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Wettbewerb: Heiße Schlachten auf dem Spiele-Markt

von Christoph Schlautmann Quelle: Handelsblatt Online

Das Ende der Goldgräberstimmung: Mit Preisattacken und Werbespots bläst Onlinehändler McGame zum Angriff auf Media-Markt und Telekom. Es geht um viel: 2011 lag der Umsatz mit Games in Deutschland bei 1,57 Milliarden Euro.

Szene aus dem Computerspiel Battlefield 3: Händler ködern damit Kunden. Quelle: dpa
Szene aus dem Computerspiel Battlefield 3: Händler ködern damit Kunden. Quelle: dpa

DüsseldorfKugeln pfeifen durch die Luft, Häuserwände stürzen ein, Explosionen erschüttern die Szenerie. Lebensecht kämpfen sich US-Marines durch klaustrophobisch enge Straßen, die das Stadtbild von Teheran, New York oder Paris erkennen lassen. Kampfjets donnern tief über dem Kampfgetümmel und treiben den Adrenalinspiegel weit nach oben.

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All das kostet im Ernstfall nicht das Leben, sondern 52,95 Euro. So viel verlangt der Download-Händler McGame.com für das PC-Spiel „Battlefield 3“ - und macht damit zugleich klar, dass die Schlacht nicht nur auf dem Computer stattfindet. Den schlagkräftigen Konkurrenten Media-Markt unterbietet der Düsseldorfer Angreifer mit diesem Preis um zwölf Prozent.

Beide Händler locken seit vergangenem Juni im Internet mit rund 1000 PC-Spielen zum Herunterladen. Fans der Daddelspiele bleibt seither der Gang in die Fußgängerzone erspart, geordert wird bequem per Mausklick. Verschreckt hat dies nicht nur die traditionellen Spieleläden, denen bald schon ein ähnliches Schicksal drohen könnte wie einst den Video-Verleihern. Auch der Online-Pionier Gamesload.com scheint alarmiert.

Der Telekom-Ableger zog bei den Preisattacken von McGame nach und griff selbst zum Rotstift. Auch dort kostet das PC-Spiel jetzt 52,95 Euro. Ende der Goldgräberstimmung. Um die Vormachtstellung beim Vertrieb von Computerspielen herrscht Krieg. „Der Wettbewerb wird intensiver“, bestätigt Werner Ballhaus, Technologieexperte der Wirtschaftsprüfung PwC. „Entsprechend verfliegt die Goldgräber-Stimmung.“ Zudem teile sich die Wertschöpfungskette auf. „Die einen werden sich auf die Entwicklung von Spielen fokussieren“, sagt Ballhaus, „die anderen auf deren Vermarktung.“

McGame nutzt das aus. „Wir wollen rasch zum deutschen Marktführer für den Download von Computerspielen aufsteigen“, sagte Firmengründer Marco Hüsges dem Handelsblatt. „Selbstverständlich streben wir auch die europäische Marktführerschaft an.“


Download von Spielen nimmt zu

Es geht um viel. Allein in Deutschland laden jährlich 17,2 Millionen Nutzer Flug-Simulationen, Abenteuer-Spiele oder Familien-Rätsel auf ihren Computer. 445 Millionen Euro gaben sie laut Branchenverband BIU dafür im vergangenen Jahr aus. Gemeinsam mit den Spielen für Konsolen und Mobilgeräte, die Hersteller wie Sony oder Nintendo liefern, summierte sich der Umsatz auf deutschlandweit 1,57 Milliarden Euro.

Dass Onlineanbieter wie McGame, Media-Markt oder Gamesload erst jetzt massiv auf den Markt drängen, liegt an der zögerlichen Verbreitung des schnellen Internets. Denn das Herunterladen ganzer Spiele kostet Zeit. Wer eine DSL-Leitung mit 6 000 Kilobit pro Sekunde besitzt, braucht für das neue Harry-Potter-Game schon einmal gut eine Stunde.

Dennoch: 2011 kletterte der Anteil an Spielen, die nicht mehr im Laden gekauft, sondern per Mausklick heruntergeladen wurden, von 24 auf 27 Prozent nach oben. Wie unnachgiebig McGame sein Ziel verfolgt, zeigen die hohen Werbeausgaben. Jeweils 370 TV-Spots schalteten die Düsseldorfer im vergangenen November und Dezember, um im Weihnachtsgeschäft kräftig mitzumischen. Bei den Sendern Pro7, Sat1 und Kabel1 machten die Neustarter dafür vier Millionen Euro locker. „Unser Umsatz hat sich dadurch verzehnfacht“, berichtet Firmenchef Hüsges. Durch die Werbung („Du sitzt im Cockpit“) habe man 10.000 Nutzer pro Tag auf die Seite gelockt.

Umsatzzahlen nennt McGame aber nicht. „Eine neue Werbestaffel steht kurz vor dem Start“, kündigte der 41-jährige Firmengründer an, der sich die Spots selbst ausdenkt. Allein das Geld für die teure Expansion kommt von anderen. Im August 2011 stieg zunächst Ingo Endemann, Gründer des erfolgreichen Internet-Marktplatzes MyHammer.de, mit knapp über 30 Prozent bei McGame ein. Im Dezember folgte die Private-Equity-Firma Ventizz. Auf dem Papier machte dies Hüsges reich. Den Download-Anbieter, an dem er weiterhin rund 40 Prozent hält, bewertete der Einstieg mit einem zweistelligen Millionenbetrag.

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