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Joachim Gabor im Interview: "Ich muss Schuhe riechen"

von Mario Brück

Joachim Gabor, Gründer des gleichnamigen Schuhherstellers, über Schmuggeltouren, „Jedermann“-Schuhe, orientalische Abenteuer – und verdammt treue Mitarbeiter.

Joachim Gabor, Gründer des gleichnamigen Schuhherstellers Quelle: Martin Hangen für WirtschaftsWoche
Joachim Gabor, Gründer des gleichnamigen Schuhherstellers Quelle: Martin Hangen für WirtschaftsWoche

Wenn Joachim Gabor anderen Menschen begegnet, fällt sein Blick immer auch auf die Schuhe seines Gegenübers. Schuhe, glaubt der 80-Jährige, der 1949 den gleichnamigen Schuhhersteller gründete, sagten oft mehr als alle Worte. Als er kurz vor seinem 76. Geburtstag im Februar 2005 die Leitung des Unternehmens im bayrischen Rosenheim nach 56 Jahren seinem Sohn Achim übergibt, lässt Joachim neben seiner Bürotür ein neues Schild anbringen. Darauf steht: „Joachim Gabor. Schuhmacher seit 1949.“

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WirtschaftsWoche: Herr Gabor, haben Sie schon meine Schuhe inspiziert?

Gabor: Natürlich.

Und?

Lloyd, nicht wahr? Ein sehr guter Schuh, dessen Leder mir persönlich aber immer etwas zu hart war. Ich trage heute fast nur noch Moccassins von Tod’s oder Gravati.

Sie hatten vier Brüder, die fast alle im Geschäft mit Schuhen ihren Platz gefunden haben. Trotzdem stellt Gabor – bis auf kleine Ausnahmen – ausschließlich Damenschuhe her. Warum?

Dafür gibt es zwei ganz einfache Gründe. Damenschuhe haben im gesamten Schuhmarkt einen Marktanteil von 55 Prozent, der Rest verteilt sich auf Herren-, Sport oder Kinderschuhe. Sie sind also mit Abstand die größte Gattung. Und Damenschuhe waren zum damaligen Zeitpunkt einfacher herzustellen als Männerschuhe.

Joachim Gabor hat gleich mit dem ersten Atemzug den Geruch von Schuhen inhaliert. Er kommt im Februar 1929 im oberschlesischen Groß Strehlitz als Vierter von insgesamt fünf Söhnen der Schuhhändler Pius und Luzie Gabor zur Welt. Wieder ein „Mädelchen mit Stängelchen“ soll Joachims Mutter Luzie damals wehmütig gesagt haben. Joachims behütete Kindheit endet jäh an einem eiskalten Januartag 1945. Die russische Armee steht vor Kattowitz, kaum 50 Kilometer entfernt.

Für Joachim und seinen jüngsten Bruder Georg ist dies der erste brutale Einschnitt in ihrem Leben. Die Eltern Gabor fürchten sich zwar vor den Rotarmisten, sind aber so stolz auf ihr Schuhgeschäft und alles, was sie sich seit Ende des Ersten Weltkriegs aufgebaut haben, dass sie bleiben. Joachim, damals 15, und Georg werden in einen Zug gesetzt, der sie zu ihrem Onkel Edmund nach Schwiebus in der früheren Provinz Brandenburg bringt. Ihre Eltern werden sie nie wiedersehen. Als die Russen näher kommen, reist Joachim weiter nach Saalfeld in Thüringen. Kurz nach seinem 16. Geburtstag schnappt die Wehrmacht den schmächtigen Buben, der laut Ausweis bereits überfällig für den Volkssturm ist, steckt ihn in eine Uniform und macht ihn die letzten Wochen bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 zum Soldaten des „letzten Aufgebots“, wie Hitler die Jugendlichen mit Helm und Gewehr nannte. Joachim fällt in Plauen (Sachsen) in amerikanische Kriegsgefangenschaft, wo er über Lautsprecher die Kapitulationserklärung hört.

Er kommt aus der Gefangenschaft frei und reist wieder nach Saalfeld, dem vereinbarten Treffpunkt der Familie nach dem Krieg. Bernhard, der älteste seiner Brüder, hatte bereits mit einem Kompagnon die Firma „Feinbier & Gabor“ gegründet und begonnen, Pantoffeln aus alten Autoreifen zu fertigen. Joachim geht bei seinem Bruder zur Lehre – und legt den Grundstein für sein künftiges Leben. Der Anstoß zum Unternehmersein aber kam per Zufall.

Auf Seite 2: Wie es Joachim Gabor gelang, Maschinen von Ost- nach Westdeutschland zu schmuggeln

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2010, 01:41 UhrAnonymer Benutzer: Bettina Schmidt

    toller Mann, tolle Produkte

  • 03.12.2009, 21:07 UhrAnonymer Benutzer: Escarpins

    Hallo Klartexter...das würde mich jetzt interessieren. Was sagt denn die Gerüchteküche?

    Hallo Aliyah, Du scheinst ja "richtig viel Ahnung" zu haben!! Wow. Dir ist sicher nicht bekannt, dass italienische Schuhe zwar in italien hergestellt werden, aber die bedingungen unterscheiden sich von Asien. Weisst Du eigentlich, wieviele "Hinterhoffabriken" dort existieren? Wieviele arme Menschen, überwiegend illegale Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung und damit ohne Rechte in italien ausgebeutet werden und Nacht für Nacht für einen Hungerlohn für die Schuh- und Textilindustrie arbeiten?? Neeein? Wusstest Du nicht? Dann informier Dich nächstes Mal einfach etwas umfassender bevor Du solch unqualifizierte Meinungen der Öffentlichkeit aufdrängst. Über soviel Dummheit kann man nur den Kopf schütteln...

  • 24.07.2009, 06:06 UhrAnonymer Benutzer: EinEhemaligerMitarbeiterMK

    Das ist doch wieder einmal typisch und ärgert mich maßlos. Herr Joachim Gabor ist eine lebende Legende in der Schuhindustrie und nach einem sehr guten bericht über seine Person, werden solche Kommentare losgelassen. Vor allem sollte Hr Aaliyah auch die Hintergründe für Produktionsverlagerungen betrachten. Für Schuhe wird ein sehr hoher Arbeitsaufwand benötigt. Die Lohn- und Lohnnebenkosten sind hierfür in Deutschland deutlich zu hoch. Vor allem weil der Konsument auf "Geiz ist Geil" steht und immer zu den billigen Produkten greift. in italien ist das etwas einfacher, da italiener bereit sind, mehr für Mode und Qualität auszugeben. Auch die Solidarität ist anders, wobei auch hier mit der Wirtschaftskrise ein deutlicher Trend zum günstigeren Produkt aus Fernost oder brasilien bemerkbar ist.
    Fazit:
    Angboten und produziert werden nur Produkte, die der Markt verlangt (Nachfrage). Eine Firma die hier nicht mitzieht, ist zum Untergang geweiht.. (beispiel Rhode)

    Auch als ehemaliger Mitarbeiter der Firma Gabor habe ich dieses Unternehmen in sehr guter Erinnerung. Auch Herrn Joachim Gabor schätze ich sehr, deshalb freut mich der bericht von Mario brück sehr, welcher sehr gut gelungen ist.

    Grüße aus Fernost
    MK

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