Bewertung: 198 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 32 500
Typ: Soziales Netzwerk
Gründung: November 2010
Wagniskapital: 41 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 500 Mio. Euro
Rocket Internet stampfte in den vergangenen Jahren innerhalb weniger Monate Neugründungen wie den Internet-Schuhhändler Zalando, das Partnerschaftsportal eDarling oder die an Groupon verkaufte Schnäppchenseite CityDeal aus dem Boden. Das brachte Erfahrungen. Heute bastelt ein Team an einem neuen Unternehmen maximal vier Monate. Danach steht das Startup und zieht in eigene Räume.
Mehr als 100 Unternehmen rund um den Globus hat die Gründungsmaschine bisher ausgespuckt. Trotz solcher Erfolgszahlen tritt Rocket bisher kaum in der Öffentlichkeit auf. Hauptgrund: Das Unternehmen gilt als „Copycat“ – zu Deutsch: als Nachahmer. Die Samwer-Fabrik nutzt vor allem bewährte Geschäftsmodelle des E-Commerce und bringt sie möglichst schnell in möglichst vielen der weltweit 40 wichtigsten Märkte ins Netz. „Innovationen gibt es nicht nur im Geschäftsmodell, sondern auch in den Prozessen“, nennt Kudlich diese Strategie. „Uns geht es um Exzellenz in der Umsetzung.“
Die haben die Raketen perfektioniert: „Wir können inzwischen ein Internet-Projekt innerhalb von vier Wochen in mehreren der 40 Märkte hochfahren“, sagt Kudlich stolz. In den vergangenen Monaten hat die Internet-Fabrik beinahe eine neue Firma pro Woche ausgespuckt. „Mehr geht kaum“, so Kudlich. Dadurch schafft Rocket Arbeitsplätze und füttert langfristig das Berliner Netz: „Viele ehemalige Rocket-Mitarbeiter sind heute mit eigenen Startups unterwegs“, sagt Kudlich.

Wooga
DER VORZEIGE-STARTER
Jens Begemann, der 2009 den Spieleanbieter Wooga gegründet hat, hat eine Vorzeigekarriere im Samwer-Umfeld vorzuweisen. Er watete sieben Jahre lang in unterschiedlichen Führungspositionen durch die Ursuppe Jamba. „In der Jamba-Zeit haben viele gelernt, was es heißt, ein Startup zu führen“, sagt Begemann.
Der 35-Jährige ist älter als die meisten Startup-Gründer. Er stammt aus Ostwestfalen-Lippe. „Da ist man früher nie weggezogen“, sagt er nachdenklich und bedächtig. „Ich wollte Wooga schon vor zehn Jahren gründen, aber da fühlte ich mich noch nicht so weit, weil mir noch die Erfahrung fehlte, wie man ein Unternehmen führt.“
Das Abwarten hat sich für Begemann ausgezahlt. Was hier im vierten Obergeschoss in einer ehemaligen Brotfabrik im Prenzlauer Berg 2009 begann, ist heute gemessen an der Zahl der monatlich aktiven User der zweitgrößte Entwickler sogenannter Social Games weltweit. Das sind Spiele in sozialen Netzwerken. Gleich millionenfach daddeln Facebook-Nutzer weltweit die Wooga-Spiele Diamond Dash, Monster World oder Bubble Island. Ein Flachbildschirm am Eingang empfängt den Besucher mit Live-Zahlen.
Mehr als 200 Mitarbeiter hat Wooga inzwischen, im Schnitt kommen zwei pro Woche hinzu. Als eines der Vorzeige- unternehmen der Berliner Szene hat Wooga illustre Investoren angezogen, darunter die in London ansässige Balderton Capital. »
Bild: dapdFoursquare
Das soziale Netzwerk Foursquare könnte sich besonders für Groupon lohnen. Foursquare ist standortbezogen, das heißt, dass die Nutzer per GPS ihren aktuellen Standort kommunizieren können. Für jeden Check-in an einem Ort gibt es Punkte. Außerdem können die Foursquare-Nutzer Tipps und to-do-Listen zu den Orten veröffentlichen, wie beispielsweise Restaurantkritiken oder Empfehlungen für Geschäfte. Und hier käme Groupon ins Spiel. Mehr als 20 Millionen Menschen nutzen Foursquare. Geschätzt wird der Wert des dienstes auf rund eine Milliarde Dollar.
