Kabarettist Bruno Jonas im Interview: "Die Zeiten für Satiriker sind gut"

Kabarettist Bruno Jonas im Interview: "Die Zeiten für Satiriker sind gut"

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Kabarettist Bruno Jonas

Kabarettist Bruno Jonas über gute Witze in schlechten Zeiten und den Zusammenhang zwischen Humor und Glauben.

WirtschaftsWoche: Herr Jonas, woran erkennt man eine miese Bank?

Jonas: Keine Ahnung. Aber vermutlich sieht man’s ihr nicht an.

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Man bekommt sein Geld nur zurück, wenn man die richtigen Sachen dabeihat: Strumpfmaske, Pistole und einen großen Sack. Finden Sie das lustig?

So richtig vom Hocker reißt’s mich nicht. Und es stimmt ja auch nicht: Wer weiß heutzutage schon, ob die Bank nicht grad’ selbst kein Geld mehr hat? Da hilft die Knarre auch nicht mehr viel.

Witze wie dieser kursieren derzeit im Internet. Gibt es gute über die Finanzbranche?

Selbstverständlich, der Witz wird ja gerade noch erzählt, und die Pointe kommt am Schluss.

Vielleicht gibt es ja auch nichts mehr zu lachen in einer Zeit, in der die CSU die absolute Mehrheit verliert, die Börsen zusammenkrachen und eine handfeste Rezession droht?

Ich find’s ziemlich komisch. Vielleicht gibt es Leute, die nicht lachen können, aber zum Lachen ist es schon. Die Zeiten sind für Satiriker eigentlich immer gleichbleibend gut. Humor funktioniert ähnlich wie eine Membran, die zu schwingen anfängt, wenn sie Impulse von außen erhält. Und ob Krise oder Glanz und Gloria, der Stoff geht einem nie aus. Selbst im Paradies gibt es immer irgendwelche Probleme. Sei es mit Schlangen oder Bäumen, von denen man nicht essen darf.

In Ihrem aktuellen Programm schlüpfen Sie in die Rolle eines Unternehmensberaters, der über seine Sanierungskonzepte philosophiert und gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Korruption und Untreue ermittelt. Wie kamen Sie darauf?

Mei, Korruption und Untreue kommen immer wieder vor. Konkreter Anlass war der Verkauf des Armaturenherstellers Grohe an eine Venture-Capital-Gesellschaft. Ein klassischer Fall von Bootstrapping.

Können Sie den Begriff auch erklären?

Bootstrapping heißt so viel wie an den Stiefelschlaufen aus dem Sumpf ziehen. Die Investoren richten einen Sumpf ein, in den sie das Unternehmen schubsen, um es danach daraus zu retten. Dabei wird der Kaufpreis komplett über Kredite finanziert, die Kreditschulden werden dann dem Unternehmen aufgebürdet. Es entsteht eine marode Schieflage. Um das Unternehmen zu retten, wird eine brutale Sanierung durchgezogen. Der Kaufpreis wird aus der Wirtschaftskraft des Unternehmens erwirtschaftet. Ziemlich hinterfotzig diese Strategie, aber absolut legal.

Sieht aus, als hätten Sie Ihre Hausaufgaben gemacht. Wie haben Sie sich auf Ihr aktuelles Programm vorbereitet?

Ich habe ein paar Bücher gewälzt und versucht, die Finanzwelt zu verstehen, was mir aber nicht ganz gelungen ist. Ich weiß immer noch nicht genau, was ein Credit Default Swap ist und wie er genau funktioniert. Was bedeutet Subprime? Wie gehen die Amerikaner mit Hypotheken um? Wie wird in den USA ein Haus finanziert? Was steckt hinter so lustigen Namen wie Fannie May und Freddie Mac? Kennt man ja hier alles gar nicht, weil wir eine ganz andere Mentalität haben. Darüber habe ich mich informiert, auch durch die tägliche Lektüre der Wirtschafts- und Finanzteile seriöser Tageszeitungen.

Da müssten Sie sich doch täglich die Hände reiben über den Stoff, den Ihnen Berater und Banker mit Ihren Fauxpas liefern.

Ein Vergnügen ist es nicht, es ist eher ein Miss-Vergnügen. Ich kann mich ziemlich aufregen, wenn ich lese, wie die Leute in den Banken über den Tisch gezogen worden sind. Gleichzeitig frage ich mich natürlich: „Wie kann ich den Stoff satirisch verwerten?“

Sie sind vor allem als Politkabarettist bekannt. Hätten Sie vor ein paar Jahren gedacht, dass ein Unternehmensberater als Protagonist eines abendfüllenden Kabarettprogramms taugt?

So konkret wahrscheinlich nicht. Aber wir Satiriker müssen auf die aktuellen Ereignisse reagieren. Die Wahl in Bayern, Seehofers Affäre in Berlin, solche Geschichten müssen täglich verarbeitet werden. Aber die Jahre, in denen das Publikum lachte, wenn Unternehmer als Männer mit dickem Bauch und Zigarre karikiert wurden, sind längst vorbei. Da hat sich die Welt doch sehr geändert – nicht nur, weil keiner mehr raucht.

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