Wladimir Klitschko: Schlagkräftiger Unternehmer

Wladimir Klitschko: Schlagkräftiger Unternehmer

, aktualisiert 14. November 2016, 12:02 Uhr
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Vom Boxer zum Unternehmer: Klitschko will mit der Deutschen Telekom zusammen den Mittelstand digitalisieren.

von Ina KarabaszQuelle:Handelsblatt Online

Wladimir Klitschko boxt nicht nur. Er ist auch Hotelbetreiber, Berater und Dozent. Nun arbeitet er mit der Deutschen Telekom zusammen – und legt viel Wert darauf, nicht nur deren Aushängeschild zu sein.

BerlinOrtstermin über den Dächern von Berlin. Sanfter Händedruck, offenes Gesicht, freundliches Lächeln. Wladimir Klitschko ist kein bulliger Boxer, auch wenn die Bilder seiner Oberarme auf Twitter an Rambo denken lassen. Heute stecken sie im hellgrauen Jackett. Abgesehen von der Größe unterscheidet Klitschko wenig von den Anzugträgern um ihn herum – und das ist auch so gewollt. Der Boxer ist als Unternehmer hier. Gerade hat er mit Hagen Rickmann, bei der Telekom zuständig für die deutschen Geschäftskunden, eine Kooperation vorgestellt. Gemeinsam wollen sie die Digitalisierung im Mittelstand voranbringen.

Die Deutsche Telekom und ein Boxer, Herr Rickmann? „Als wir angefangen haben uns auszutauschen, haben wir beide ganz klar gesagt, wir wollen keine Boxgeschichte. Wir wollen keine nette Geschichte, die wie ein Schokoriegel vermarktet wird. Wir wollen uns auf Inhalte der Digitalisierung und deren Herausforderungen konzentrieren.“

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Provozieren? „Was hat eine Boxerkarriere mit einem Telekommunikationsanbieter zu tun? Damit soll man darauf neugierig werden, was dahinter steht.“

Ein Boxer und die Telekom, Herr Klitschko? „Mir ist es wichtig zu sagen, dass ich kein Testimonial für die Telekom bin. Ich arbeite mit meiner Managementfirma mit dem Konzern zusammen. Gemeinsam entwickeln wir Methoden und Wegen, die wir dem Mittelstand an die Hand geben und die diesen in der Digitalisierung voranbringen.“

Wladimir Klitschko ist eigentlich Dr. Wladimir Klitschko. Der heute 40-Jährige hat Sport und Philosophie studiert. 2001 dann die Promotion in Sportwissenschaften an der Universität in Kiew. Er hat als Profiboxer 66 Kämpfe bestritten, davon 64 gewonnen. Er war zuletzt vierfacher Weltmeister im Schwergewichtsboxen. Bis er Ende vergangenen Jahres alle seine Titel an Tyson Fury verlor. Im Oktober hätte er versuchen sollen, sie wieder zurückzugewinnen, doch Fury sagte den Termin ab.

2007 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Vitali und ihrem gemeinsamen Manger Bernd Bönte die Klitschko Management Gruppe. Die Agentur betreut laut eigener Aussage Persönlichkeiten aus Sport und Kultur, kümmert sich um deren Marke und Vermarktung. Gleichzeitig veranstaltet die Gruppe alle Boxkämpfe der Brüder. Seit Anfang des Jahres bietet die Gruppe an der Universität St.Gallen den Weiterbildungsstudiengang „CAS in Change und Innovation Management“. Rund 15.000 Euro kostet er.

Geht es Ihnen darum, Ihren neuen Studiengang zu bewerben, Herr Klitschko? „Ich möchte mit der Skepsis brechen, was ich als Dozent in solch einem Studiengang überhaupt zu suchen habe. Diese Frage konnte ich in den Gesichtern meiner Studenten am ersten Tag meiner Vorlesung ablesen. Doch ich biete Kompetenz und Expertise, ich habe etwas zu vermitteln, das anderen weiterhilft. Natürlich bin ich Boxer. Meine Zukunft liegt jedoch in der Karriere nach der Karriere. Diese baut natürlich darauf auf, was ich vorher gemacht habe und immer noch mache. Sie baut auf den Erfahrungen aus über einem Vierteljahrhundert Leistungssport auf. Es ist vergleichbar mit meinem Bruder Vitali. Wie oft wurde er kritisch gesehen: Was will denn ein Boxer in der Politik? Und heute? Spricht keiner mehr darüber, was er vorher gemacht hat.“


„Ich werde oft unterschätzt”

Wladimirs Klitschkos Bruder Vitali war ein Boxer wie er. 47 Kämpfe hat er als Profischwergewicht absolviert, 45 davon gewonnen, 41 durch KO. Er gründete in ihrem Heimatland Ukraine seine eigene Partei, die UDAR.

„Das steht für Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen“, sagt Klitschko. „Es bedeutet aber auch ‚Schlag‘. Die Leute haben damals darüber gelacht. Heute ist er Bürgermeister von Kiew und nach dem Präsidenten der zweitwichtigste Mann im Land. Ich will nicht zu viel über meinen Bruder reden. Aber die Karriere nach der Karriere meines Bruders zeigt, dass es funktioniert. Veränderung, der ständige Wandel sind wichtig. Und wir beide haben Spaß daran.“

Karriere nach der Karriere, Karriere neben der Karriere, damit wirbt die Klitschko Management Gruppe für sich.

