Jean Todt und Michelle Yeoh im Interview: Vive la différence!

Jean Todt und Michelle Yeoh im Interview: Vive la différence!

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Michelle Yeoh auf dem roten teppich in Cannes

Und Gegensätze ziehen sich doch an: Schauspielerin Michelle Yeoh und Ferrari-Legende Jean Todt könnten unterschiedlicher nicht sein. Gerade deshalb ergänzen sie sich perfekt – wie Yin und Yang.

Kosmopolitisch. Glamourös. Einflussreich. Den Dreiklang des Erfolgs spielten beide schon, bevor sie 2004 ein Paar wurden: Die schöne Chinesin Michelle Yeoh als Action-Heldin im Film, Jean Todt als Rennleiter bei Ferrari, der mit Michael Schumacher die Siege serienweise sammelte. Zusammen leben die beiden Stars eine glückliche Vereinigung extremer Gegensätze vor, wie man das im Jetset nur selten findet. Er ist präzise, sie raffiniert; er hätte es am liebsten bequem, sie hat die Kraft der Kämpferin; er dirigiert, sie holt sich im Einsatz blaue Flecken. Gerade zog sich Todt aus dem aktiven Formel-1-Geschäft zurück. Im Gespräch mit fivetonine erzählen die beiden, was sie mit der neugewonnenen Freiheit anfangen wollen. So viel vorweg: Es klingt nicht so, als würden die rasenden Workaholics auch nur einen Gang zurückschalten.

WirtschaftsWoche: Herr Todt, nach 15 Jahren haben Sie nun Ihre berühmten Stoppuhren beiseite gelegt, sind nun Ferrari-Berater und Mitglied im Aufsichtsrat. Wehmütig?

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Todt: Es war eine schöne Zeit, und ich bin stolz darauf, dass es die erfolgreichste Zeit in der Ferrari-Geschichte war. Was wir geschafft haben, ist unglaublich. Das Team war und ist ein Mythos, und Michael Schumacher ist schon jetzt eine Legende. Ich empfinde mich als privilegiert, dass ich diese Epoche miterleben durfte. Aber ich wusste immer: Ich war nur der Dirigent. Man braucht vor allem die Musiker, sonst kommt kein Ton zustande, und je besser die Musiker, desto besser die Musik. Ich hatte wunderbare Musiker. 

Was werden Sie nun mit Ihrem Leben anfangen?

Das nächste große Projekt ist der Bau des medizinischen Instituts ICM (Institute for Cerebral and Medullary Disorders, die Red.) demnächst in Paris. Dieses Projekt zur Bekämpfung von Hirn- und Rückenmark-Krankheiten verfolge ich seit einigen Jahren, Michael Schumacher ist eines der Gründungsmitglieder. In zwei Jahren wollen wir fertig sein: 25.000 Quadratmeter, acht Stockwerke, 1000 der besten Forscher der Welt. Präsident ist Gérard Saillant, der im Moment auch Präsident der Medizinischen Kommission der FIA ist. Ich arbeite hier mit außergewöhnlichen Menschen zusammen. Jeder Achte ist von Krankheiten des Nervensystems betroffen. Wie gesagt, Dinge, die auf den ersten Blick sehr schwierig erscheinen, reizen mich sehr. Und als Sohn eines Arztes habe ich hohe Achtung vor der medizinischen Forschung.

Sie gelten als Workaholic. Haben Sie jetzt kein Unbehagen vor dem Ruhestand und der Langeweile?

Eigentlich bin ich ja faul. Ich bin ein bequemer Mensch und habe in all den Jahren nur so viel gearbeitet, weil ich so ängstlich bin: Die Angst vor dem Misserfolg. Ich kann es nicht ertragen, das Gefühl zu haben, es wäre nicht alles bis ins kleinste Detail geregelt. Daher musste ich zwangsläufig so viel arbeiten, 14 bis 16 Stunden am Tag. Ich habe in den vergangenen 25 Jahren nicht einen Arbeitstag gefehlt. Aber jeden Tag, an dem ich nicht arbeiten musste, habe ich genossen. Dann habe ich lange geschlafen und den Tag an mir vorüberziehen lassen.

