Jean-Claude Biver: Für Hublot ist Zeit Geld

InterviewJean-Claude Biver: Für Hublot ist Zeit Geld

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Jean-Claude Biver, CEO Hublot

von Lothar Schnitzler

Für den Chef des Schweizer Uhrenherstellers Hublot laufen die Geschäfte trotz Krise richtig gut. 2011 könnte sogar zum Rekordjahr werden - wenn ihm nur der starke Franken keinen Strich durch die Rechnung macht.

WirtschaftsWoche: Herr Biver, der Schweizer Franken legte gegenüber Dollar und Euro innerhalb weniger Monate um rund ein Drittel zu. Müssen die Liebhaber Schweizer Uhren sich auf steigende Preise gefasst machen?

Biver: Nicht von heute auf morgen. Wir können die Preise nicht einfach mal um 30 Prozent erhöhen. Sicher ist: Wenn kein Wunder geschieht und der Franken nicht billiger wird, müssen wir die Preise im Ausland schrittweise anheben. Die Frage ist nur, ob die Preise schon in drei Monaten oder erst in einem Jahr angepasst werden.

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Werden Schweizer Produkte im Ausland nicht irgendwann unbezahlbar?

Nein. Zu Anfang der Siebzigerjahre stand der Dollar bei etwa vier Franken. Heute steht er bei 80 Rappen. Der Wert des Franken steigt seit über 50 Jahren. Die Schweizer Industrie kennt nichts anderes. Sie hat sich trotzdem blendend entwickelt.

Wie gleichen Sie die Mindereinnahmen im Dollar-Raum und in Euro-Land aus?

Zum einen haben wir 2010 ein Rekordjahr gehabt. Die Währungsturbulenzen erwischen uns in einer Situation der Stärke. Wir haben Reserven. Zum anderen verzichten wir vorübergehend auf Marge.

Das muss ja eine satte Marge sein, wenn Sie Mindereinnahmen von über einem Viertel ausgleichen können.

Halt, das können und wollen wir nicht einmal mittelfristig durchhalten. Die Preise müssen angepasst werden, schon allein, weil sonst ein Graumarkt mit Uhren aus den Schwachwährungsgebieten entstehen würde. Im Übrigen gibt es auch Brasilien, China oder Russland, deren Währungen zulegen und damit den negativen Effekt, den wir im Euro- und Dollar-Raum haben, mildern. Wir sind ständig dabei, unsere Präsenz in diesen Ländern zu verstärken. Und wir modernisieren unsere Abläufe, arbeiten an den Produktionskosten, um verlorene Margen wiederzugewinnen.

Haben Sie vor – wie der Schweizer Uhrenhersteller Sycrilor plant –, die Löhne an den Euro-Kurs zu koppeln?

So ein Unsinn. Wir leben und arbeiten hier in der Schweiz und zahlen die Löhne in der Währung unseres Landes. Die Mitarbeiter brauchen doch Planungssicherheit. Und was ist, wenn der Schweizer Franken wieder schwächer wird? Gehen dann die Löhne wieder hoch?

Wert des Schweizer Franken in Euro

Wert des Schweizer Franken in Euro

Spüren Sie schon rückläufige Nachfrage?

Nein, wir haben in den bisherigen Monaten des Jahres fast 30 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Superjahr 2010. Mit ein bisschen Glück wird 2011 unser Rekordjahr und auch das der gesamten Schweizer Uhrenindustrie. Bis Ende Dezember sind es ja nur vier Monate, und die Bestellungen sind weitgehend gelaufen.

Und was blüht der Luxusindustrie im kommenden Jahr?

Wenn wir in eine Krise kommen, dann wird sie vielleicht weniger schlimm als vor drei Jahren. Denn es gibt heute Länder wie China, Brasilien oder der Mittlere Osten, die von der Schuldenkrise nicht ergriffen sind und deren konjunkturelle Abkühlung geringer ausfallen wird. Diese Länder sind heute für die Luxusbranche viel bedeutender als noch vor drei Jahren.

Profitieren Ihre deutschen Wettbewerber von den Währungsnöten der Schweizer?

Wenn, dann werden es die Schweizer nicht spüren. Die Hersteller in Glashütte haben wunderbare Marken, aber im Vergleich zu Rolex, Omega oder Hublot sind sie klein. Und genau genommen sind es keine Konkurrenten, weil die wichtigsten Marken in Glashütte zu Schweizer Konzernen gehören. De facto haben Käufer von Luxusuhren so gut wie keine Möglichkeit, auf ausländische Produkte auszuweichen.

Gibt es noch Hoffnung für den Euro?

Biver: Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem ich jede Hoffnung fahren lasse. Aber jedes Mal, wenn Europas Politiker sich treffen und einen neuen Rettungsplan verabschieden, nimmt die Unsicherheit der Märkte zu, und ich sage mir: Oh je, oh je, wir sind dem möglichen Ende wieder ein Stückchen nähergekommen.

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