Josef Ackermann: Weltbester Banker

KommentarJosef Ackermann: Weltbester Banker

von Mark Fehr

Die Deutsche Bank steuert 2011 ein Rekordergebnis an. Selbst Ackermann-Kritiker müssen einsehen, dass die meisten Vorwürfe gegen ihr Feindbild ins Leere laufen. Ein Faktencheck von WiWo-Redakteur Mark Fehr.

Bild vergrößern

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann

Kein Dax-Chef polarisiert so stark wie er. Für die einen gilt Josef Ackermann als Verkörperung des rücksichtslosen Kapitalismus, für die anderen ist der Schweizer ein begnadeter Firmenlenker mit ein paar liebenswerten Marotten.

Die heute veröffentlichten glänzenden Geschäftszahlen der Deutschen Bank geben sowohl Ackermanns Kritikern als auch seinen eingefleischten Fans frisches Futter für neue Debatten. Deutschlands größtes Geldhaus hat im ersten Quartal 2011 drei Milliarden Euro vor Steuern verdient und übertrifft damit alle Erwartungen. Jetzt peilt Ackermann einen Gewinn von zehn Milliarden Euro für das Gesamtjahr an.

Anzeige

Die angestrebte Rekordsumme lässt viele deutsche sowie internationale Konkurrenten alt aussehen und erntet vor allem bei den Aktionären der Deutschen Bank Jubel. Ackermanns Gegner aber interpretieren seinen außerordentlichen finanziellen Erfolg als Beleg für ein riskantes und rücksichtsloses Geschäftsmodell. Doch selbst Kritiker müssen einsehen, dass die meisten Vorwürfe gegen die Bank und ihren obersten Manager ins Leere laufen. Ackermann setzt derzeit den Maßstab, an dem sich weltweit alle Angehörigen seiner Zunft messen müssen.

Tragende Rolle für das Finanzsystem

Der brisanteste Vorwurf lautet: Der Deutschen Bank sei aufgrund ihrer tragenden Rolle für das gesamte Finanzsystem im Krisenfall stets staatliche Hilfe sicher. Daher fahre sie eine bewusst riskante Strategie, die sich andere Häuser nicht leisten könnten. Fakt ist, dass Ackermanns Institut die Finanzkrise ohne staatliche Hilfe überstanden hat und die Bundesregierung den Rettungsfonds Soffin geschlossen hat. Kriselnde Banken sollen künftig nicht mehr mit Steuermilliarden gerettet werden, sondern mit Geld, dass systemrelevante Institute ab Herbst 2011 in einem Fonds ansparen. Die Deutsche Bank muss wegen ihrer Bedeutung und ihrer hohen Gewinne beträchtliche Beträge dafür beitragen.

Daneben provoziert Ackermann immer wieder durch scheinbar unüberlegte Sprüche, die er mit seinem charakteristischen selbstbewussten Grinsen vorträgt. Zuletzt eckte er mit Bemerkungen über Top-Managerinnen an, die den Vorstand „verschönern“ könnten. Politische Korrektheit hört sich zugegebenermaßen anders an. Fakt ist aber: In ernste Schwierigkeiten hat Ackermanns loses Mundwerk die Deutsche Bank noch nicht gebracht.

Dagegen löste sein Vorgänger Rolf-Ernst Breuer eine Prozesslawine gegen das eigene Haus aus, als er sich 2002 unbedacht über die Bonität des Kirch-Medienkonzerns äußerte, der daraufhin pleite ging. Erst kürzlich musste die Deutsche Bank im Rechtsstreit mit Kirch eine mehr als 700 Millionen Euro schwere Vergleichsforderung ablehnen. Verglichen mit solchen Summen sind Ackermanns gelegentliche Sprüche harmlos – und wer weiß, vielleicht klatscht der ein oder andere heimlich Beifall, wenn sich der Banker - anders als die meisten seiner Zunft - mal wieder zu markanten Aussagen traut.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%