Jürgen Hambrecht im Interview: "Der schwache Euro hilft uns"

Jürgen Hambrecht im Interview: "Der schwache Euro hilft uns"

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Jürgen Hambrecht, Vorstandvorsitzender der BASF

von Matthias Kamp

Jürgen Hambrecht, Vorsitzender des Asien-Pazifik Ausschusses der deutschen Wirtschaft und Chef des BASF-Konzerns, über den Boom in Fernost, die Krise des Euro und Asiens Rolle für die deutsche Wirtschaft.

WirtschaftsWoche: Herr Hambrecht, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle ist zur Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft nach Singapur angereist. Wäre er angesichts der Euro-Turbulenzen nicht besser in Berlin geblieben?

Jürgen Hambrecht: Es ist etwas ganz besonderes, dass Rainer Brüderle hier ist. Der Besuch in Singapur wird völlig unterschätzt. Wenn der Minister nicht gekommen wäre, wäre das ein katastrophales Signal für den Euro gewesen. Das wäre in Asien so aufgefasst worden, als traue er sich nicht mehr aus Deutschland heraus.

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Was war die wichtigste Veränderung in Asien, wenn Sie auf vier Jahre APA-Vorsitz zurückblicken?

Wenn man unsere APA-Konferenzen Revue passieren lässt, hat in den letzten Jahren eine deutliche Verschiebung stattgefunden. Früher haben wir den Mittelstand, die deutsche Industrie nach Asien gebracht und haben dort Kontakte geknüpft. Es ging darum, dass deutsche Firmen in Asien mehr investieren sollten. Das hat sich völlig geändert. Heute herrscht großes Selbstvertrauen in Asien, es herrschen Mut zur Zukunft und Zuversicht. Wir diskutieren heute auf Augenhöhe mit den Asiaten. Früher gab es auf deutscher Seite viel Besserwisserei. Fragen, was Deutschland nach Asien bringen kann, dominierten die Gespräche.

Noch vor zehn Jahren hieß es, manche deutsche Unternehmen verschliefen die Chancen in Asien und seien zu zögerlich. Hat sich das geändert?

Deutschland ist heute in Asien viel besser aufgestellt als in der Vergangenheit. Die großen und mittleren Unternehmen sind in Fernost gut positioniert. Das ist ein Segen für Deutschland. Früher beklagten viele, mit den Engagements in Asien gingen in Deutschland Arbeitsplätze verloren. In Wirklichkeit sind die deutschen Firmen nach China und in andere Länder der Region gegangen, um die Märkte dort zu bedienen und nicht um von dort aus zu exportieren. Das sichert Arbeitsplätze in Europa, besonders in Deutschland.

Die Anteile, die das Asiengeschäft zum Gesamtumsatz deutscher Firmen beisteuert, ist bei den meisten immer noch sehr klein.

Die Anteile werden in den kommenden Jahren sehr stark wachsen. In vielen Branchen kommt das weltweite Wachstum zu 50 Prozent aus Asien. Da ist ein Aufwärtstrend unausweichlich.

Ist der niedrige Kurs des Euro ein Segen für die deutsche Exportwirtschaft?

Ja, der schwache Euro hilft uns, denn er beflügelt unsere Ausfuhren. Es war ja gerade der Export, der Deutschland das überraschend starke Wirtschaftswachstum im ersten Quartal beschert hat. Wir brauchen uns über den Wechselkurs keine großen Sorgen zu machen. Wir hatten in der Vergangenheit auch schon einen Eurokurs von 1:1 zum US-Dollar.

Wäre eine Parität des Euro mit dem US-Dollar unbedenklich?

Nein, das sage ich nicht. Wir sollten aber nicht ständig über den Euro spekulieren und ihn nicht nach unten reden. Der Euro ist stärker als es im Moment dargestellt wird.

In letzter Zeit nehmen protektionistische und nationalistische Töne in China zu. Anlass zu Sorge für die deutsche Wirtschaft?

Es gibt keinen Anlass zu grundsätzlicher Sorge. In einer Krisensituation wie wir sie hatten, versuchen manche Länder natürlich, ihre Konjunkturprogramme möglichst im eigenen Land zu realisieren. Da sind die Chinesen an der einen oder anderen Stelle sehr stark auf sich selbst fokussiert. Das muss man beobachten und in Peking auch ansprechen. Aber nicht nur die Chinesen bauen um sich herum einen Gartenzaun auf, sondern auch die Amerikaner mit ihren Strafzöllen auf Autoreifen oder die Europäer mit Anti-Dumping-Zöllen auf Schuhe.

Dürfte China angesichts des schwachen Euro eine Aufwertung des Yuan verschieben?

Die Chinesen werden ihren Wechselkurs mit dem Tempo und auf die Art und Weise anpassen, wie es für ihr Land vorteilhaft ist. Da braucht man gar nicht auf Peking einzureden. Die chinesische Regierung wird das tun, was sie auf Grundlage ihrer langfristig angelegten Analyse für richtig hält.

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