Kabelanbieter: Die Drückerkolonnen von Unitymedia

Kabelanbieter: Die Drückerkolonnen von Unitymedia

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Unitymedia-Chef Sandhu

Schlechte Nachricht für den künftigen Eigentümer von Unitymedia: Der Kabel-TV-Anbieter verärgert Kunden mit zweifelhaften Methoden. Verbraucherschützer kritisieren mehrfache Gesetzesverstöße.

Es sollte die Woche des Parm Sandhu werden. Erst glänzte der Chef von Unitymedia, dem zweitgrößten TV-Kabelnetzbetreiber in Deutschland, mit vielen dicken Pluszeichen in der Quartalsbilanz. Dann zogen sich die beiden Gesellschafter, die Finanzinvestoren BC Partners und Apollo Management, zu Beratungen über den baldigen Ausstieg zurück: schnell Kasse machen und Unitymedia noch in diesem Jahr an die Börse bringen. Dann die 180-Grad-Wende in letzter Sekunde: Unitymedia wird verkauft. Der US-Medienkonzern Liberty Media zahlt über seine Kabel-Tochter Liberty Global 3,65 Milliarden Euro an Finanzinvestoren um die britische BC Partners (35 Prozent) und Apollo Management (29 Prozent).

Der Grund für den hohen Preis: Das TV-Kabel ist die überlegene Infrastruktur, noch mehr Kunden mit vergleichsweise langsamen Internet-Anschlüssen vom Typ DSL werden zu den schnelleren TV-Kabelanschlüssen wechseln und den Grundstein dafür legen, dass Umsatz und operativer Gewinn kontinuierlich steigen.

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Wie Drückerkolonnen riefen externe Callcenter an

Doch die Wachstumsstory hat Unitymedia einer extrem aggressiven und zum Teil rechtlich zweifelhaften Telefon‧akquise zu verdanken. Wie Drückerkolonnen riefen externe Callcenter in den vergangenen Monaten Haushalte in den versorgten Gebieten in Nordrhein-Westfalen und Hessen an. Möglichst viele der 4,7 Millionen Kabelfernsehkunden sollen auch neue Dienste wie Internet und Telefon von Unitymedia beziehen.

Zuletzt klingelten Agenten von Walter Services, einem der Marktführer in der Callcenter-Branche, sogar Kunden von Konkurrenten an, um für einen Anbieterwechsel zu werben. Solche Werbeanrufe ohne das vorher eingeholte Einverständnis der Kunden sind aber seit August verboten. „Guten Tag, hier spricht Ihr Netzanbieter Unitymedia“, grüßte eine Frauenstimme und lockte mit einer günstigen Internet-Flatrate für 25 Euro. Der Angerufene hatte aber schon vor zwei Jahren alle Verträge mit Unitymedia gekündigt und sich Werbeanrufe verbeten.

Rechtswidrige Methoden

Der Fall ist nur die Spitze des Eisberges. Viele Kunden hat Unitymedia offensichtlich mit rechtswidrigen Methoden gewonnen. Das jedenfalls geht aus einer Dokumentation hervor, die die Verbraucherzentrale NRW am 9. November der Landesanstalt für Medien in Düsseldorf präsentierte und die der WirtschaftsWoche vorliegt.

„Mehrfach wurden die Grenzen zum unlauteren Wettbewerb überschritten und verbraucherrechtliche Schutzvorschriften missachtet“, klagen die Verbraucherschützer und untermauern die Vorwürfe mit einer eindrucksvollen Statistik: Mit über 15.000 Beschwerden in NRW allein in diesem Jahr rangiert Unitymedia weit vor der Deutschen Telekom und anderen Telefongesellschaften.

Viele Betroffene wissen sich nicht mehr zu helfen und schalten sogar ihre Volksvertreter ein. Jeder zweite Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags, das ergab eine Umfrage der Verbraucherzentrale, hat schon Beschwerden über die Vertragsgestaltung und die Kosten des digitalen Kabelfernsehens zu hören bekommen. „Als Quasi-Monopolist baut Unitymedia erhebliches Misstrauen und eine Abwehrhaltung gegenüber seinen Werbemaßnahmen auf“, urteilt die Verbraucherzentrale und listet die häufigsten Vergehen auf.

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