Yahoo: Alibaba-Anteil soll steuerfreien Milliarden-Erlös bringen

Yahoo: Alibaba-Anteil soll steuerfreien Milliarden-Erlös bringen

Durch die Ausgliederung wertvoller Anteile am chinesischen Online-Handelskonzern Alibaba in eine eigenständige Gesellschaft will Yahoo Milliarden an Steuern sparen. Aktionäre sind begeistert - die Aktie schießt nach oben. Die Bilanz wird zum Randaspekt.

Bild vergrößern

Marissa Meyer, Yahoo-Chefin, punktet mit einer Lösung dafür, wie die Gewinne aus der Alibaba-Beteiligung steuerfrei an die Anleger weitergereicht werden.

Der Internetkonzern Yahoo will seine knapp 40 Milliarden Dollar schwere Beteiligung am chinesischen Online-Handelsriesen Alibaba zugunsten seiner Aktionäre steuerfrei stellen. Zu dem Zweck soll der Anteil in Höhe von 15 Prozent nach Ablauf der Haltefrist im vierten Quartal als eigenständige Investmentgesellschaft namens SpinCo an die Börse gebracht werden, wie Yahoo am Dienstag ankündigte.

Was Sie über Alibaba wissen müssen

  • Wie groß ist Alibaba?

    Die relative Unbekanntheit von Alibaba hierzulande täuscht über die Bedeutung des Konzerns in China mit seinen 1,35 Milliarden Einwohnern hinweg. Das Unternehmen mit rund 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten wickelt rund 80 Prozent aller privaten Internet-Einkäufe in der Volksrepublik ab, die dieses Jahr auf ein Volumen von knapp 300 Milliarden Euro anschwellen dürften. Über Alibaba-Portale werden damit weitaus mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen. Technologie-Experte Duncan Clark vom Pekinger Beratungsunternehmen BDA fasst es so zusammen: "Alibaba hat faktisch in Alleinregie bestimmt, wie Internet-Handel in China funktioniert."

    Quellen: rtr/dpa/Unternehmen

  • Was sind die wichtigsten Teile des Unternehmens?

    Der Konzern besteht mittlerweile aus einem ganzen Geflecht von Geschäftssparten: Auf dem Marktplatz "Taobao" können Privatpersonen und Kleinunternehmer Waren an ihre Kunden verkaufen. Anstatt wie eBay eine Verkaufsgebühr zu verlangen, müssen Verkäufer auf Taobao für Werbung bezahlen. Dagegen ähnelt die Sparte "Tmall.com" eher Amazon - hier bieten etwa Konzerne wie Nike und Gap ihre Kleidung feil und müssen beim Verkauf eine Kommission zahlen. "Alibaba.com" ist eine der weltgrößten Plattformen für den Handel zwischen Firmen; hinzu kommen noch zahlreiche weitere Töchter. Eine Verbindung zwischen diesen Sparten bildet der Online-Bezahldienst "Alipay", der mit eBays Paypal vergleichbar ist und etwa die Hälfte aller Internet-Zahlungen in China abwickelt.

  • Wie will Alibaba wachsen?

    Trotz seiner gigantischen Größe hält Alibaba das Ende der Fahnenstange noch lange nicht für erreicht. Wie Vizechef Joe Tsai der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, will Alibaba noch zahlreiche andere Branchen umkrempeln. Geplant seien derzeit Expansionen in die Bankenwelt, die Reise- und Unterhaltungsindustrie sowie ins Erziehungswesen. Seinen Vorstellungen zufolge werden die Kunden bald mit Alibaba-Apps für Smartphones in Fonds investieren, Alibaba-Versicherungen für ihre Wohnungen abschließen und virtuelle Alibaba-Kreditkarten für den Internet-Einkauf in den USA einsetzen. "Unsere Vision ist es, ein größerer Bestandteil vom Leben der Menschen zu werden und ihre gesamten Bedürfnisse zu befriedigen", erklärt der Absolvent der US-Eliteuni Yale, der als Chefstratege von Alibaba gilt.