Bild: ScreenshotAirbnb
Luftmatratze oder Klappsofa statt Hotelbett, dafür gemeinsames Frühstück mit dem Gastgeber: Hinter Airbnb steckt ein Unternehmen, dass Couchtouristen und potentielle Gastgeber zusammenführt. Wie bei Hotelportalen können die Anbieter von Gästezimmern bewertet und kommentiert werden, so dass der Reisende erfährt, was ihn wo erwartet. Mehr als 900.000 Menschen sind mittlerweile bei airbnb registriert und mieten und vermieten Unterkünfte rund um den Globus. 112 Millionen Dollar hat das Unternehmen bisher an Investorengeldern eingesammelt. Für Hotelketten oder Portale wäre airbnb eine gute Investition.
Bild: dpaSpotify
Der Musikdienstleister Spotify ist hat im vergangenen Juni von Investoren rund 100 Millionen Dollar von verschiedenen Investoren eingesammelt. Damit und zusammen mit seinen zehn Millionen Nutzern in mehr als zehn Ländern dürfte Spotify etwas teurer werden als eine Milliarde Dollar. Für Apple beispielsweise wäre Spotify aber eine nette Ergänzung zum iStore.
Bild: ScreenshotBleacher Report
Die Sportseite Bleacher Report gibt es erst seit 2007. Mittlerweile besuchen rund 25 Millionen Nutzer pro Monat die Homepage, um sich Videos, Analysen und Hintergrundberichte zu verschiedensten Sportthemen anzusehen. Die Zahl der sogenannten unique user macht den bleacher report zur viertgrößten Sport-Website im Netz. Für Nachrichtendienste ohne Sportberichterstattung wäre der Kauf von br also eine Überlegung wert.
Bild: ScreenshotFab
Bei der Shopping-Community Fab macht pro Tag rund 300.000 Dollar Umsatz. Die mehr als drei Millionen Nutzer können über Fab nach ihren Lieblings-Designer-Stücken suchen und beim Einkauf bis zu 70 Prozent sparen. Das Unternhemen hinter der Community hat bereits 50 Millionen Dollar Investorengelder einsammeln können und ist derzeit um die 200 Millionen Dollar wert. Für Groupon oder andere Schnäppchen-Anbieter wäre Fab eine gute Ergänzung.
Bild: dapdRovio
Die Macher des Spiels "Angry birds" haben im Jahr 2010 rund fünf Millionen Dollar Umsatz gemacht, drei Millionen davon waren Gewinn. Durch Investoren bewegt sich das Kapital des Jungunternehmens derzeit bei rund 200 Millionen Dollar. Für andere Spielehersteller wie Zynga dürfte Rovio eine gelungene Investition sein.
Bild: ScreenshotPath
Mit der App Path können Nutzer private Momente, Bilder und Videos mit ihren Freunden teilen. Path funktioniert quasi wie ein Tagebuch, das ein bestimmter Kreis von Menschen lesen darf und von dem bestimmte Einträge auch bei Twitter, Foursquare, Facebook oder Tumblr veröffentlicht werden können. Rund drei Millionen Menschen nutzen das soziale Netzwerk für unterwegs. Google hatte schon einmal bei Erfinder Dave Morin angeklopft und ein 100 Millionen Dollar für Path geboten. Morin lehnte jedoch ab.