Glauben Sie, Frau Yeoh, dass Jean Todt im neuen Leben einen Gang zurückschalten wird?

Yeoh: Nicht wirklich. Es wird nur ein neues Kapitel beginnen, eines mit mehr Zeit für persönliche Interessen. Wir reisen zum Beispiel beide sehr gern. Jean würde gerne wieder einmal in die Wüste fahren, etwas, was ihn in seiner Zeit als Co-Pilot bei Rallyes immer fasziniert hat. Außerdem haben wir überall auf der Welt Freunde. Und wir interessieren uns beide für moderne Kunst. Langweilig wird es uns also sicher nicht. Dazu haben wir beide zu viel Energie im Blut.

Apropos Energie: Sie wollten ursprünglich Ballett-Tänzerin werden und wurden dann der erste weibliche Action-Star. Zufall oder Absicht?

Zufall. Wegen eines Unfalls konnte ich nicht mehr tanzen. Aber es war schwierig, sich auf die Action-Rollen einzulassen, zu schlagen, zu treten, aggressiv zu sein. Ganz zu Anfang, während des Trainings, habe ich mich sehr verändert: Ich wurde plötzlich selbst ganz aggressiv, weil es nur noch darum ging, meine Energien nach außen zu wenden. Einmal schaute mich ein Regisseur angewidert an und sagte: Geh dich waschen, deine Arme sind ganz schmutzig. Meine Arme waren in der Tat ganz schwarz – voller Blutergüsse.

Dass Frauen im Film nicht nur gerettet werden, sondern selbst kämpfen, war neu. Was reizte Sie daran?

Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass es nicht um Angriff oder Verteidigung geht, sondern um mentale Disziplin. Um Kontrolle. Denn wenn du dich nicht unter Kontrolle hast, verletzt du einen anderen. Also lernst du, deinen Geist zu kontrollieren. Du lernst Klarheit, denn du musst deine Kraft kanalisieren. Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern um Präzision. Das war hart, aber faszinierend. Am Ende habe ich meine Energien wie einen Laser benutzt.

Und stahlen so als rotchinesischer Oberst Wai Lin in „Der Morgen stirbt nie“ James Bond die Schau?

Das war mein Durchbruch im Westen und der ultimative Action-Film für mich. Ich wollte dem westlichen Filmpublikum zeigen, dass Asiatinnen nicht die zerbrechlichen Ladys waren, wie sie in der kollektiven Fantasie existierten. Ich wollte zeigen, dass eine Frau feminin und gleichzeitig hart sein kann.

Hatten Sie als Action-Star anfangs mit großen Vorurteilen zu kämpfen?

Ja. Ich finde das heute noch unfair. Es ist sehr schwierig, ein guter Action-Schauspieler zu sein, denn du musst größer sein als all die Explosionen um dich herum. Und du musst überzeugen, weil es sonst jedem egal ist, wenn deine Figur stirbt. Ein guter Action-Film ist daher unterhaltend, spannend, packend. Unterhalten zu werden ist auch ein Wert.

Kämpferin, Geisha, geheimnisvolle Asiatin – welche von Michelle Yeohs Rollen trifft am ehesten das, was Sie, Herr Todt, in Ihrer Partnerin sehen?

Todt: Auf keinen Fall die Geisha. Michelle ist intelligent, eine große Persönlichkeit mit einem starken Charakter. Für mich trifft es wohl am meisten die Rolle in „Tiger and Dragon“. Michelle ist eine Kämpferin – aber eine mit großer Sensibilität und Fragilität. Um als Mädchen aus einer malaysischen Provinz diese Karriere zu machen, muss man eine geborene Kämpferin sein.

Und eine Schönheit. Das Magazin „People“ hat Michelle Yeoh unter die „50 most beautiful people in the World“ gewählt, sie ist eines der L’Oréal-Gesichter und war 1983 Miss Malaysia.

