Josef Ackermann: Spitzenbanker auf dem Weg nach draußen

Josef Ackermann: Spitzenbanker auf dem Weg nach draußen

, aktualisiert 14. November 2011, 20:57 Uhr
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Quo vadis, Josef Ackermann?

Quelle:Handelsblatt Online

Ehrgeizige Ziele, tolle Bilanzen, umstrittene Gesten - Josef Ackermann polarisiert, und gilt trotzdem als der große Spitzenbanker der deutschen Finanzbranche. Das Porträt eines polarisierenden Managers.

FrankfurtManchmal strahlt Deutschlands mächtigster Banker Josef Ackermann eine nahezu unerträgliche Arroganz aus: In Erinnerung bleibt das Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess oder die Entlassung tausender Mitarbeiter im gleichen Atemzug mit einem Rekordgewinn. Andererseits ist er als Deutsche-Bank-Chef höchst erfolgreich gewesen: Er führte die Bank vergleichsweise glimpflich durch die Krise. Seine Aussage, er würde sich schämen, staatliche Hilfe anzunehmen, wurde ihm freilich auch schon wieder als Arroganz ausgelegt.

Am Montagabend teilte die Deutsche Bank überraschend mit, Ackermann wolle nun doch nicht in den Aufsichtsrat der Bank wechseln, wenn er sein Amt als Vorstandsvorsitzender im Mai 2012 abgibt. Damit steht seine Karriere vor dem Ende. Kurz zuvor hatten Anwälte der Deutschen Bank erklärt, das Vorstandsbüro Ackermanns sei von der Münchener Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Hintergrund sei der Kirch-Prozess.

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Dabei werde nun auch gegen Ackermann, Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer und den früheren Bankvorstand Tessen von Heydebreck wegen Verdachts der Falschaussage und des versuchten Prozessbetrugs ermittelt, erklärten die Anwälte weiter. Es geht bei dem Prozess in München seit Monaten um die Frage, ob die Bank einst den Medienunternehmer Leo Kirch in den Ruin getrieben hat.

Für das laufende Jahr hatte Ackermann ein Rekordziel ausgegeben: Der Vorsteuergewinn der operativen Geschäftseinheiten sollte von 7,2 Milliarden Euro auf zehn Milliarden Euro steigen. Doch dieses Ziel musste Ackermann angesichts der Finanzmarkt-Turbulenzen wieder zurücknehmen.

Der 63-Jährige gilt vielen als Buhmann und Musterbeispiel des ausschließlich auf Gewinnmaximierung bedachten Kapitalisten. Ihm werden aber auch analytischer Weitblick, ausgeprägtes Gespür für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge, ausgleichendes Wirken sowie eine herausragende kommunikative Begabung - schlicht: Charme - nachgesagt. Ackermann ist exzellent vernetzt in Wirtschaft und Politik. Unter anderem ist er Chef des Institute of International Finance in Washington, des Bankenverbandes, der den Schuldenschnitt für Griechenland mit der Eurozone ausgehandelt hat.

Derzeit fragt den Schweizer aus dem Kanton St. Gallen auch die Bundesregierung nach seiner Einschätzung. Die Bundeskanzlerin gab einst zu seinem 60. Geburtstag ein Abendessen im Kanzleramt.


Lange Jahre auch der große Spitzenverdiener

Eigentlich hatte Ackermann den Vorstandsvorsitz im Jahr 2010 aufgeben wollen. Doch Anfang 2009 entschloss er sich, länger zu bleiben. „Der Wunsch des Aufsichtsrats und vieler Mitarbeiter haben dazu geführt, dass ich sage, ich sehe mich in der Pflicht und stelle meine persönliche Lebensplanung zurück“, sagte der damals 61-Jährige. Manche vermuten, er habe auch verhindern wollen, dass Aufsichtsratschef Börsig seine Nachfolge anträte.

Ackermann ist der Sohn eines Schweizer Landarztes. In den Führungsgremien der ist der Doktor der Wirtschaftswissenschaften seit Herbst 1996 vertreten. Im Mai 2002 stieg er zum Vorstandssprecher auf. Dem Unternehmen verordnete er bald ehrgeizige Ziele: vor allem eine deutliche Steigerung der Eigenkapital-Rendite, Ziel 25 Prozent. Damit sollte der im internationalen Vergleich niedrige Börsenwert erhöht werden, um das Haus vor einer feindlichen Übernahme zu schützen.

Ackermann war über viele Jahre einer der Spitzenverdiener unter den Vorstandschefs der im Deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen. Im eigenen Haus freilich übertraf ihn zuletzt Anshu Jain, der Chef des Investmentbankings, das im Jahr 2010 allein 86 Prozent des Vorsteuergewinns der Bank einbrachte.

Ackermann ist mit einer Finnin verheiratet und hat eine Tochter. Er gilt als exzellenter Hobbymusiker in klassischem Gesang und Klavierspiel. Außerdem ist er Opernfan.

Quelle:  Handelsblatt Online
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