In der Broschüre zum Weiterbildungsstudiengang erklären Klitschko und der Ordinarius der Universität Sankt Gallen, Professor Wolfgang Jennewin, die Fähigkeit zur ständigen Veränderung werde zum Erfolgsfaktor für Mensch, Marke und Unternehmen. Diese „Mission“ werde „zur ewigen Challenge“, weswegen Challenge Management immer stärker an Bedeutung gewinnen würde.

Herr Klitschko, werden Sie als Dozent ernst genommen? „Ich werde oft unterschätzt. Doch das ist eigentlich ein Geschenk. Mir macht es Spaß, mich beweisen zu müssen, und meine Studenten sind zufrieden. Ich vermittele keine Theorie, die kommt von der Universität Sankt Gallen. Ich rede immer aus der Praxis heraus, aus meinen Erfahrungen, die ich im Leistungssport gemacht und ins berufliche und private Umfeld transferiert habe. Diese gebe ich jetzt weiter.“

Einen Tag bevor Klitschko nach Berlin gekommen ist, hat das von ihm mitgegründete Luxushotel 11 Mirrors in Kiew zwei Auszeichnungen als bestes Stadthotel der Welt und bestes Hotel Europas 2016 bei der Preisverleihung „Welt Boutique Hotels“ erhalten. Klitschko grinste mit den Auszeichnungen, schwarzem Anzug und schwarzer Krawatte in die Kameras.

Warum werden Sie noch unterschätzt, Herr Klitschko? „Ich bewege mich aktuell in einem Feld, in dem ich noch nicht so oft gesehen wurde. In den vergangenen 25 Jahren war quasi der Ring mein Büro. Dort kennen mich die Menschen. Wenn sie sich jedoch mit meinem Weg beschäftigen, stellen sie fest, dass ich schon länger im unternehmerischen Umfeld unterwegs bin. Und auch hier komme ich nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis und aus den Erfahrungen, die ich den letzten Jahren gesammelt habe. Ich bin Unternehmer.“


Klischkos Schritte gegen die Angst

Warum wollen Sie, Herr Rickmann, mit Herrn Klitschko den Mittelstand digitalisieren? „Herr Klitschko verkörpert für mich Anpacken, Pragmatismus und Wiederaufzustehen. Mit der Hochschule Sankt Gallen kommt noch die theoretisch wissenschaftliche Seite hinzu. Die Telekom bringt die technische Kompetenz und die Kundenerfahrung bei der Digitalisierung mit. Gemeinsam mit Herrn Dr. Klitschko geht es jetzt darum, die Digitalisierung und Challenge-Management voranzubringen.“

Die Deutsche Telekom sieht in der Digitalisierung des Mittelstands gute Wachstumschancen. Das Geschäftskundensegment ist lukrativ und deswegen hart umkämpft. Telekom-Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt erklärte bei der Vorlage der Bilanz zum dritten Quartal am Donnerstagmorgen, die insgesamt positive Entwicklung des Deutschlandgeschäfts gehe unter anderen auf das verbesserte Geschäftskundensegment zurück. Die „positive Entwicklung“ ist eine Steigerung der Serviceumsätze von 0,2 Prozent. Die Telekom muss anziehen.

Der Pressesprecher will abbrechen. Draußen warten noch zwei Kollegen auf ein Interview. Hagen Rickmann sagt, in fünf Minuten.

Dann lassen Sie uns doch noch kurz über das Thema Digitalisierung im Mittelstand sprechen, Herr Klitschko. Was bedeutet denn Challenge Management? „Es ist das Zusammenspiel von Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Konzentration. Es beginnt damit, seine Herausforderungen erst einmal zu erkennen. Wer die nicht erkennt, kann sie nicht meistern. So müssen Manager akzeptieren, dass sie sich digitalisieren müssen und kein Weg daran vorbei führt. Ihre Konkurrenten machen das schon. Wenn sie es nicht auch tun, weil sie zum Beispiel Angst vor Veränderung haben, werden sie Probleme bekommen.“

Als Boxer kennen Sie sich mit Angst aus. Wie bekämpft man sie? „Grundsätzlich ist es in Ordnung Angst zu haben. Angst ist gesund. Feige zu sein, ist eine Sünde. Denn das bedeutet, sich nicht dem Problem zu stellen, stehenzubleiben und somit zurückzufallen. Gemeinsam mit der Telekom zeige ich dem Mittelstand: Ihr werdet nicht digitalisiert, ihr müsst dies selbst tun, Ihr selbst habt es in der Hand. Ihr seid die bewegende Kraft.“

Können Sie das konkretisieren? Wie kann man Feigheit verlieren? „Es gibt fünf Schritte. Erstens: Ziel setzen. Zweitens: Sich der Konsequenzen bewusst sein, was passiert, wenn das Ziel nicht erreicht wird. Drittens: Sich das Ziel bildlich vorstellen. Der vierte Schritt ist, sich Weggefährten, Verbündete für die Zielerreichung zu suchen. Das können auch Konkurrenten sein, denn auch die machen uns besser. Und der fünfte Schritt ist, besessen von seinem Ziel zu werden.“

Nimmt das die Angst der Mittelständler, Herr Rickmann? „Gegen Angst hilft auch Aufklärung und vorangehen, das gilt auch bei der Digitalisierung, diese Erfahrung mache ich immer wieder in Kundengesprächen. Wissen, was vor einem steht. Seinen Gegner und die Herausforderung studieren. Verstehen beseitigt Angst. Wenn ich die Challenge verstehe, dann kann ich sie auch bearbeiten. Dafür braucht es eine saubere Analyse. Das können sie eins zu eins auf Unternehmen übertragen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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