Jobmaschine Marc Van Herreweghe: Der Standortretter bei BAT

Jobmaschine Marc Van Herreweghe: Der Standortretter bei BAT

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Werksleiter Herrweghe: Der Rekord von heute ist die Norm für morgen

Der 450 Meter lange, beige geflieste Gang entlang der Fertigungshalle sieht fast aus wie eine Kunst-Galerie. „Engagiert für Europa“ steht auf kleinen Schildern an den Wänden oder „focused on cost“, zu Deutsch: „Immer an die Kosten denken“. Drumherum hängen handgroße Fotos von allen, die hier arbeiten – insgesamt 1285 Gesichter.

Dass dies gut 200 Menschen mehr sind als vor rund einem Jahr, liegt an Marc Van Herreweghe. Dem Belgier ist etwas gelungen, was großen Seltenheitswert hat: Er holte Arbeitsplätze aus dem Ausland nach Deutschland. Statt in Southampton in Südengland oder im niederländischen Zevenaar produzieren nun Mitarbeiter in Bayreuth Zigaretten der Marken HB und PallMall, Dunhill und Lucky Strike, Westpoint und Lord. Die beiden anderen Werke von British American Tobacco, kurz: BAT, die dies bisher ebenfalls taten, gehen unter. Zum Zuge kommen stattdessen die „Western Europe Operations“, zu Deutsch: die Westeuropa-Fertigungslinien von BAT in Oberfranken, wie über dem Eingang steht.

Für die neuen Jobs und eine gewisse Euphorie in der bayerischen Provinz sorgt ein Mann, der genau weiß, was eine international wettbewerbsfähige Zigarettenfabrik ausmacht. Bevor der heute 46-Jährige im Dezember 2006 das Kommando in Bayreuth übernahm, arbeitete er für BAT als Fertigungsmanager in Belgien sowie in Moskau und in der Schweiz, wo er jeweils zum Standortchef aufstieg. Darüber hinaus mischte er bei BAT-Projekten in Marokko, Bulgarien und Rumänien mit. „Bayreuth ist heute unser modernstes BAT-Werk“, sagt Van Herreweghe, „es gilt als Maßstab im weltweiten Konzernverbund.“

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Dafür hat der Flame vor gut zweieinhalb Jahren zusammen mit seinem Vorgänger in Bayreuth gesorgt – indem er der Belegschaft brutal drohte, ihr zugleich aber Fairplay anbot. Geplagt von Überkapazitäten unter anderem durch Firmenübernahmen hatte die BAT-Zentrale entschieden: Von vier großen und mehr als zehn kleinen Werken in Europa müssten zwei größere Standorte fallen. Nur wenn die Bayreuther die Kosten um sagenhafte 25 Prozent senkten, hätten sie die Chance, ihre Arbeitsplätze zu erhalten, ja sogar Produktion aus den unterlegenen Werken übertragen zu bekommen. Schlügen die Anstrengungen fehl, würden den Mitarbeitern die erbrachten Opfer allerdings rückvergütet.

Worauf sich das Management und Belegschaft in der Hoffnung einigten, den Standort Bayreuth zu retten und den Grundstein für künftige Prosperität zu legen, das klingt aus heutiger Sicht wie ein Märchen vom gestrengen Hirten, der seine Schäfchen hart prüft, um sie sodann zu weiden auf grüner Au.

Denn zunächst wurde die Zahl der Arbeitsplätze um rund 200 reduziert, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld um die Hälfte gekürzt, bezahlte Pausen verringert, Freizeitausgleich für Wechselschichtarbeiter heruntergefahren, am 24. Dezember und an Silvester je ein Tag Zwangsurlaub eingeführt, zwei Jahre Lohn- und Gehaltsstopp verordnet, die Zulieferer zu Zugeständnissen gezwungen.

Die Früchte des Verzichts fährt Van Herreweghe seit gut einem Jahr ein. Das alte Stammwerk von BAT in Southampton musste zugunsten von Bayreuth schließen, Zevenaar in den Niederlanden macht gerade endgültig dicht. „Wir transferieren gegenwärtig die letzte Produktion nach Bayreuth“, sagt Van Herreweghe.

2007 steigerten die Oberfranken durch die Verlagerung nach Deutschland den Zigarettenausstoß von früher 30 Milliarden auf deutlich über 40 Milliarden Stück pro Jahr. Weil pro einer Milliarde 20 bis 25 neue Mitarbeiter nötig sind, übersteigt die Zahl der Beschäftigten heute die Belegschaft vor der Abbauwelle. 2007 war das absolute Rekordjahr des Bayreuther BAT-Werks seit seiner Gründung 1957.

Van Herreweghe ist denn auch voll des Lobes für den geretteten Standort, der nun seine Stärken voll ausspiele: qualifizierte Mitarbeiter, hohe Automation, eine eigene Engineering- und Produktentwicklungsabteilung. Und die Zusammenarbeit mit Betriebsrat und Gewerkschaft zum Erhalt des Standorts sei durchweg „ausgezeichnet“ gewesen.

Um die Belegschaft zu neuen Spitzenleistungen zu treiben und die Zahl der Jobs vielleicht noch weiter zu erhöhen, pflegt Van Herreweghe die offene Kommunikation. So stimmte er die Mitarbeiter auf die künftige Strategie von BAT ein, indem er Mitte Februar alle 1285 Beschäftigten zu einem ganztägigen Seminar in die Bayreuther Oberfrankenhalle lud – bei Nasi Goreng und Chili con Carne, bei Tee, Kaffee, Wasser und Bier. „Nur so lernen die Leute“, sagt Van Herreweghe, „dass der Rekord von heute die Norm für morgen ist.“

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