Jobmarkt: Entlassungswelle bei deutschen Firmen erreicht BMW

Jobmarkt: Entlassungswelle bei deutschen Firmen erreicht BMW

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Die Hand eines Mitarbeiters präsentiert ein BMW-Emblem im BMW-Werk in Dingolfing.

Sparprogramm trotz guter Zahlen: Der Autobauer BMW will in diesem Jahr mehr als 8000 Arbeitsplätze abbauen, davon 7500 in Deutschland. BMW will so seinen Margenverfall stoppen. Die Entlassungen sind kein Einzelfall: Henkel kürzt 3000 Stellen, Siemens hatte erst gestern den Abbau von 3800 Arbeitsplätzen angekündigt. Und auch Continental will kräftig Leute einsparen.

Ein deutlicher Stellenabbau ist die wenig überraschende Antwort BMWs auf den seit Jahren bestehenden Margenverfall: Fast ein Zehntel der deutschen Belegschaft soll noch 2008 den blauen Brief erhalten. In diesem Jahr will der bayerische Autobauer 8100 Arbeitsplätze abbauen. Allein 7500 sind es im Inland. Die Kürzungspläne waren bereits vor Weihnachten bekanntgeworden, BMW hatte bislang aber keine konkrete Zahl genannt. Die Einschnitte sind Teil eines milliardenschweren Sparprogramms, mit dem BMW seinen jahrelangen Margenverfall stoppen will.

Die Münchner verbuchen zwar immer neue Spitzenwerte bei Gewinn, Umsatz und Verkaufszahlen, leiden aber stark unter dem schwachen Dollar und hohen Rohstoffpreisen. Bei der Rendite liegt BMW weit hinter Konkurrenten wie Audi oder Mercedes. Baumann führte aus, von den 5000 betroffenen Zeitarbeitern hätten 2500 das Unternehmen bereits im vergangenen Quartal verlassen. Die zweite Hälfte folge bis Jahresende. Dann werde BMW noch 3200 Zeitarbeiter beschäftigen. Von den fest angestellten Beschäftigten hätten mehrere Hundert Auflösungsverträge unterzeichnet, sagte Baumann. BMW setze zudem auf natürliche Fluktuation und Altersteilzeit. Der Stellenabbau erfolgt auf freiwilliger Basis, denn in einem Abkommen zur Beschäftigungssicherung hat der Konzern betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2013 ausgeschlossen.

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IG Metall: Kulturbruch und kurzsichtiges Renditedenken

Die IG Metall kritisierte die Einsparungen als „Kulturbruch“ im Umgang mit den Beschäftigten und warnte vor „kurzsichtigem Renditedenken“. Von den Kürzungen sind im Inland 5000 Zeitarbeitskräfte und 2500 Mitarbeiter der Stammbelegschaft betroffen. Hinzu kommen 600 fest angestellte Beschäftigte im Ausland. Auf Seiten der Stammbelegschaft soll der Abbau auf freiwilliger Basis erfolgen, geplant sind hier Altersteilzeitregelungen und Abfindungszahlungen. Dafür wird BMW laut Baumann in diesem Jahr voraussichtlich einen dreistelligen Millionenbetrag zurückstellen.

Der Stellenabbau sei angesichts eines Vorsteuergewinns von zuletzt von 3,7 Milliarden Euro nur schwer nachzuvollziehen, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer. „Wir waren bisher bei BMW eine andere Kultur im Umgang mit den Beschäftigten gewöhnt. Wenn BMW diese Kultur ändern will, wird sich auch die IG Metall anders aufstellen.“ Insgesamt arbeiten weltweit zuletzt knapp 108.000 Menschen für den Konzern, davon rund 80.000 in Deutschland.

Massenentlassungs-Wochen bei deutschen Unternehmen?

BMW ist beileibe nicht das einzige Unternehmen, dass in dieser Woche den Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt hat. Der Konsumgüterhersteller Henkel startet trotz eines Rekordgewinns im Jahr 2007 ein Programm zum Abbau von Stellen. Bis 2011 sollen weltweit rund 3000 der etwa 53.000 Arbeitsplätze wegfallen. „Wir (..) sichern aus einer Position der Stärke die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, begründete der scheidende Vorstandschef Ulrich Lehner heute in Düsseldorf die Maßnahmen. Henkel reagiere damit auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck und steigende Rohstoffkosten.

