„Workplace by Facebook“: Daumen hoch für die Kollegen!

„Workplace by Facebook“: Daumen hoch für die Kollegen!

, aktualisiert 10. Oktober 2016, 19:16 Uhr
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Der gereckte Daumen ist das Markenzeichen von Facebook – er wird auch im neuen Dienst „Workplace by Facebook“ zu finden sein.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Facebook will die E-Mail abschaffen: Der Internetkonzern hat mit „Workplace by Facebook“ einen neuen Dienst entwickelt, in dem Unternehmen die Bürokommunikation bündeln können. Allerdings nicht zum Nulltarif.

DüsseldorfEin neuer Kunde in Frankreich? Den Kollegen gefällt das. Welche Speisen soll es auf der Firmenfeier geben? Eine Umfrage gibt Aufschluss. Und wie sieht es eigentlich in den Büros in Indien aus? Ein paar Smartphone-Schnappschüsse vermitteln einen Eindruck.

Geht es nach Facebook, sieht so bald die Kommunikation in zahlreichen Unternehmen aus: Der Konzern hat eine Plattform für Unternehmen entwickelt, die Austausch und Zusammenarbeit erleichtern soll. Nach einer geschlossenen Testphase wird „Workplace by Facebook“ – vormals „Facebook at Work“ – ab dem heutigen Montag kommerziell vermarktet. 1000 Organisationen verwendeten den Dienst bereits, erklärte das Unternehmen in einem Blogeintrag.

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Wenn es um Babyfotos, Erzählungen von Fernreisen oder Diskussionen über Politik und Promis geht, ist Facebook für viele Menschen die wichtigste Plattform. Dieses Prinzip will das soziale Netzwerk nun von der privaten in die berufliche Welt übertragen. „Organisationen sind schlagkräftiger und produktiver, wenn alle zusammenkommen“, erklärte der Konzern.

Das soll mit „Workplace by Facebook“ besser gehen als mit E-Mails. Nutzer können ihren Kollegen Nachrichten schicken, mit ihnen Videos oder Bilder teilen, in Gruppen diskutieren, Veranstaltungen organisieren und über den Dienst telefonieren. Eine Übersicht der Funktionen bietet das Unternehmen online.

Wichtig: All das soll auch auf mobilen Geräten gut funktionieren. „Workplace füllt eine Lücke im Markt – für Leute, die nicht in Büros und an Schreibtischen arbeiten“, ist Facebook überzeugt. Das gelte für Mitarbeiter im Einzelhandel, Schiffsbesatzungen oder Baristas. „Unser Produkt ist mobil.“

Trotz aller Parallelen zum Freundesnetzwerk: Das Facebook für Firmen wird komplett separat betrieben. Vertrauliche Informationen sollen nicht versehentlich in den privaten Freundeskreis gelangen. Zudem gehören die Daten den Unternehmen, wie Facebook betont. Diese andere Ausrichtung lässt sich auch an der Farbe festmachen: An die Stelle des leuchtenden Blaus in der Navigationsleiste tritt ein dezentes Grau.

Facebook verspricht, damit die Kommunikation in der Firma zu erleichtern. Der Berater Thomas Hutter hat mit dem Dienst in seiner Firma bereits positive Erfahrungen gesammelt. „Ich finde es spannend für Unternehmen, die sehr vielschichtige Mitarbeitergruppen haben“, sagt der Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Das gelte etwa, wenn Mitarbeiter an verschiedenen Standorten tätig sind, oder nicht im Büro arbeiten. „Produktionsmitarbeiter informieren sich bislang üblicherweise über schwarze Bretter – aber ein Smartphone haben alle.“ Der Dienst könne daher „die Kommunikation im Unternehmen stark verändern“, ist Hutter überzeugt.


Facebook kassiert monatliche Gebühren

Mit der neuen Zielgruppe kommt auch ein neues Geschäftsmodell. Anstatt Werbung zu schalten, nimmt Facebook eine gestaffelte Gebühr, die nach Mitarbeiterzahl zwischen einem und drei Dollar (rund 2,70 Euro) pro aktivem Nutzer liegt. Damit unterbietet das Unternehmen Konkurrenten wie Slack. Zum Vergleich: Das Start-up verlangt für sein Kommunikationswerkzeug je nach Paket zwischen 6,70 und 15 Dollar pro Nutzer und Monat – und dürfte durch das neue Produkt besonders unter Druck geraten.

Für Facebook könnte es ein lohnenswertes Geschäft sein. In einer geschlossenen Testphase konnte der Konzern nach eigenen Angaben bereits 1000 Kunden gewinnen, darunter so unterschiedliche wie die Royal Bank of Scotland (RBS) und die „Financial Times“. Da einige der Unternehmen Tausende Mitarbeiter haben, kommen schnell einige Millionen zahlender Nutzer zusammen.

Allerdings begibt sich das Team um Konzernchef Mark Zuckerberg in einen umkämpften Markt. Auch andere wollen mit Chats und Gruppen die Kommunikation umkrempeln und die E-Mail in den Ruhestand verabschieden – neben Konzernen wie Microsoft und IBM etwa Salesforce und das Start-up Slack. Der Markt wächst immerhin: Das Analysehaus IDC prognostiziert, dass der Umsatz mit sogenannter Enterprise Social Software – also sozialen Netzwerken in Unternehmen – von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2019 wachsen wird.

Die Aussichten für Facebook sind trotz der Konkurrenz nicht schlecht. Der US-Konzern habe das Zeug, den Markt „reichlich durcheinanderzuwirbeln“, sagt Axel Oppermann, Chef des Analysehauses Avispador: „Kaum einer kennt das Nutzerverhalten der Menschen besser. Auf der anderen Seite kennen die Nutzer die Benutzeroberfläche“. Das erleichtere die Einarbeitung deutlich. Als größte Konkurrenten sieht der Experte IBM und Microsoft, aber auch das Start-up Slack.

Auch der Preis von maximal drei Dollar pro Nutzer und Monat dürfte eine Rolle spielen: Viele fortgeschrittene Funktionen wie Videotelefonate seien bereits inklusive, sagt Social-Media-Berater Thomas Hutter – dafür müsse man bei anderen Unternehmen allein häufig mehr zahlen. „Wenn man die Kosten im Auge behalten muss, ist das ein spannendes Angebot.“

Allerdings müsse Facebook Vertrauen schaffen, dass es den Datenschutz beherzige, sagt Analyst Axel Oppermann – in der Vergangenheit machte der Konzern regelmäßig wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten Negativschlagzeilen. Oppermann hält angesichts dieser Kontroversen hält es für einen klugen Schachzug, dass der Konzern „Workplace by Facebook“ ausschließlich gegen Gebühr anbieten: Wer zahle, sei der Kunde, nicht das Produkt – „das ist extrem wichtig für die Positionierung“. Denn auch, wenn die Oberfläche nach einem lockeren Büroalltag aussieht: Oft genug geht es nicht um die Firmenfeier, sondern Geschäftsgeheimnisse.

Quelle:  Handelsblatt Online
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