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Web-Industrie: Berlin ist für Startups der Himmel auf Erden

von Michael Kroker

Im Zentrum Berlins, im Kiez von Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Mitte und Kreuzberg, schlägt Europas Herz der Web-Industrie. Das große Geheimnis des Erfolgs ist ein unsichtbares Netzwerk, in dem Kapitalgeber, Berater und mutige Gründer einen in Deutschland einzigartigen Nährboden für Startups geschaffen haben.

Bastian Schmidtke, Mitgründer von Oderbird
Bastian Schmidtke. Er gründetet 2011 mit Kollegen "Oderbird" und entwickelte eine iPhone- und iPad-basierte Kassensoftware. Jetzt hat er 22 Mitarbeiter und 400 Kunden. Insgesamt sind schon 50.000 Jobs sind in der Tech-Szene an der Spree entstanden.

Bastian Schmidtke ist da, wo er immer hinwollte. Vor gut zwei Jahren sind er und sein Kompagnon Jakob Schreyer von Bamberg nach Berlin gezogen, um dort ein eigenes Unternehmen, ein Startup, hochzuziehen. „Gewissermaßen vom toten Winkel der alten Bundesrepublik in den einstigen toten Winkel Westberlins“, sagt Schmidtke.

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Der tote Winkel, von dem der 28-Jährige spricht, ist der Oranienplatz in Kreuzberg, wo Schmidtkes und Schreyers Unternehmen Orderbird seinen Sitz hat. Früher war hier ein Kiez für Alternative und Bundeswehrflüchtlinge im Schatten der Mauer. Heute ist Kreuzberg eines der heißen Pflaster für die Internet-Szene in Berlin.

Schmidtke und Schreyer haben eine moderne Kassensoftware für Kneipen, Clubs und Restaurants entwickelt, die über iPad und iPhone funktioniert.

Mit ihrem System haben die beiden nicht nur mehrere Preise bei Gründerwettbewerben abgeräumt, sondern Ende April auch einen Großinvestor an Land gezogen: Carsten Maschmeyer, Gründer des Finanzdienstleisters AWD. Der Multimillionär aus Hannover hat über seine Beteiligungsgesellschaft Alstin rund 2,7 Millionen Euro in das Jungunternehmen gesteckt und hält jetzt 30 Prozent der Anteile. „Wir freuen uns, mit Orderbird ein sehr chancenreiches Wachstumsunternehmen für unser Beteiligungsportfolio gewonnen zu haben“, ließ sich Maschmeyer nach dem Deal zitieren.

Gründerboom in Berlin

Dass ein Startup so schnell so viel Geld anzieht, ist in Deutschland nicht an der Tagesordnung, zeichnet die junge Berliner Internet-Szene aber aus. In den vergangenen zwei Jahren hat sich in der Hauptstadt etwas entwickelt, das es sonst nur – wenn auch viel größer – im kalifornischen Silicon Valley gibt: ein umfangreiches und ständig wachsendes Netzwerk. Es besteht aus Unternehmensgründern, Investoren und Inkubatoren, das sind Helfer, die Firmen ausbrüten.

Sie alle kooperieren, tauschen Erfahrungen aus und vermitteln sogar Mitarbeiter, wo immer es gerade passt. Hier kennt über ein paar Ecken jeder jeden, Kontakte liegen fast auf der Straße und sind schnell zu knüpfen.

Das Berliner Netz nährt sich zunehmend selbst. Es zieht immer mehr Gründer von außerhalb an, denen eine wachsende Schar namhafter Investoren folgt, die an dem Boom teilhaben wollen: Seien es Privatinvestoren mit eigener kleiner Anlagegesellschaft wie Maschmeyer, seien es Verlage wie DuMont aus Köln, Madsack aus Hannover oder Holtzbrinck aus Stuttgart, die über Investitionen in neue Digitalgeschäfte das Wegbrechen ihres Kerngeschäfts kompensieren wollen. Aber auch Handelskonzerne wie Otto oder Tengelmann, die sich neue Chancen im Electronic Commerce erschließen wollen, drängen nach Berlin.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.09.2012, 10:44 Uhrfrank

    @Ojesgul

    "So sehr man sich für Berlin diesen Boom wünscht, hier wird was Fundamentales ausgeblendet"
    --> Nennen Sie mir doch eine einzige(!) Startuplandschaft, in denen die Fundamentals stimmen. Aber bitte kommen Sie nicht mit Silicon Vallley, ausser Sie unterstellen jenen Startups, dass Sie nachhaltig, nicht auf Exit und nicht ausbeuterisch sind.

    "Das Gros der Startups hält nicht mehr als wenige Jahre durch"
    --> Dies gilt für Startups in allen Branchen.

    "die "Unternehmenskulturen" sind alles andere als nachhaltig und auch nicht auf Kontinuität ausgerichtet"
    --> Abgesehen von einem einzigen Beispiel, dass durch die Medien geistert (Samwer), haben Sie noch weitere Beispiele, um Ihre gewagte Unterstellung zu begründen?

    "zudem sind die Supply Chains oft ausbeuterisch"
    --> dito

  • 31.08.2012, 12:45 Uhrs.maier

    Das stimmt. Hier habe ich auch einen interessanten Beitrag zum Thema Start-Up Industrie in Berlin gesehen: http://bit.ly/NNDxyX

  • 30.08.2012, 23:12 UhrOjesgul

    So sehr man sich für Berlin diesen Boom wünscht, hier wird was Fundamentales ausgeblendet: Das Gros der Startups hält nicht mehr als wenige Jahre durch, es wird nach der geldbringenden Exit-Option gegiert (Vorbild Samwer Brüder), die Bezahlung der Mitarbeiter unterhalb der GF oder Führungsebene ist meist unterirdisch und die "Unternehmenskulturen" sind alles andere als nachhaltig und auch nicht auf Kontinuität ausgerichtet, zudem sind die Supply Chains oft ausbeuterisch (siehe Zalando).

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