Joachim Hunold: Mann unter Druck

Joachim Hunold: Mann unter Druck

Wer Air-Berlin-Chef Joachim Hunold dieser Tage trifft, könnte ihn für angeschlagen halten. Doch der erste Eindruck täuscht gründlich.

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Joachim Hunold

Es gibt in der Flugbranche wenige so dynamische Manager wie Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Der 61-jährige hat innerhalb von 20 Jahren den kleinen Ferienflieger Air Berlin zu Europas nach Umsatz sechstgrößter Linie gemacht - und zum Sinnbild eines Unternehmens gemacht, dass trotz aller Größe schlank geblieben ist. So verkörpert er bis heute sein Unternehmen wie sonst nur Ryanair-Chefrüpel Michael O’Leary oder Herb Kelleher, Gründer und langjähriger Lenker von Southwest Airlines, der Mutter aller Billigflieger. Und wie diese beiden hat Air Berlin mit niedrigen Kosten und keckem Auftreten den etablierten Linien wie der Lufthansa Konkurrenz gemacht und so kräftig dafür gesorgt, dass für die Masse der Menschen Flugreisen immer billiger wurden, auch wenn die Kosten für Benzin oder Sicherheit steigen.

Da wirkt es auf den ersten Blick etwas schockierend, wenn dieser Inbegriff des schwungvollen Unternehmenslenkers angeschlagen aussieht, der Mann, der sich nicht nur um die Details im Unternehmen kümmert, sondern auch auf Betriebsfesten für Stimmung sorgt, etwa indem er bis in die Nacht hinein Bier zapft, Witze reißt und mit fast jedem per Du ist.

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Schwarze Zahlen 2012

Aber wer Hunold ab dem morgigen Dienstag auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin trifft, sieht ihn mit einer gewaltigen blauen Armstütze. Die muss er nach einer Schulteroperation noch gut eine Woche tragen.Dieses Bild könnte zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen. Weil die Geschäfte in den drei vergangenen Geschäftsjahren schlechter gelaufen sind und das Unternehmen Verluste geschrieben hat, steht nun auf einmal Hunold selbst unter Beschuss. Er kümmere sich zu sehr um Details heißt es und vernachlässige die Strategie. 

Doch der Eindruck eines geschwächten Hunold täuscht gründlich. Wer ihm gegenüber steht, erlebt keineswegs einen anderen Menschen. Sicher, er bewegt sich etwas zurückhaltender und steht etwas weniger unter Dampf als gewohnt. Doch wer mit ihm redet, erlebt ihn ebenso konzentriert wie früher, vielleicht sogar noch etwas mehr. In unserem Interview kontert er überlegt alle Vorhaltungen und kennt nach wie vor alle wichtigen Details seiner Air Berlin aus dem FF.

Kein Wunder. Denn während normale Arbeitnehmer und wohl auch viele Manager mit seinem derzeitigen Handikap kürzer treten würden oder gar pausieren würden, bleibt Hunold wie gewohnt aktiv. Zwar kann er derzeit nur beschränkt am Computer arbeiten. Doch das macht er nach Aussagen von Mitarbeitern und Kudnen wett. Denn für die Kommunikation hat er sich gleich zwei Blackberrys auf seine Armschiene montieren lassen. Und spätestens Ende März, wenn er die dem Vernehmen nach durchwachsenen Zahlen für 2010 vorstellt, will er wieder wie gewohnt agieren. Schließlich, so verkündet er es im Interview, soll Air Berlin in 2012 wieder schwarze Zahlen schreiben, spätestens.

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