Wirtschaftsspionage: Streit um die Cyberabwehr

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Wirtschaftsspionage: Streit um die Cyberabwehr

von Jürgen Berke

Die Sicherheitschefs großer deutscher Unternehmen wollen beim Thema Wirtschaftsschutz stärker mitmischen. Zum Ärger von BDI und DIHK.

Wenn die Bundesregierung mit Spitzenvertretern der deutschen Unternehmen über die Abwehr von Cyberangriffen redet, kann sie schon mal den Überblick verlieren. Wen soll sie ansprechen, mit wem etwas vereinbaren?

Ein halbes Dutzend Verbände erweckt inzwischen den Anschein, auf dem Gebiet der Cyberabwehr die Interessen der deutschen Wirtschaft zu vertreten. Sie hat es bisher nicht geschafft, einen zentralen Ansprechpartner zu benennen. Pikant daran: Ulrich Grillo,der Präsident des einflussreichen Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), fordert von der Regierung seit Langem: Sie solle einen zentralen Koordinator berufen, der sich in der Politik um alle Fragen des Wirtschaftsschutzes kümmert.

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Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, steht vor einer Projektion des visualisierten Internets Quelle: dpa

Jetzt versucht sich ausgerechnet der Verband als zentrale Anlaufstelle zu positionieren, der die Cyberabwehr – das derzeit am heißesten diskutierte Sicherheitsthema – jahrelang nur am Rande behandelt hat. In den nächsten Tagen, auf der Fachmesse Security in Essen, will sich die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) umbenennen und runderneuern.

Das Kürzel ASW bleibt zwar erhalten, aber es steht nicht länger für „Arbeitsgemeinschaft“, sondern künftig für „Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft“. Angeregt wurde die Reform von mehreren Großunternehmen. So sitzen die Sicherheitschefs von Daimler, BASF, Allianz, Infineon und der Deutschen Telekom im Vorstand der ASW.

Der BDI und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dürften dem Treiben kaum tatenlos zusehen. Bis 2011 gehörten auch sie der ASW an. Sie war die „Zentralorganisation der Wirtschaft“, in der quasi alle Spitzenorganisationen an einem Tisch saßen.

Doch als BDI und DIHK die ASW verließen, musste die ihre Büros im Haus der deutschen Wirtschaft in Berlin räumen. BDI und DIHK wollten sich selbst um IT-Sicherheit und Spionageabwehr kümmern. Beide Spitzenverbände bauten – unabhängig voneinander – eigene Abteilungen und Referate dafür auf, die sogar konträre Positionen zur ASW beziehen. Während der BDI die Meldepflicht bei Cyberangriffen wegen zu hoher Kosten grundsätzlich ablehnt, mahnt die ASW nur kleinere Korrekturen an.

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Fast zeitgleich entstanden auch private Organisationen wie der Cyber-Sicherheitsrat, dem namhafte Unternehmen wie RWE, Bosch, Continental, Vattenfall und Airbus angehören. Der Clou: Viele Unternehmen, die in der ASW oder im Cyber-Sicherheitsrat organisiert sind, sind auch im BDI und DIHK aktiv. Aber auf einen zentralen Koordinator muss die Regierung wohl noch warten.

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