Zeitungssterben: "La Tribune" auf der Suche nach Hilfe

Zeitungssterben: "La Tribune" auf der Suche nach Hilfe

, aktualisiert 04. Dezember 2011, 20:24 Uhr
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Ein Passant steht an einem Kiosk-Stand in Paris.

von Hans-Peter Siebenhaar und Holger AlichQuelle:Handelsblatt Online

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis zum 16. Dezember können sich potenzielle Investoren beim Pariser Handelsgericht melden, wenn sie Frankreichs notleidende Wirtschaftszeitung "La Tribune" übernehmen wollen.

Düsseldorf, ZürichIn französischen Medienkreisen zirkulieren sogar Namen wie der des ehemaligen Sarkozy-Beraters Raymond Soubie. Doch dieser dürfte mit seiner Presse-Agentur allenfalls am Markennamen von Frankreichs zweitgrößter Wirtschaftszeitung interessiert sein, heißt es intern bei "La Tribune".

Seit Jahren geht es mit der Zeitung wirtschaftlich bergab. Die Schulden belaufen sich auf zehn Millionen Euro, pro Monat macht das Blatt 300000 Euro Verlust. Dabei wurde die Redaktion bereits von 135 auf 78 Journalisten reduziert. Nun droht "La Tribune" das Aus. Denn seit anderthalb Jahren schon sucht Geschäftsführerin Valérie Decamp einen neuen Investor - bisher vergeblich.

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Das Schicksal von "La Tribune" ist symptomatisch für die Lage von Frankreichs Tageszeitungsmarkt. Auch Konkurrent "Les Echos", Marktführer der Wirtschaftspresse, schreibt rote Zahlen. Und ab Dezember stellt das Traditionsblatt "France Soir" die Papierausgabe ein und zieht sich in die digitale Welt zurück. Doch ob dem russischen Eigentümer Alexander Pugatschow damit bei "France Soir" noch die Wende gelingt, wird bezweifelt. Vor Jahren wollte auch der "Bild"-Konzern Axel Springer mit einem Boulevardangebot in den französischen Markt einsteigen. Doch nach eingehenden Marktstudien ließ Vorstandschef Mathias Döpfner die Idee wieder fallen.

Insgesamt leidet die Branche seit Jahren unter sinkenden Leserzahlen, massiven Vertriebsproblemen und abwandernden Werbekunden. Im Namen der Pluralität pumpt der Staat jedes Jahr rund eine Milliarde Euro Subventionen in die Presse - das Spektrum reicht von Zuschüssen bis hin zum subventionierten Vertrieb durch die staatliche Post.

Angesichts der prekären Lage der Blätter häufen sich die Eigentümerwechsel. Der Erwerb einer Tageszeitung erfolgt in Frankreich mittlerweile eher nach Machtkalkül als nach ökonomischen Kriterien. So besitzt der Rüstungsindustrielle Serge Dassault "Le Figaro". Und Frankreichs Vorzeigeblatt "Le Monde" rettete vergangenes Jahr ein illustres Investorentrio aus dem Bankier Matthieu Pigasse, dem Unternehmer Pierre Bergé sowie dem Telefon-Milliardär Xavier Niel vor dem finanziellen Desaster.

Auch hinter "La Tribune" stand lange Jahre ein potenter Eigner: Bernard Arnault, Gründer und Großaktionär der Luxusholding LVMH.


Keine Lust auf die Nummer Zwei

Doch Arnault mag es nicht, irgendwo die Nummer zwei zu sein. Als der britische Medienkonzern Pearson sich von der Wirtschaftszeitung "Les Echos" trennen wollte, griff Arnault im Dezember 2007 zu und zahlte stolze 240 Millionen Euro für das Blatt.

"La Tribune" übergab er damals dem Medienunternehmer Alain Weill. Damit der Eigner des Nachrichtensenders "BFM" das Blatt überhaupt nahm, gab ihm Arnault eine Mitgift von 45 Millionen Euro - von dem Geld zehrt das Blatt heute noch. Im Mai 2010 stieg Weill wieder aus, "ohne einen einzigen Cent eigenes Geld in das Blatt investiert zu haben", wie intern kritisiert wird. Er übergab das defizitäre Blatt an die Geschäftsführerin Valérie Decamp. "Sie konzentrierte sich nur auf Kostensenkungen, es gab keine Ideen, wie die Einnahmen gesteigert werden könnten", kritisiert Aline Robert, Sprecherin der Journalisten von "La Tribune".

Die Situation auf dem französischen Markt der Wirtschaftszeitungen ist einmalig in Europa. Im Gegensatz dazu geht es der britischen "Financial Times" (FT) wirtschaftlich gut. Im Oktober hatte das Blatt eine Auflage von 354000 Exemplaren. Die Auflagenverluste der "FT" fielen geringer als die des liberalen "Guardian" aus. Die FT-Gruppe konnte in den vergangenen neun Monaten ihre Umsätze um sechs Prozent steigern. Durch ihre erfolgreiche Digitalstrategie mit kostenpflichtigen Inhalten ist die Tochter des Medienkonzerns Pearson zudem für die Veränderungen im Nutzerverhalten gut gewappnet.

In Spanien ist die Situation wieder anders. Dort konkurrieren fünf Wirtschaftsblätter um die Gunst der Leser. Mit einer Auflage von 89000 Exemplaren ist das Gratis-Blatt "Negocio y Estila de Vida" Marktführer. Unter den Kaufzeitungen führt "Expansión" mit 59000 Exemplaren das Feld an.

Quelle:  Handelsblatt Online
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