  • Was sind die größten Gefahren für das Unternehmen?

    Wie Alibaba zuletzt feststellen musste, schläft die Konkurrenz nicht, sondern holt selbst im Kerngeschäft des Giganten mit großen Schritten auf. So gewann zuletzt etwa JD.com Marktanteile im Online-Handel. Viele Experten halten jedoch das Internet-Unternehmen Tencent Holdings für den wichtigsten Rivalen, weil es bei zukunftsträchtigen mobilen Anwendungen mit seiner App "WeChat" die Nase vorn hat und dazu noch mit JD.com kooperiert. Mit seinen ehrgeizigen Plänen im Finanzsektor hat Alibaba zudem bereits Aufsichtsbehörden und staatliche Banken auf den Plan gerufen. Alibaba bietet etwa doppelt so hohe Zinsen wie den traditionellen Banken erlaubt ist und hat damit faktisch über Nacht den größten Geldmarktfonds des Landes geschaffen. Die Banken limitieren nun im Gegenzug, wieviel Geld ihre Kunden im Internet ausgeben können. Auch die Notenbank erwägt, dem Internet-Banking straffere Zügel anzulegen.

  • Wem gehört das Unternehmen?

    Die wichtigsten Anteilseigner sind das japanische Internet-Unternehmen Softbank mit rund 34 Prozent und Yahoo mit 22,5 Prozent. Konzernchef Jack Ma und Tsai besitzen zusammen etwa zehn Prozent der Firma. Ma gründete das Unternehmen vor 15 Jahren gemeinsam mit 17 weiteren Mitstreitern.

  • Die wichtigsten Zahlen und Fakten

    Firmensitz: Hangzhou/Ostchina

    Gründung: 1999

    Volumen der Transaktionen 2013: 296 Milliarden US-Dollar

    Umsatz: 8,46 Milliarden US-Dollar (Geschäftsjahr 2013/14)

    Nettoergebnis: 3,72 Milliarden US-Dollar (Geschäftsjahr 2013/14)

    Kunden: 279 Millionen Käufer pro Jahr in mehr als 190 Ländern

    Aufträge: 14,5 Milliarden pro Jahr

    Ausgelieferte Pakete: 6,1 Milliarden pro Jahr

„Wir haben unermüdlich an einer Lösung für eine steuereffiziente Alternative gearbeitet, die den Wert unserer Alibaba-Investition für unsere Aktionäre maximiert“, sagte Yahoo-Chefin Marissa Mayer. Der Trick soll funktionieren, weil das Manöver nur Aktien umfasst, worauf in den USA keine Steuern anfallen. Aktionäre müssen nur an den Fiskus zahlen, wenn sie die SpinCo-Anteile veräußern. Am Markt kamen die Neuigkeiten sehr gut an - die Yahoo-Aktie stieg nachbörslich um fast acht Prozent.

Anzeige

Alibaba hatte im September den größten Börsengang aller Zeiten in den USA gestemmt, Yahoo zählte als einer der frühen Investoren zu den großen Profiteuren. Seitdem stand der Konzern jedoch unter Druck, Aktionäre am Ertrag zu beteiligen. Vor allem der New Yorker Hedgefonds Starboard Value hatte Yahoo-Chefin Mayer unter Druck gesetzt, eine steuersparende Lösung zu finden.

Gewinne dank Alibaba Yahoo findet langsam in die Spur

Ungemütliche Aktionäre hatten die Yahoo-Chefin Marissa Mayer zuletzt unter Druck gesetzt, nun kann sie solide Quartalszahlen liefern. Dank Alibaba macht Yahoo Gewinne und auch operativ geht es voran - wenngleich mühsam.

