Japan: Der Ausnahmezustand hält an

Japan: Der Ausnahmezustand hält an

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Tokyo Sky Tree

Die Wirtschaft kehrt erst langsam zur Normalität zurück . Vor allem der Strommangel macht den Unternehmen zu schaffen.

Die Erde im Ballungsgebiet von Tokio kommt nicht zur Ruhe. Nach der Katastrophe vom 11. März erinnern täglich kleine Nachbeben die 35 Millionen Menschen in der weltgrößten Stadtregion daran, dass ihr Land wie auf wabbeligem Tofu ruht. „Ich werde fast seekrank davon, dass unser Hochhaus bei jeder Erschütterung so lange nachschwingt“, stöhnt ein Mazda-Manager im zentralen Stadtbezirk Chiyoda. Doch es gibt auch Signale der Hoffnung: Über dem schwankenden Boden haben Arbeiter in den vergangenen Tagen die letzten Antennenstücke für den neuen Fernsehturm der Hauptstadt montiert. Der 634 Meter hohe Tokyo Sky Tree ist nun das neue Wahrzeichen der Stadt – und ein Symbol für den Wiederaufbau.

Den Japanern steht ein langer Weg bevor. Anders als 1995 beim Erdbeben in Kobe wurde diesmal ein mehrere Hundert Kilometer langer Küstenstreifen verwüstet und das Geschäftsleben im Raum Tokio, der ein Drittel der nationalen Wirtschaftsleistung erbringt, schwer beeinträchtigt. Noch sind die ökonomischen und ökologischen Folgen der Verstrahlungen rings um die Reaktoren von Fukushima unüberschaubar.

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Immerhin: Rund zwei Wochen nach der Katastrophe gibt es vielerorts einen Hauch von Normalität. Die Autobahn durch die Tsunami-Gebiete ist wieder befahrbar, die ersten Häfen sind repariert. Hilfsgüter kommen daher schneller an. Zwei wichtige Ölraffinerien arbeiten wieder. Die ersten Behelfsbehausungen entstehen, viele Evakuierte werden in andere Landesteile gebracht. Im Großraum Tokio arbeiten viele Betriebe wieder normal. Die Regale in den Supermärkten füllen sich, weil die Nahrungsmittelindustrie mehr produziert. Nur Toilettenpapier und Trinkwasser in Flaschen bleiben knapp.

Stromsperren bis zum Winter

Die Großindustrie kommt allerdings erst langsam wieder in Fahrt. Bei Sony ruhen 15 von 25 Werken. Seit dem Wochenende montieren Toyota und Nissan zwar wieder Autos. Honda aber setzt die Autoproduktion in den Werken Sayama und Suzuka noch bis zum 3. April aus, es gibt nicht genug Teile. Nach dem großen Beben war allein die Autoproduktion in Japan um zwei Drittel geschrumpft. Dieser Rückstand ließe sich durch Überstunden und Wochenendarbeit in ein bis zwei Monaten aufholen. Theoretisch. Wenn da nicht die massiven Stromprobleme wären, die sich zunehmend zur Konjunkturbremse entwickeln. Wegen der ausgefallenen Kraftwerke im Bebengebiet kann Tokio Electric Power (Tepco) derzeit nur 34 Gigawatt liefern – der Spitzenbedarf beträgt aber 50 Gigawatt. Bevölkerung und Unternehmen sparen zwar Energie. Aufzüge und Rolltreppen stehen still, Glühlampen sind herausgedreht, es fahren weniger Züge. Aber Stromsperren rings um Tokio blieben bisher unvermeidlich. Das beeinträchtigt Konsum und Produktion.

Schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht. Tepco braucht noch Monate für die Reparaturen an beschädigten Anlagen und die Inbetriebnahme von bereits eingemotteten Kraftwerken. Mindestens vier Reaktoren vom Atomkomplex Fukushima I gehen nie wieder ans Netz. Die Stromsperren könnten daher noch bis zum Winter dauern.

Das beunruhigt auch deutsche Manager. Aixtron-Finanzvorstand Wolfgang Breme befürchtet Auswirkungen auf die Halbleiterproduktion, bei Speicherchips und Vorprodukten wie Silizium und Grafit. Auch Jürgen Heraeus, Aufsichtsratschef der Heraeus Holding, sieht Produktionsausfälle in Japan als „unterschätzte Gefahr“ für Deutschland. Japan liefere Schlüsseltechnologien, die für viele Konsumgüter, aber auch Werkzeugmaschinen und Steuerungen unverzichtbar seien.

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