Werner knallhart: Sky Online, der Chaot unter den Streaming-Diensten

kolumneWerner knallhart: Sky Online, der Chaot unter den Streaming-Diensten

Kolumne von Marcus Werner

Wir wollten einfach nur House of Cards gucken. Und blickten in Service-Abgründe. Neben den Streaming-Diensten Netflix, iTunes, Amazon Video und HBO wirkt Sky Online wie eine olle Videokassette.

Wir gucken ja bei mir Zuhause auch gerne mal Serien auf Netflix. Aber nicht alles, was Netflix etwa in Amerika anbietet, dürfen wir deutschen Kunden sehen. Da gibt es diese regionalen Sperren, weil die Streaming-Rechte hierzulande an andere Anbieter verscheuert wurden. Geo-Blocking. Wenn TTIP das ein für alle mal abschaffen würde, wäre ich erst recht für das Abkommen.

Im Moment ist das noch ungefähr so, als säße man in einem Flugzeug und das eingebaute Unterhaltungsportal darf nur von Fluggästen genutzt werden, die einen Wohnsitz in den USA haben. Fasst dann ein Deutscher an den Touchscreen vor sich, kommt die Stewardess angerauscht und kreischt: "Finger weg!"

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Zum Beispiel House of Cards. Kevin Spacey als US-Präsident, der über Leichen geht. Die aktuelle Staffel können deutsche Netflix-Kunden nicht gucken. Es sei denn, sie tun sich zusammen mit den besten Hacker der ganzen Welt. Das ist mir aber zu nerdig.

Werner knallhart Kantinentalk: Wer guckt welche Serie online?

"Hast du den Tatort gestern gesehen?" - "Nö." Mittlerweile gilt: Wer was auf sich hält, tratscht über Homeland, Deutschland 84 und Fargo. Jetzt schnell noch Anschluss finden. Oder Sie sitzen zukünftig beim Essen alleine.

Mitarbeiter in Kantine Quelle: Fotolia

Also haben wir darüber nachgedacht, uns einen Monat lang an Sky Online zu binden. Für knapp 10 Euro. Nicht die Welt. Aber eben noch so ein Vertrag. Doch was sollen wir machen? Sky hat die Rechte an House of Cards.

Das Blöde: Sky Online zeigt zwar große Serien von Weltformat, benimmt sich aber wie ein kleiner Provinz-Händler.

Wir besuchten die Website von Sky und versuchten, einen Überblick zu kriegen über die ganzen Programm-Pakete, die man über den Kabelanschluss und/oder über das Internet gucken kann.

Bei Netflix gibt es Netflix. Bei Sky aber gibt es ein riesiges Brimborium: Sky Entertainment, Sky Starter, Sky Sport, Sky Fußball Bundesliga, Sky Cinema, Sky Go, Sky Go extra, Sky Online, Sky On Demand, Sky Atlantic HD und so weiter. Hilfe!

Das einzige, das bei uns von irgendeiner Werbung irgendwo hängen geblieben war: House of Cards gibt es irgendwie für 9 Euro noch was.

Wir riefen die Telefon-Hotline an. Weil Sky so ein Wahnsinnsangebot hat, kostet die natürlich Geld. Bis zu 60 Cent pro Anruf. Denn wer da als Experte durchblickt, der will gut bezahlt werden. (Bei Netflix ist die Hotline übrigens kostenlos.)

Die beliebtesten Video-on-Demand-Anbietern in Deutschland

  • Platz 08

    So antworten die Deutschen auf die Frage "Welchen Video-on-Demand-Anbieter nutzen Sie?"

    Ich nutze nur Einzelabruf
    10 %

    Quelle: Deloitte Stand: Juni 2015

  • Platz 07

    Andere Anbieter
    9 %

  • Platz 06

    Videoload
    5 %

  • Platz 05

    Snap by Sky
    6 %

  • Platz 04

    Watchever
    7 %

  • Platz 03

    Netflix
    13 %

  • Platz 02

    Maxdome
    18 %

  • Platz 01

    Amazon Prime
    32 %

Der freundliche junge Mann an der kostenpflichtigen Hotline wusste: Dieses 9-Euro-irgendwas-Angebot zum Streamen im Internet, das ist das neue Sky Online.

"Gibt es House of Cards denn da auch in Englisch mit dazu wählbaren Untertiteln?"

"Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob wir House of Cards im Angebot haben."

Ich dachte an die 60 Cent.

"Aber das bewerben Sie doch überall."

"Ja, ok. Warten Sie mal, ich frage einen Kollegen."

Pause. Wir nutzten die Zeit ausgiebig, um die Augen zu verdrehen.

"Hören Sie? Ja, House of Cards haben wir, auch die neue Staffel. Dann müssten Sie das Paket Online Cinema buchen."

"Im Internet sehe ich gerade aber, House of Cards läuft im Paket Online Entertainment."

Netflix in Grafiken Der Aufstieg des Streaming-Giganten

In 190 Ländern ist Netflix mittlerweile verfügbar, die Zahl der Abonnenten ist auf 75 Millionen gestiegen. Der Video-Dienst eilt von Rekord zu Rekord. Was hinter dem Phänomen steckt – und wo es hakt.

Netflix Quelle: rtr, Montage

"Echt? Einen Moment bitte."

Weil die Augen vom Verdrehen schon schmerzten, stiegen wir um auf sanftes Kopfschütteln und Zungenschnalzen.

"Hallo? Danke fürs Warten. Also, Sie haben recht. Sie müssen Online Entertainment buchen. Und mein Kollege sagt, da gibt es die Serie auch auf Englisch."

"Auch mit Untertiteln?"

"Ähm, ja, Untertitel können Sie ja eigentlich immer dazu einschalten."

"Eigentlich immer? Also auch bei der neuen Staffel von House of Cards?"

"Joa."

"Ja?"

"Ja."

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