Bild: ScreenshotSquare
Wer sich bei Square registriert, brauch nie mehr irgendeine Kreditkarte benutzen, sondern kann sein Handy dafür benutzen. Außerdem gibt es fürs eigene Gerät einen Kreditkartenleser. Erfunden hat das mobile Bezahlsystem der Twitter-Mitgründer Jack Dorsey. Für Visa oder Mastercard wäre Square eine schöne Bereicherung. Sie müssten allerdings mindestens eine Milliarde Dollar hinblättern, einige schätzen den Wert des Dienstes auch auf zwei Milliarden.
Bild: dpaPinterest
Immer mehr Menschen nutzen die virtuelle Pinnwand des sozialen Online-Netzwerks Pinterest. Für Google oder Facebook dürfte Pinterest ein interessantes Startup sein. Wert: Derzeit rund eine Milliarde Dollar, Investoren schätzen, es könnten demnächst mehr als fünf Milliarden werden.
Bild: ScreenshotYammer
Yammer funktioniert wie Twitter für Firmen und wird für die private Kommunikation innerhalb der Unternehmen genutzt. Die Zugänge zu einem Yammer-Netzwerk werden streng personalisiert, so dass auch nur Leute einer Firma in einem Netzwerk sind. Das Ganze lässt sich natürlich auch auf einzelne Abteilungen oder Teams herunter brechen.
Foursquare
Das soziale Netzwerk Foursquare könnte sich besonders für Groupon lohnen. Foursquare ist standortbezogen, das heißt, dass die Nutzer per GPS ihren aktuellen Standort kommunizieren können. Für jeden Check-in an einem Ort gibt es Punkte. Außerdem können die Foursquare-Nutzer Tipps und to-do-Listen zu den Orten veröffentlichen, wie beispielsweise Restaurantkritiken oder Empfehlungen für Geschäfte. Und hier käme Groupon ins Spiel. Mehr als 20 Millionen Menschen nutzen Foursquare. Geschätzt wird der Wert des dienstes auf rund eine Milliarde Dollar.
» So ostwestfälisch geerdet Begemann redet, so langfristig sind seine Pläne: „Wir haben keinerlei Verkaufsabsichten“, beteuert er. „Unsere Vision lautet, Spiele bis 2020 zu einem gleichberechtigten Unterhaltungsmedium neben Musik und Video zu machen.“
Corporate Finance Partners
DIE SPINNE IM NETZ
Sollte Wooga-Gründer Begemann es sich doch anders überlegen, dürfte sein erster Anruf Andreas Thümmler gelten. „Der Andi“, wie ihn alle in der Berliner Szene nennen, ist Gründer und Chef von Corporate Finance Partners (CFP). Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Frankfurt, „aber ich bin meist in San Francisco oder Berlin“, sagt Thümmler. Er bezeichnet sich selbst als die Spinne im Netz, denn CFP kümmert sich um Kapital für Startups und um die Exits – also den gewinnbringenden Ausstieg von Gründern oder Kapitalgebern.
Insgesamt 400 Deals hat der 39-jährige Thümmler laut eigenen Angaben abgewickelt, darunter viele der ganz großen in Berlin: 2004 den Verkauf von Jamba an Verisign, des Berliner Online-Shopping-Clubs Brands4Friends an Ebay Ende 2010 oder die Übernahme des Gutschein-Startups DailyDeal durch Google 2011. Es gibt kaum eine Transaktion in der Szene, bei der Thümmler nicht mitmischt.
Und im Anschluss lassen sie es alle gemeinsam im Felix ordentlich krachen. „Fragen Sie mal den Eigentümer, welche Gründer dort alle in der Dom-Perignon-Lounge ein paar Magnum-Flaschen nach einem Deal haben springen lassen“, sagt Thümmler. Felix ist einer der angesagtesten Clubs der Hauptstadt, liegt in der Nähe des Brandenburger Tors und wartet unter anderem mit einem 20 Meter langen Bartresen auf.
