Kaffee: Danke, Starbucks

Kaffee: Danke, Starbucks

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Giuseppe Lavazza

Kaffeeröster Giuseppe Lavazza über die neue Kaffeelust der Deutschen.

WirtschaftsWoche: Herr Lavazza, vor vielen Jahren war Filterkaffee des deutschen liebstes Heißgetränk, mit dem sogar Barbesitzer an der Adria warben. Heute ist in Deutschland kein Café denkbar ohne Latte macchiato und Cappuccino. Was ist mit Deutschland passiert?

Lavazza: Mehr und mehr Espresso, mehr und mehr Cappuccino – das ist ein internationales Phänomen, kein deutsches. Kaffee ist nicht nur ein Getränk, es ist ein Stück Lebensart geworden, ein Produkt, mit dem Sie sich von anderen unterscheiden können.

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Indem ich einen Espresso bestelle?

Sie können mit der Wahl des Getränks etwas über Ihre Persönlichkeit verraten. Wenn Sie über traditionelle deutsche Kaffeezubereitung sprechen, dann meinen Sie Filterkaffee. Da gibt es natürlich keine Varianten. Sie können noch Milch oder Zucker hineintun – das war’s. In Italien ist das ganz anders. Wenn wir in eine Bar gehen, dann bestellen wir den Espresso so, wie wir ihn haben wollen: als normalen Espresso, als Ristretto, mit mehr Körper, mit weniger. Wir möchten unseren Kaffee auswählen und nicht so serviert bekommen, wie es dem Wirt gefällt.

In Espressobars wird doch auch nur eine Sorte angeboten.

Dann müssen Sie eben die richtige Bar auswählen. Sehen Sie, auf der Straße hier unten gibt es mindestens fünf verschiedene Bars mit fünf Sorten. Entscheidend ist nicht nur, ob uns die Bar gefällt und das Personal nett ist, sondern eben auch, ob uns der Espresso dort schmeckt. Diese Entwicklung können wir auch in anderen Ländern beobachten.

Wie ist es dazu gekommen?

Durch zwei Dinge: Die Menschen reisen sehr viel, auch in ferne Länder. Und sie versuchen zu Hause ein weiteres Mal zu erleben und zu spüren, was sie im Urlaub kennengelernt haben. Außerdem hat die Entwicklung der Kaffeeketten einen großen Einfluss auf den Konsum.

"Die italienischen Café-Bars sind ein Vorbild"

Sie meinen Ketten wie Starbucks?

Ja, wir können ihnen dankbar sein, da sie in den USA angefangen haben, überhaupt eine Kultur des Kaffees zu etablieren. Sie haben in den USA ein Bewusstsein für guten Kaffee geweckt, und das hatte eine weltweite Ausstrahlung.

Auch nach Italien?

Bei uns gibt es kein Starbucks. Die haben sich angesichts unserer Barkultur wohl nicht recht getraut.

Wie haben es die Ketten nach Ihrer Meinung im Rest der Welt geschafft?

Sie haben unter anderem die Vielfalt im Angebot erweitert. Es gibt eine riesige Auswahl an Zubereitungen und Stilen. Dass die Menschen sich zunehmend „ihren“ Kaffee aussuchen, ist ein globales Phänomen.

Finden Sie diese Auswahl nicht verwirrend?

Wir können sicher über die Qualität in der Auswahl diskutieren, aber grundsätzlich mag ich es, dass mehrere Sorten Kaffee angeboten werden. Die Lust auf Neues, verbunden mit dem Erfolg der Kaffeeketten, hat das Verhalten von Millionen von Konsumenten vor allem in Deutschland tiefgehend verändert.

Warum gerade bei uns?

Kaffee ist ein wichtiges Produkt mit einer langen Tradition in Ihrem Land, anders als etwa in Frankreich, wo er nur am Rande eine Rolle spielt. Nach Deutschland wurden schon immer gute Kaffeesorten importiert, aus Zentral- oder Südamerika, hohe Qualitäten, oft 100 Prozent Arabica, was heute noch auf den Packungen vermerkt wird. Zudem ist es das Land mit dem dritthöchsten Konsum in der Welt, nach den USA und Brasilien.

Das erklärt noch nicht den Siegeszug von Espresso und Latte macchiato.

Hinzu kommt die große Begeisterung für Italien, seine Menschen, die Lebensart und die Gastronomie. Wenn es ums Essen geht, dann ist Italien für Deutschland eine Benchmark. Die italienischen Caffè-Bars sind ein Vorbild. Gar nicht mal so sehr wegen des puren Espressos. Aber Cappuccino und Latte macchiato sind sehr stark vertreten.

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