Japan: Wie der Gemischtwarenladen Kyocera der Wirtschaftskrise trotzt

Japan: Wie der Gemischtwarenladen Kyocera der Wirtschaftskrise trotzt

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Kyocera-Chairman Makoto Kawamura

Der japanische Konzern Kyocera hat in 50 Jahre noch nie einen Verlust gemacht und das soll sich auch in der Krise nicht ändern. Das Erfolgsgeheimnis ist eine Produktpalette, die dem gängigen Börsianer-Mainstream widerspricht: von Druckern über Solartechnik bis hin zu Küchenmessern.

Die Perspektiven bei Kyocera sind beneidenswert. Im Osten fällt der Blick auf den weltberühmten Kiyomizu-Tempel von Kyoto, den historischen Kaisersitz Japans. Im Westen liegen die Paläste und Heiligtümer vor dem malerischen Arashiyama-Berg. Die 20-stöckige Firmenzentrale ist das höchste Gebäude der Millionenstadt. Von der Betriebskantine im 11. Stock, schwärmt Managerin Elly Yoshikawa, liegt einem „Kyoto zu Füßen“.

Die Aussichten des gut neun Milliarden Euro Umsatz schweren Konzerns sind auch in anderer Hinsicht außergewöhnlich. Während prominentere Konzerne des Landes wie Autobauer Toyota und Unterhaltungselektronikhersteller Sony mit tiefroten Abschlüssen Schlagzeilen machen, schreibt das vergleichsweise unbekannte Unternehmen aus Mitteljapan tiefschwarze Zahlen. In dem am 31. März abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchte Kyocera einen Nettogewinn von rund 230 Millionen Euro.

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Kyocera peilt Expansion an

„Die Ergebnisse übertreffen alle Erwartungen und Prognosen der Branchenanalysten“, lobt Analyst Akinori Kanemoto von der Deutschen Bank in Tokio. Und das scheint so zu bleiben. Unaufgeregt und unbeeindruckt vom weltweiten Konjunkturabsturz peilt das Unternehmen die weitere Expansion an. „Kyocera kämpft nicht wie andere ums Überleben“, sagt Manabu Akizuki vom japanischen Brokerhaus Nomura, „sondern mit laufenden Umstrukturierungen für nachhaltige Gewinne.“

Das Erfolgsgeheimnis des Kyotoer Konzerns liegt in seiner Produktpalette, die so ganz dem gängigen Börsianer-Mainstream widerspricht, demzufolge sich Unternehmen gefälligst auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren haben. Ist auf dem Parkett in Tokyo von Kyocera die Rede, wissen viele gar nicht, wer oder was damit eigentlich gemeint ist: der Elektronikkonzern, der führende Hersteller von Kopierern und Druckern, der Top-Anbieter für Solartechnik? Oder doch der still werkelnde Produzent von Schmuck, Zahnersatz und superscharfen Küchenmessern?

"Kein vergleichbares Unternehmen"

Tatsächlich ist Kyocera ein riesiger Gemischtwarenladen mit mehr als 150.000 verschiedenen Produkten und viel High Tech. Den trainierten Hostessen in den Präsentationsräumen im zweiten Stock der Zentrale gelingt es kaum, den Unternehmenszweck zu erklären. Beschäftigte bespötteln ihren Arbeitgeber schon mal als „kunterbunt“. Sogar Chairman Makoto Kawamura räumt gegenüber der WirtschaftsWoche ein: „Es fällt mir selbst nicht leicht, uns zu definieren.“

Kyocera sei zu 70 Prozent ein Elektronikkonzern. „Aber es gibt kein vergleichbares Unternehmen, das gleichzeitig so breit aufgestellt ist, und wir wollen diese Diversifizierung beibehalten, weil sie unsere Operationen stabilisiert.“

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