Eine Abspaltung der Alibaba-Anteile könnte für Yahoo-Aktionäre teuer werden. Quelle: REUTERS

Das Yahoo-Management suchte lange nach Möglichkeiten, die Steuern zu drücken. „Wir haben in den letzten zwei Jahren Experten für steuereffiziente Strukturen beschäftigt und eine Reihe von Alternativen in Betracht gezogen“, sagte Finanzchef Ken Goldman. Yahoo wird insgesamt 384 Millionen Alibaba-Aktien in die neue Firma ausgliedern. Die Beteiligung in Höhe von 35,5 Prozent an Yahoo Japan bleibt hingegen bestehen.

Angesichts der Pläne für die Alibaba-Beteiligung gerieten Yahoos parallel veröffentlichte Geschäftszahlen in den Hintergrund. Der Konzern meldete für das vierte Quartal einen Gewinn von 30 Cent pro Aktie nach 46 Cent im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging leicht zurück auf 1,18 Milliarden Dollar (1,04 Mrd Euro). Die Ergebnisse trafen in etwa die Markterwartungen.

Der Aufstieg von Alibaba

  • Chinesischer Riese

    Chinas größter Online-Händler Alibaba will bei seinem Börsengang in New York alle Rekorde knacken. Ein Überblick.

    Quellen: rtr / Unternehmen

  • 1999

    Der frühere Englischlehrer Jack Ma gründet Alibaba mit 17 Mitstreitern in seiner Wohnung. Alibaba.com ist die erste Internet-Handelsplattform in China.

  • 2002

    Die Firma arbeitet bereits profitabel.

  • 2003

    Alibaba startet das Internet-Auktionshaus Taobao sowie das Online-Zahlungssystem Alipay.

  • 2005

    Yahoo steigt bei Alibaba ein und zahlt eine Milliarde Dollar für einen 40-Prozent-Anteil. Alibaba übernimmt Yahoo China. Quasi über Nacht ist Alibaba nun in fast allen lukrativen Internetbereichen stark.

  • 2007

    Alibaba.com geht am 6. November an die Hongkonger Börse. Die Plattform nimmt dabei 1,5 Milliarden Dollar ein.

  • 2011

    Alibaba gründet Ali Finance, einen Ableger, der klassische Dienstleistungen einer Bank anbietet.

  • 2012

    Alibaba.com gibt sein Listing an der Börse in Hongkong wieder auf, um den Weg für einen Mega-Börsengang des gesamten Konglomerats in den USA frei zu machen. Yahoo beginnt zudem damit, seinen Anteil an Alibaba zu verringern und hält seit September 2012 nur noch 24 Prozent.

  • 2013

    Alibaba ernennt Firmen-Urgestein Jonathan Lu zum Nachfolger von Konzernchef und -Gründer Ma. Ma begleitet sein Unternehmen nur noch als Verwaltungsratschef. Alibaba steigt zudem bei der chinesischen Twitter -Version Weibo ein und verschafft sich damit ein Standbein im rasant wachsenden Markt mit Internet-Netzwerken.

  • 2014

    Das chinesische Amazon -Pendant strebt an die New Yorker Börse. Aus einem 18-Mann-Betrieb hat Ma einen Konzern mit rund 25.000 Mitarbeitern und 300 Millionen Kunden geformt.

Erfolge konnte Yahoo erneut im umkämpften und zukunftsträchtigen mobilen Geschäft verbuchen. Hier zog der Umsatz zum Vorquartal, in dem erstmals Zahlen für diese Sparte ausgewiesen worden waren, um 23 Prozent auf 254 Millionen Dollar an. Yahoo kämpft mit Google und Facebook um Bannerwerbung und Anzeigen im Suchmaschinengeschäft. Yahoo konnte jüngst Mozilla, die Firma hinter dem Web-Browser Firefox, für eine Partnerschaft gewinnen und soll Google dort als Standard-Suchmaschine ablösen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%