Der Franke Thümmler, der sich für einen Zeitschriftenartikel schon mal im Darth-Vader-Kostüm hat ablichten lassen, kümmert sich seit 1998 mit inzwischen 80 Leuten weltweit um Firmenzusammenschlüsse und -übernahmen. „Berlin ist auf der Überholspur und hat inzwischen eine Gründerkultur, die selbst den Großraum London hinter sich gelassen hat“, sagt er. Deshalb kämen auch internationale Risikokapitalgesellschaften wie Kleiner Perkins, Index Venture, Accel oder Sequoia Capital nach Berlin: „Im Vergleich zum Silicon Valley“, sagt er, „könnten es noch gut und gerne 40 Kapitalgeber mehr sein.“
IBB Beteiligung
DER SPARKASSEN-MANN
Solange es die nicht gibt, braucht es in Belin auch Leute wie Roger Bendisch, Geschäftsführer bei der IBB Beteiligungsgesellschaft, einer Tochter der landeseigenen Investitionsbank Berlin. Der 53-Jährige, Typ Sparkassen-Direktor mit Schnäuzer und Brille, arbeitet in einem hässlichen Siebzigerjahre-Bau an der Bundesallee in Westberlin, weit weg von allem Gründer-Schnickschnack. Im Erdgeschoss des Hauses sitzt eine Sparkassen-Filiale.

Der biedere Außenauftritt verdeckt: IBB Beteiligung war 2011 der aktivste Wagnisfinanzierer mit Sitz in Deutschland. 16 Erst- und 20 Folgeinvestments haben Bendisch und seine Partner getätigt, ergab eine Erhebung des Münchner Beratungsunternehmens FHP Private Equity Consultants.
„Wir stemmen alle Beteiligungen zusammen mit privaten Investoren“, sagt Bendisch. Ob die Samwer-Brüder, Business-Angels wie Maire, Maschmeyers Beteiligungsgesellschaft Alstin oder Risikokapitalgesellschaften von Holtzbrinck oder Burda – Bendisch kennt sie alle und fädelt Beteiligungen mit ihnen ein. Der IBB-Anteil liegt in aller Regel zwischen einigen wenigen bis 20 Prozent.
Warum sich das Land Berlin hier engagiert? „In der Frühphase von Unternehmensgründungen gibt es ein Marktversagen, weil viele Investoren das Risiko zu jenem Zeitpunkt scheuen. Wer eine lebendige Startup-Kultur will, muss als Land mit aktiv werden“, sagt Bendisch. So wälzen er und seine Kollegen gut 300 Business-Pläne im Jahr, rund zehn Prozent davon seien grundsätzlich beteiligungsfähig: „Wir müssen extrem vorsichtig investieren, weil wir keine Sicherheiten bekommen.“
Trotz aller Sorgfalt kommt IBB Beteiligung auf eine Erfolgsquote von bestenfalls 20 Prozent – das sind jene Unternehmen, die irgendwann ordentlich Geld verdienen. Weitere 20 Prozent der Beteiligungen gehen pleite, wie zuletzt das Solarunternehmen Soltecture. Es musste Anfang Mai wegen des Verdrängungswettbewerbes durch chinesische Anbieter Insolvenz anmelden. „Eine Pleite ist leider auch normal“, sagt Bendisch.
In seinen Augen fehlt in Deutschland aktuell vor allem die Ausstiegsmöglichkeit über Börsengänge. „Das Vertrauen der Deutschen in Aktien hat seit dem Platzen der New-Economy-Blase vor rund zwölf Jahren maßgeblich gelitten. Daher fehlen Exits über Börsengänge, die normalerweise viel Geld in die Beteiligungsgesellschaften zurückspülen, das dann wieder neu investiert werden kann“, sagt Bendisch.
Viele seiner Kontakte knüpft Bendisch auf einer der zahlreichen Networking-Veranstaltungen an der Spree. „Da bin ich dann meistens der Älteste“, sagt er und schmunzelt.
Team Europe
DIE GEGENSPIELER
Bei den Networking-Treffen begegnet Bendisch unter anderem Leuten wie Kolja Hebenstreit und Lukasz Gadowski, den Gründern und Chefs von Team Europe Ventures, neben Rocket dem zweiten großen Inkubator in Berlin. Darüber hinaus veranstalten Hebenstreit und Gadowski zum Beispiel Chefessen wie das CEO-Dinner für eine maximal zweistellige Zahl ausgewählter Teilnehmer.
