Yahoo geht an Verizon: Vom Web-Pionier zum Werbe-Schnäppchen

Yahoo geht an Verizon: Vom Web-Pionier zum Werbe-Schnäppchen

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Verschwindet die Marke Yahoo bald vom Bildschirm?

Das Schicksal von Yahoo ist entschieden: In einem Schnäppchen-Deal in Höhe von knapp fünf Milliarden Dollar verleibt sich Verizon den Internet-Pionier ein. Dabei hatte Yahoo das Potenzial, größer als Google zu werden.

Als Yahoo gegründet wurde, waren Google und Facebook noch nicht einmal in Planung. Das weltweite Web war 1994 so jung, dass man die Seiten wie in einem Telefonbuch nach Themen ordnen konnte. Die Stanford-Studenten Jerry Yang und David Filo machten genau das mit „Jerry und Davids Wegweiser für das World Wide Web“.

Wenig später änderten sie den Namen in Yahoo, eine augenzwinkernde Abkürzung für „Yet Another Hierarchically Organized Oracle“ (Noch ein hierarchisch geordnetes Orakel). Die Idee kam an, Yahoo wurde für viele Nutzer zur Startseite auf ihrem Weg ins Netz.

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Doch das Web wurde schnell zu groß für diese Art von Katalogisierung. Damit schlug die Stunde von Internet-Suchmaschinen wie Google, die Inhalte selbst erfassen und und nach einem Algorithmus sortieren. Yahoo versuchte sich auch in diesem Geschäft, konnte jedoch – wie allerdings alle anderen auch – nicht mit Google mithalten. Es war übrigens Yang gewesen, der den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin empfahl, ihre eigene Firma zu gründen, statt weiter zu versuchen, ihre Such-Formel für eine Million Dollar an damalige große Player wie Excite zu verkaufen.

Verizon kauft Yahoo 4,8 Milliarden Dollar für den Internet-Pionier

Wie erwartet wird der Telekommunikations-Riese Verizon Medienberichten zufolge Yahoo kaufen. Damit würde eines der bekanntesten Unternehmen der Internet-Industrie nach über 20 Jahren die Unabhängigkeit verlieren.

Nach AOL kauft der Telefon-Konzern Verizon nun laut Medienberichten auch den Internet-Dino Yahoo. Quelle: REUTERS

Es war einer der vielen Momente, in denen Yahoo-Bosse den Lauf der Geschichte der Internet-Branche hätten verändern können. Jahre später machte der damalige Yahoo-Chef Terry Semel noch einen Anlauf, Google für bis zu drei Milliarden Dollar zu kaufen – doch die inzwischen reiferen Gründer ließen ihn abblitzen.

Mehrere Chefs sind an Yahoo verzweifelt

Der frühere Hollywood-Manager Semel, der das Geschäft von Yahoo nach dem Platzen der Internet-Börsenblase zur Jahrhundertwende stabilisieren sollte, bot 2006 auch einem jungen Mann Anfang 20 eine Milliarde Dollar für dessen aufstrebendes Online-Netzwerk. Doch Mark Zuckerberg überzeugte seine Investoren, dass Facebook mit ihm an der Spitze viel mehr erreichen kann. Heute ist Facebook rund 350 Milliarden Dollar wert und die Google-Mutter Alphabet über 500 Milliarden Dollar - und Yahoo geht für keine fünf Milliarden über den Ladentisch.

Denn der Web-Pionier hat zwar nach wie vor hunderte Millionen Nutzer in seinen Diensten wie E-Mail oder News – liegt aber weit abgeschlagen hinter Google und Facebook im Geschäft mit Online-Werbung. Die Frage „Was ist Yahoo?“ ließ einen Chef nach dem anderen verzweifeln, das Tempo, mit dem angesehene Top-Manager verschlissen wurden, ist enorm.

Yang, der Semel 2007 selbst an der Spitze ablöste, wird vor allem damit in Erinnerung bleiben, dass er ein rund 45 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot von Microsoft ablehnte. Seine Nachfolgerin war Carol Bartz, die vom Chefposten beim Software-Spezialisten Autodesk rüberwechselte und dort viel Respekt genoss, biss sich an Yahoo ebenfalls die Zähne aus. Auf sie folgte Scott Thompson, der binnen weniger Monaten wieder weg war, nachdem einem kritischen Investor auffiel, dass er seinen Lebenslauf geschönt hatte.

Dann kam vor vier Jahren Marissa Mayer, die einen klaren Plan für Yahoo zu haben schien: Mehr Nutzer mit einem üppigeren Medienangebot anlocken, damit das Werbegeschäft wächst. Dafür baute sie News-Portale aus, engagierte bekannte Gesichter wie TV-Moderatorin Katie Couric und ließ sogar die eingestellte Comedy-Serie „Community“ im Netz wieder aufleben.

Die zehn größten IT-Übernahmen weltweit nach Kaufpreis

  • Platz 10

    Im Jahr 2010 schluckte Microsoft die norwegische Suchmaschine Fast. Das 1997 gegründete Unternehmen ist auf Suchmaschinenprogramme für Firmenkunden spezialisiert. Der Kaufpreis soll 1,2 Milliarden US-Dollar betragen haben.
    Quelle: Statista

  • Platz 9

    2006 übernahm Google Youtube für 1,65 Milliarden US-Dollar. Youtube, damals noch ein defizitäres Start-Up-Unternehmen, war für Google zu diesem Zeitpunkt der teuerste Kauf in der achtjährigen Firmengeschichte.

