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Jobmaschine Götz Werner: Der Menschenfreund beim Drogeriemarkt dm

von Reinhold Böhme und Mario Brück

Wenn Firmenchef Götz Werner, Mitte Mai sein Amt an seinen Stellvertreter Erich Harsch übergibt, dann wird es der Nachfolger nicht leicht haben. Werner, der charismatische Gründer der Drogeriemarktkette dm, der Professor, wie er in der Branche genannt wird, hat das Unternehmen nicht nur jahrzehntelang geprägt. Er hat es auch zum Hort einer ständig wachsenden Belegschaft gemacht. Kein Jahr vergeht, ohne dass dm nicht ganz vorn rangiert auf der WirtschaftsWoche-Jobliste – im vergangenen Jahr wieder auf Platz 12 mit 1736 neuen Stellen.

Kontrastprogramm zu Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche
Kontrastprogramm zu Marktführer Schlecker, Foto: Andreas Körner für WirtschaftsWoche Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche

Er sei nur ein Zahnpasta-Verkäufer, kokettiert der 64-Jährige gern. Wenn er das sagt, mündet die zur Schau getragene Bescheidenheit meistens in einer Argumentationskette, die zeigen soll: Seht her, wirtschaftlichen Erfolg kann auch haben, wer sein Unternehmen als soziale Skulptur begreift und seine Mitarbeiter menschenwürdig behandelt. Das merken auch die Kunden, kommen deshalb öfter, kaufen auch mehr – und verhelfen dem Unternehmen so zu mehr Wachstum und Arbeitsplätzen.

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Werners Jobmaschine dm ist das Kontrastprogramm zum Marktführer Schlecker, der Filialen im Stile besserer Laderampen bevorzugt. Der bekennende Antroposoph Werner legt Wert auf Service, ein üppiges Sortiment und angenehmes Ambiente. Seine Firma bezeichnet der Vater von sieben Kindern als Arbeitsgemeinschaft. Er redet nicht von Personalkosten, sondern von Mitarbeitereinkommen. Seine Drogeriekette mit über 17 000 Beschäftigten in Deutschland stellt in diesem Jahr mehr als 1000 Lehrlinge ein, die meisten sollen später übernommen werden.

Hinter Werners Menschenfreundlichkeit steckt viel wirtschaftliche Rationalität. Denn dm eröffnet Woche für Woche neue Filialen und braucht gut ausgebildete Mitarbeiter. Im darbenden deutschen Einzelhandel legte die Kette im vergangenen Geschäftsjahr beim Umsatz in knapp 1000 Filialen um 12 Prozent auf gut drei Milliarden Euro zu. Kein Wettbewerber in Deutschland nimmt so viel pro Quadratmeter Verkaufsfläche ein wie dm.

Die neuesten Jobs, die Werner im vergangenen Jahr schuf, sollen die Spitzenstellung weiter stärken. Dazu hat er sich für seinen Führungskräftenachwuchs etwas Besonderes einfallen lassen: ein Betriebswirtschaftsstudium der anderen Art. Katharina Funke ist eine von rund 20 dm-Mitarbeitern, die neben ihrem Job an der Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn ein dreijähriges Bachelor-Studium absolvieren, also einen berufsbegleitenden Studiengang. Der Unterschied zum herkömmlichen BWL-Studium liegt in der Kombination von Ökonomie und künstlerischen Fächern wie Schauspiel, Bildhauerei oder Malerei.

20 Wochen im Jahr verbringt die 23-Jährige, die 2004 ihr Abitur an einer Waldorfschule in Esslingen bei Stuttgart machte und eigentlich Medizin studieren wollte, bei dm, mal in einer Filiale, mal im Logistikzentrum, mal in der Personalabteilung in der Zentrale in Karlsruhe. Die restliche Zeit büffelt sie in Alfter. „Ein Händler braucht alle Sinne, er benötigt Kopf, Herz und Bauch, nicht nur den Rechenschieber“, pflichtet Alain Caparros, der Chef der Kölner Rewe-Gruppe, seinem Branchenkollegen Werner bei. Auch Caparros lässt einige seiner Leute in Alfter ausbilden.

Funke lernt dort Dinge , die einem gewöhnlichen BWL-Studenten fremd sind, zum Beispiel Skulpturen anzufertigen. So trainiere sie, die Perspektive zu wechseln, unterschiedliche Standpunkte einzunehmen und sie wieder zu verlassen, sagt sie. Oder sie versucht mit Pappstücken einen möglichst hohen, ästhetischen und stabilen Turm zu bauen: „Drei Stunden lang, mit fünf Leuten, zwei Messern und ohne dabei zu reden“, sagt sie. „Dabei entwickelt man ein Gefühl für die Stimmungen der anderen und übt Wahrnehmung“ – genau wie Übervater Werner es für sein Weltbild, aber auch sein Geschäft braucht.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.11.2009, 01:10 UhrAnonymer Benutzer: R. Raberger

    ich sehe das nicht so pessimistisch. im Gegenteil: Nahezu alle Zertifizierungsprogramme empfehlen, bei der Entwicklung eines Unternehmens in erster Linie auf das Wohlergehen der Mitarbeiter zu achten. Und das nicht primär aus humanistischen, sondern aus simplen ökonomischen Gründen: Gut gelaunte und ausgeglichene Mitarbeiter bringen bessere Leistungen! Ausquetschen und kaputtmachen war gestern. irgendwann sollte sich das auch bei den dümmsten betonköpfen herumgesprochen haben.

  • 14.04.2008, 20:04 UhrAnonymer Benutzer: Satyrikum

    Leider sterben die letzten Humanisten
    dieser globalen Managerriege aus !!!
    blicken wir mit Fernweh zurück auf unsere Vorbilder !!!

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