Bei Team Europe in Berlin-Mitte unweit des Brandenburger Tores ist alles eine Spur kleiner, aber auch familiärer als bei Rocket. Die 34 Leute um Hebenstreit und Gadowski sind gerade erst in den vierten Stock eines historischen Baus in der Mohrenstraße eingezogen, der vor dem Zweiten Weltkrieg mal den repräsentativen Hauptstadt-Geschäftssitz der Allianz-Versicherung beherbergte.

Mit T-Shirt und Jeans ginge Hebenstreit locker selber als Gründer durch. Dabei ist er in der Szene ein alter Hase. Zusammen mit Unternehmensgründer Gadowski hat er vor gut einer Dekade den Online-T-Shirt-Bedrucker Spreadshirt aus der Taufe gehoben. Aus der Studentenklitsche in Leipzig wurde ein Unternehmen mit zuletzt gut 40 Millionen Euro Umsatz, 300 Mitarbeitern und Niederlassungen unter anderem in London, Paris und Boston. 2008 haben er und Gadowski dann Team Europe gegründet und kümmern sich seitdem um Internet-Startups. „Wir haben keine externen Investoren, sondern stecken eigenes Geld, das bei Exits aus Alt-Investments zurückfließt, in unsere neuen Firmen“, sagt Hebenstreit. Der Rückgriff auf bereits halbwegs bewährte Geschäftsmodelle sei auch der Ansatz von Team Europe.
Dass das Berliner Netz der Internet-Startups auch für ganz andere Dinge gut ist, hat Verena Delius in den vergangenen Monaten erfahren. Delius leitet seit Ende 2010 als Geschäftsführerin den Spielehersteller Goodbeans im Prenzlauer Berg.
Mit dem Internet-Kinderspiel Panfu ist das vor fünf Jahren gegründete Unternehmen auf zuletzt schätzungsweise rund vier Millionen Umsatz gewachsen – aber auch in einer strategischen Sackgasse gelandet. „Panfu ist hochprofitabel, aber nicht mehr unser Fokus“, sagt Delius. „Der gesamte Markt für Kinderspiele dreht sich in Richtung Mobile und Apps – darauf mussten wir mit einem Komplettumbau reagieren.“
Das hat die 33-Jährige getan: Ende 2011 entließ sie 15 von 60 Leuten. Seit Jahresanfang hat sie wiederum zehn neue Entwickler eingestellt. Grund für das Feuern und Heuern: „Für Apps brauche ich Entwickler mit einem anderen Know-how als für ein Internet-Spiel“, so Delius.

Die überflüssigen Leute hat sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. „Wir haben die Chefs von mehreren Startups angerufen, darunter die Spieleentwickler Wooga und Smeet sowie das E-Commerce-Portal Dawanda“, sagt Delius. In kürzester Zeit fanden alle 15 bei Goodbeans Entlassenen einen neuen Job. „In Berlin ist der Know-how-Transfer sehr groß. Man setzt sich mit anderen Gründern an einen Tisch und tauscht seine Erfahrungen aus. Daher kann man sich bei Fragen und Problemen auch leichter helfen“, sagt Delius.
Als Helfer hat sich nun auch Maschmeyer angeboten – bei seiner Firmenbeteiligung Orderbird. „Er will bei uns höchstpersönlich eine Vertriebsschulung machen, das ist natürlich der Hammer“, sagt Mitgründer Schmidtke, der früher Kassensysteme anderer Hersteller verkaufte.
Ein einstiger Einpeitscher, der seine Versicherungsvertreter früher nur so in die deutschen Wohnzimmer trieb, nun als Verkaufsberater der Startup-Szene – das gibt es nur in Berlin.


























