
Auch bei den Structured Investment Vehicles (SIV), mit denen Banken große Risiken auf Tochtergesellschaften in als diskret und steuergünstig bekannten Ländern auslagerten, um diese so aus ihrer eigenen Bilanz fernzuhalten, hielt sich JP Morgan Chase bedeckt. Dimons alter Arbeitgeber Citigroup kollabierte, als die Bank solche Versteckspielchen beenden und die Milliardenverluste schlucken musste.
Sein Meisterstück liefert Dimon aber nicht an der Wall Street ab, sondern in der Provinz. Im März 2000, 16 Monate nach seinem Rauswurf, heuert ihn die Bank One aus Chicago, damals die fünftgrößte US-Bank, als CEO an. „Aggressive Bilanzierung, fürchterliche Kreditprobleme, die die Bank hätten versenken können, nicht genug Kapital, grausamer Kundenservice…“, so lautet in der Rückschau seine Bestandsaufnahme der Probleme. Doch mit einem klaren Plan und ohne Rücksicht auf Verluste inszeniert Dimon in nur drei Jahren eine beeindruckende Kehrtwende: Eine halbe Milliarde Dollar Verlust im Jahr 2000 verwandelte er in einen Rekordgewinn von 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2003.
Anfang 2004 folgt – von Dimon selbst mit eingefädelt – die Übernahme der erstarkten Bank One durch JP Morgan Chase für 58 Milliarden Dollar. Dimon ist zurück an der Wall Street. Zwei Jahre später übernimmt er den Vorstandsvorsitz und sitzt nun der Citigroup im Nacken. Nicht nur in New York liefern sich die zwei Megabanken ein hartes Rennen um die besten Filialstandorte, das erst die Finanzkrise stoppt.
Doch während die Citigroup bald um Staatsstütze bettelt, wird Dimon übers Wochenende zum Retter der Wall Street. Die Investmentbank Bear Stearns bewahrt nur die Übernahme durch JP Morgan Chase vor dem Kollaps. Dabei gelingt es Dimon, das Risiko weitgehend auf die US-Notenbank zu übertragen. Wenige Monate später übernimmt Dimon mit Washington Mutual auch die größte US-Sparkasse, die wegen verschreckter Kunden, die ihre Einlagen abziehen, ebenfalls vor dem Aus steht.
Dimon will sich nicht an Bad Banks beteiligen
Heute ist Dimon deshalb wohl der einzige Manager einer großen US-Bank, der es sich noch erlauben kann, die Regierung zu kritisieren. Man solle nicht alle Banker in einen Topf werfen, mahnte er bereits und fand damit sogar beim Präsidenten ein offenes Ohr. Es gebe „viele Banken, die ziemlich gut geführt sind“, sagte Obama, „und JP Morgan ist dafür ein gutes Beispiel“.
Dimon hat die Lektion von zu viel Staatseinfluss jedenfalls gelernt, sagte er kürzlich und spielte damit auf die Banker-Hetzjagd an, die in harschen Gesetzen für die Managervergütung einen ihrer Höhepunkte fand. Auch an der Bad-Bank-Variante der Amerikaner – dem vom Staat subventionierten Fonds, in dem die US-Banken ihre Altlasten entsorgen sollen – will sich Dimon nicht beteiligen. Und die Kritik von Politikern, auch Banken, die Staatshilfe erhalten hätten, würden die Kreditvergabe drosseln und so der Wirtschaft schaden, kommentiert er so: „Ja, die Kriterien für Kreditvergaben sind härter geworden, und das ist vernünftig. Unvernünftig ist es dagegen, zu sagen, die aktuelle Krise war das Ergebnis schlechter Standards bei der Kreditvergabe, und gleichzeitig zu sagen, wir sollten die Standards so belassen.“
Zwar erhielt auch JP Morgan Chase im November bei der kollektiven Zwangsbeglückung der größten US-Banken 25 Milliarden Dollar aus dem Rettungstopf – Geld, das die Bank nicht gebraucht hätte, so Dimon. Deshalb möchte er die Milliarden auch möglich schnell wieder zurückzahlen. Das dürfte ganz oben auf seinem zerknitterten Zettel stehen.











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Alle Kommentare lesen02.06.2009, 13:22 UhrAnonymer Benutzer: Marco
Es läuft z.Z. eine Untersuchung von der Division of Enforcement der Commodities Futures Trading Commission bezüglich einer möglichen Manipulation des Silberpreises.
JP Morgan hat im letzten Jahr zeitweise das 20% der weltweite Silberproduktion (und 15% der Weltproduktion von Gold) short verkauft.
"On December 2, as silver closed at $9.57, exactly 2 U.S. banks held a net short positioning of 24,555 contracts. The CFTC reports that as of the same date all traders classed as commercial held a net short positioning of 24,894 contracts. So, the 2 U.S. banks, with one particular Fed member bank probably holding almost all of it, held a sickening 98.64% of all the collective commercial net short positioning on the COMEX silver futures market."
(http://www.resourceinvestor.com/News/2008/12/Pages/-On-the-fly--Gold-And-Silver-COT-information.aspx)
Zwischen dem 6. Januar und dem 3. Februar wurden ALLE Short-Verkäufe von Silber innerhalb der Kategorie der Commercials nur durch JP Morgan getätigt.
(http://www.investmentrarities.com/02-16-09.html)
Nach informationen der bankenaufsichtsbehörde (Office of the Comptroller of Currency), einer Abteilung des US Finazministeriums, kontrolliert JP Morgan 96 Mrd Dollar(71,11%) der 135 Mrd Dollar schweren Golddrerivatkontrakte(einschliesslich Termingeschäften und Optionen), die unter der Kontrolle der Finanzinstitute stehen. Die HSbC bank USA kontrolliert 34,4 Mrd Dollar (25,48%). Mit anderen Worten, nur 2 Player kontrollieren fast alle Goldderivatkontrakte der gesamten Vereinigten Staaten.
JP Morgan hat riesige Summen eingefahren, indem sie den Preis der Edelmetalle kontrolliert und gleichzeitig der weltweit größte Verkäufer von Gold- und Silberderivaten ist.
(http://www.gata.org/files/PiRATES-OF-THE-COMEX.pdf)
Und die Wirtschaftswoche nennt Dimon ein Held...
28.05.2009, 13:42 UhrAnonymer Benutzer: Diamondsareforever
Der Artikel ist oberflächlich - JP Morgan war ja gerade Pionier im bereich der Debt Securitization und das ganze anfangs ziemlich radikal verfolgt. David Li hat sogar für JP gearbeitet! Die bank war ein innovations Powerhaus bis das Management sich irgendwann gegen die Debt Geschäfte entschied - gegen große Widerstände.
28.05.2009, 00:13 UhrAnonymer Benutzer: Natürlich
Vielleicht stehen ja auch die Aktionäre der Wamu auf seinem kleinen Zettel...
Klar, dass er zum Held erklärt wird. Dann wird es schwerer ihn schlecht aussehen zu lassen und seine Machenschaften mit der FDiC