  • Platz 8

    2014 überrasche Facebook Branchenkenner mit dem Kauf von von Oculus VR. Zwei Milliarden US-Dollar zahlte Facebook für den Hersteller von VR-Brillen, die speziell für PC-Spiele ausgelegt sind. Mit dem Unternehmen hat Mark Zuckerberg großes vor. „Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform überhaupt zu werden“, sagte er anlässlich der Übernahme.

  • Platz 7

    Nur ein Jahr nach der Youtube-Übernahme kaufte Google für sage und schreibe 3,1 Milliarden US—Dollar den Anzeigenriesen Doubleclick. Auch Microsoft, AOL und Yahoo waren interessiert, hatten allerdings das Nachsehen. Schon vor dem Zukauf hatte Google die führende Stellung im Geschäft mit der Internet-Werbung inne. Mit der Übernahme konnte Google diese Position noch weiter ausbauen.

  • Platz 6

    Ähnlich viel wie für Doubleclick zahlte Google für den Kauf Nest Labs: 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Firma, die smarte Thermostate und Rauchmelder herstellt hat für Google ein ganz besonderes Potenzial: Sie ermöglicht Google das Sammeln von Daten in der analogen Welt.

  • Platz 5

    Nur einen Monat, nachdem Google Microsoft Doubleclick vor der Nase weg kaufte, legte Microsoft 2007 nach und kaufte für 6,3 Milliarden US-Dollar Aquantive – einen Wettbewerber Doubleclick. Für Microsoft war das bis dato der größte Zukauf der Firmengeschichte. Letztendlich war es ein Flop für Microsoft.

  • Platz 4

    Im Jahr 2013 kaufte Microsoft für 5,4 Milliarden US-Dollar die Handysparte von Nokia. Bereits seit 2011 hatten beide Unternehmen zusammengearbeitet – Nokia war der wichtigste Hersteller für Smartphone mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

  • Platz 3

    2011 tätigte Microsoft den bis dato teuersten Kauf seiner Firmengeschichte: Für 8,5 Milliarden US-Dollar übernahm Microsoft den Online-Telefondienst Skype. Rentiert hat sich das bis heute nicht. Skype fehlt es an zahlenden Kunden.

  • Platz 2

    Im August 2011 kündigte Google an, den Mobilfunk-Pionier Motorola Mobility zu übernehmen. Insgesamt 12,5 Milliarden US-Dollar zahlte Google dafür. Interessant seien für Google nach eigenen Angaben vor allem das 17.000 Eintragungen umfassende Patentportfolio Motorolas gewesen. Die Liasion hielt nicht lange. 2014 verkaufte Google das Unternehmen für knapp drei Milliarden US-Dollar an Lenovo.

  • Platz 1

    Im Februar 2014 kündigte Facebook an, den Messanger-Dienst Whatsapp zu übernehmen. Der damalige Kaufpreis: 19 Milliarden US-Dollar. Facebook hat Whatsapp wegen des schnell Nutzerzuwachs übernommen. Mittlerweile hat Whatsapp 700 Millionen Nutzer weltweit.

Zusätzlich investierte sie in die Rückkehr zu einem eigenen Suchmaschinen-Geschäft: Unter ihren Vorgängern hatte Yahoo die eigenen Algorithmen eingestampft und die Arbeit an Microsoft ausgelagert. Und sie kaufte für eine Milliarde Dollar die Blogplattform Tumblr, um jüngere Nutzer zu gewinnen.

Doch Mayers Rechnung ging nicht auf. Die Online-Werbung wanderte weiterhin vor allem zu Google und Facebook, das Mediengeschäft wurde inzwischen wieder eingedampft, allein die TV-Inhalte brachten Kosten von gut 40 Millionen Dollar. Auch Tumblr zündete nicht und rund zwei Drittel des Kaufpreises in der Bilanz fielen Wertberichtigungen zum Opfer.

Yahoo Der tiefe Fall der Internet-Ikone

Die einstige Internet-Ikone Yahoo hat schon wieder schlechte Quartalszahlen vorgelegt. Der lange diskutierte Verkauf an einen externen Investor lässt sich nicht vermeiden. Doch bei den Interessenten gibt es Probleme.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer konnte die Probleme des einstigen Internet-Riesens nicht lösen. Quelle: REUTERS

Falls die 40-Jährige nach der Übernahme gefeuert werden sollte, steht ihr immerhin eine Vergütung von rund 55 Millionen Dollar zu. Neben einer Abfindung in Höhe von drei Millionen Dollar in bar besteht das dicke Paket fast ausschließlich aus Aktien. Auf Tumblr erklärte Mayer, dass sie bleiben möchte. Ob das die neuen Eigentürmer aber überhaupt wollen, wird man ernst noch sehen.

Was können der Telekom-Riese Verizon und seine Online-Tochter AOL nun mit Yahoo ausrichten? „Es wird eine harte Integration“, schrieb das bei Yahoo sehr gut vernetzte Technologieblog „Recode“. Auch nach Mayers Stellenkürzungen hat der Internet-Pionier immer noch rund 8800 Mitarbeiter – und AOL gehört bereits ein eigenes kleines Online-Medienimperium von „Huffington Post“ bis zu den Technologieblog „TechCrunch“ und „Engadget“.

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