Gestern erst hatte Siemens angekündigt, sich in der verlustreichen Telekommunikationssparte SEN von 3800 Arbeitsplätzen trennen zu wollen. Die zum Verkauf stehende Sparte hat derzeit noch 17 500 Arbeitsplätze. Allein in Deutschland sollen bis zu 2000 Stellen gestrichen und weitere 1200 durch Verkäufe und Partnerschaften abgespalten werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Herbst 2009 ausgeschlossen.

PIN-Group plant Stellenabbau in größerem Ausmaß

Beim angeschlagenen Briefdienstleister PIN Group setzt der Insolvenzverwalter den Rotstift an: In den kommenden Wochen werden bei den meisten der zahlungsunfähigen 37 Tochterfirmen in größerem Ausmaß Arbeitsplätze abgebaut, teilte die Gesellschaft gestern mit. Genaue Zahlen wollte ein Sprecher nicht nennen. Das Unternehmen befinde sich in einem tiefgreifenden Umbauprozess, hieß es. Der Abbau von Stellen seien notwendige Schritte, um die Gruppe als Ganzes zu sanieren und damit zahlreiche Arbeitsplätze zu erhalten. Weitere Insolvenzen von PIN- Gesellschaften seien nicht auszuschließen. In ihren 91 Niederlassungen beschäftigt der Postdienstleister rund 9000 Mitarbeiter. In den insolventen Unternehmen sind es alleine 7000 Menschen.

Vergangene Woche hatte der Autozulieferer Continental bekanntgegeben, dass der Integration des von Siemens übernommenen Autoelektronikspezialisten VDO 2000 Stellen zum Opfer fallen werden - und das trotz eines gleichzeitig vermeldeten Rekordgewinns.

BMW kostet Stellenabbau dreistelligen Millionenbetrag

Wie viele Arbeitsplätze konkret in den Werken München, Dingolfing und Regensburg wegfallen, wollte der Personalchef nicht sagen. Die Reduzierung der Stammbelegschaft von rund drei Prozent gelte für alle Standorte außer Leipzig. In dem 2005 eröffneten Werk „wird es weder bei den Zeitarbeitskräften noch bei der Stammbelegschaft zu einschneidenden Maßnahmen kommen“.

Für den größten Stellenabbau seit den 1990er Jahren muss der Konzern hohe Rückstellungen bilden: „Das wird sicher ein dreistelliger Millionenbetrag sein“, sagte Baumann. Ab 2009 würden aber die Personalkosten um 500 Millionen Euro pro Jahr sinken. BMW will bis 2012 insgesamt sechs Milliarden Euro sparen und die operative Umsatzrendite im Auto-Segment auf acht bis zehn Prozent steigern. Um die Personalkosten zu senken, müssen auch die verbleibenden Mitarbeiter einen Beitrag leisten. Die Erfolgsbeteiligung für 2007 wird laut Baumann nicht höher ausfallen als die für 2006. „Auch der Vorstand ist betroffen.“

Für 2006 hatten die Beschäftigen bis zu 156 Prozent eines Monatsgehalts als Prämie erhalten. Zudem sollen Vereinbarungen über Zeitarbeitskonten, kürzere Pausen und veränderte Schichtzulagen sparen helfen. Bis 2012 werde BMW konzernweit wieder die Belegschaftsstärke von 2007 erreichen, sagte Baumann. Vor allem hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte wie Ingenieure oder Maschinenbauer würden eingestellt, allein in diesem Jahr 500. Auch in den USA baut BMW Stellen auf. „Wir werden auch in Zukunft den größten Teil der Mitarbeiter in Deutschland beschäftigen, aber den größten Teil der Produkte außerhalb verkaufen“, sagte der Personalchef. Voraussetzung seien Fortschritte in der Produktivität, weil der Absatz künftig langsamer wachse als in den vergangenen Jahren. BMW will die Zahl der verkauften Autos bis 2012 auf 1,8 von 1,5 Millionen im Jahr 2007 steigern.

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