Ja, auch ich finde Michelle natürlich sehr schön. Aber nach meinem subjektiven Empfinden sieht man ihre eigentliche Schönheit gar nicht: Was ich an ihr am meisten liebe, ist, wie sie einen ansieht. Ihr Blick kann versteinern und kann betören.

Bei Ihnen zu Hause hängt ein wunderbares Foto Ihrer Partnerin – und zwar von Andreas Gursky, der solche Porträts eigentlich aus Prinzip nicht macht. Wie haben Sie ihn dazu gebracht, es doch zu tun?

Ich mag es, Leute von etwas zu überzeugen, wenn ich darum kämpfen muss, sie so weit zu bringen, etwas zu machen, was sie sonst ablehnen würden. Das ist extrem verführerisch. Andreas hat irgendwann klein beigegeben. War das auch Ihre Strategie bei Ihrer Lebensgefährtin? Ich habe Michelle bei einem Termin in Shanghai gesehen, einem Ferrari-Termin, zu dem sie als Gast geladen war. Ich wusste sofort, dass sie meine Traumfrau ist, noch bevor ich sie kennengelernt hatte. Es war Schicksal. Sie war die Frau, auf die ich gewartet hatte. Wenn Sie mich fragen, was mir die Zeit bei Ferrari gebracht hat: Hier sehen Sie das Beste davon. Ohne meinen Job hätte ich Michelle überhaupt nicht kennengelernt. Schon allein dafür hat sich die Zeit bei Ferrari gelohnt. 

Wie stellen Sie sicher, dass die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und Asien Ihrer Beziehung nichts anhaben, Frau Yeoh?  Das Wichtigste ist gegenseitiger Respekt. Das trifft übrigens auf jeden Bereich des Lebens zu. Aber wir sind beide sehr international. Ich bin Chinesin, in Malaysia geboren, habe in England eine Ausbildung gemacht. Jean ist Franzose, der in Italien arbeitet und mehr und mehr sein Herz für Asien entdeckt. Wir sind wie Yin und Yang: Wir ergänzen uns.

Interessiert sich Ihr Partner für die asiatische Kultur?

Das interessiert Jean sehr. Es steckt ja auch enorm viel Kraft in der chinesischen Kultur. Kein Wunder, dass sie sich immer weiter verbreitet. Und Asien ist ja nicht nur China, es ist Japan, Malaysia, Indonesien. Diese Völker haben eine so reiche und tiefe Geschichte, sich damit zu beschäftigen ist gut. Beide Seiten müssen voneinander lernen.

Aber in der westlichen Welt wird China zunehmend auch als wirtschaftliche Bedrohung empfunden.

Schade. Wenn man jemanden fürchtet, endet das nie gut. Das zeigt die Geschichte. Ich glaube, die Chinesen verstehen, dass sie den Rest der Welt genauso brauchen, wie der sie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich öffnen, um sich wieder zu verschließen. Zwar lassen sich Chinesen nicht gerne etwas sagen, das stimmt. Aber sie haben verstanden, dass sie zunächst einmal viel lernen müssen. Wichtig ist, dass sie sich langsam und behutsam öffnen. Wenn es zu schnell geht, werden sie sich selbst zerstören, weil die Menschen durchdrehen und sich bedrohliche soziale Spannungsfelder auftun würden. Schon jetzt klafft eine alarmierende Lücke zwischen den kosmopolitischen Städten und den ländlichen Regionen Chinas. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

Sie sind es gewohnt, der Boss zu sein, Herr Todt. Wie, wenn überhaupt, hat Ihre Partnerin Sie beeinflusst?

Nun ja, ich bin ein präziser Mensch, sperrig auch, mitunter vielleicht zu sperrig. Dass Michelle es schafft, mich in mehrfacher Hinsicht zu prägen und zu bewegen, daran ermesse ich, welche Bedeutung sie für mich hat. Ich lerne sehr viel von ihr, und ich bewundere sie für ihre Intelligenz, ihre Lebhaftigkeit, ihr Zartgefühl, ihre Raffinesse.

In welcher Sprache sagen Sie es ihr?

In Englisch. Chinesisch kann ich leider nicht. Und Französisch beginnt Michelle gerade erst zu verstehen.

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