Kaffeefilter-Erfinder: Die Melitta-Story: Filtern, einfrieren, dampfgaren

Kaffeefilter-Erfinder: Die Melitta-Story: Filtern, einfrieren, dampfgaren

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Porträt der am 31. Januar 1873 in Dresden geborenen Amalie Auguste Melitta Bentz neben ihrer Erfindung aus dem Jahr 1908. Mit 35 Jahren erfand die Hausfrau und Mutter Melitta Bentz den Kaffeefilter.

Wie aus dem kleinen Kaffeefilterhersteller in den vergangenen 100 Jahren ein Milliardenkonzern entstanden ist.

Die Melitta-Story beginnt 1908 in Dresden. Amalie Auguste Melitta Bentz, geborene Liebscher, Tochter eines Verlagsbuchhändlers, stört sich seit langem an dem lästigen Kaffeesatz in ihrer Tasse, der immer wieder den reinen Kaffeegenuß trübt. Ihr reicht es: Kurzerhand nimmt sie eine alte Blechdose, durchlöchert den Boden mit Hammer und Nagel und legt ihn mit einem zurecht geschnittenen Löschblatt aus dem Schulheft ihres ältesten Sohnes Willy aus. Kaffeefilter und Filterpapier waren geboren.

Am 20. Juni 1908 erteilt ihr das Kaiserliche Patentamt zu Berlin Gebrauchsmusterschutz für einen mit "Filtrierpapier arbeitenden Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern".

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Die Anfänge der Firma Bentz sind bescheiden. Mit 72 Reichspfennigen Startkapital meldet Melitta beim Dresdner Gewerbeamt ein "kaufmännisches Agentur- und Kommissionsgeschäft" an. Die Filterpapierherstellung beginnt in einem acht Quadratmeter großen Zimmer in der Dresdner Fünfzimmer-Wohnung der Familie. Ihr Mann Hugo Bentz gibt seinen Beruf als Angestellter in einem Kaufhaus auf.

Gemeinsam mit ihren beiden Söhnen und ihrer Tochter montiert und verpackt die Familie Filter in der eigenen Wohnung und ist zugleich auch Vertriebsorganisation. Die Söhne Willy und Horst liefern Filterpapier-Kartons mit dem Bollerwagen aus, der Ehemann führt in Schaufenstern die Handhabung des Kaffeefilters vor - eine Vertriebsidee, die laut eigenen Angaben von Melitta erfunden wurde und die später mit den sogenannten "Vorführdamen" weiter ausgebaut wird. Melitta macht derweil Werbung im Freundeskreis: sie lädt Freundinnen zum Kaffeeklatsch ein und präsentiert „vollendeten Kaffeegenuss".

Kartons statt Kaffeefilter im ersten Weltkrieg

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs wird Papier knapp, zudem sperrt die Regierung die Kaffee-Einfuhr. Bis Kriegsende führt Melitta Bentz den Betrieb - Ehemann Hugo ist im Kriegseinsatz. Die Filterherstellung ruht, Melitta hält mit dem Verkauf von Kartons die Familie über Wasser. Nach Kriegsende wächst die Firma jedoch schnell wieder und die Kapazitäten in Dresden stoßen an ihre Grenzen.

Auf der Durchreise fallen Melitta und Hugo Bentz im westfälischen Minden die Gebäude einer ehemaligen, still gelegten Schokoladenfabrik auf, die sie prompt kaufen. Am Gründonnerstag 1929 siedelt Melitta mit 55 Mitarbeitern und den vorhandenen Maschinen nach Minden, in ein Fabrikgebäude, in dem später einmal rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt sein werden. Vier Tage später läuft der Betrieb bereits. Die Stadt Minden erlässt der Firma die "Realsteuern" (Ertragssteuern) für die ersten fünf Jahre. Seither ist Minden Hauptsitz des Unternehmens.

Das dunkle Kapitel Horst Bentz

1932 geht die Mehrheit der Melitta-Werke Aktiengesellschaft an die Söhne Horst und Willy Bentz. Die 2. Generation stellt ihr Unternehmertum ganz unter das Motto: Expansion. Sie erobern nicht nur den Haushaltsmarkt mit Kaffeefiltern und Filterpapier, sondern auch den Gastronomienmarkt. Ständig tüfteln sie am Filterpapier. 1936 kommt die heute noch gebräuchliche und weltweit bekannte Filtertüte auf den Markt. Der Filter erhält seine spitz zulaufende Form, die markentypische Filtertüte wird geschaffen und patentiert. Der Melitta-Schriftzug wird in seine heutige Form gebracht.

Im 2. Weltkrieg muss das gesamte Friedens-Fabrikationsprogramm eingestellt und stattdessen kriegswichtige Artikel produziert werden (Munitionsgurte, Pfannen, Töpfe).1933 tritt Horst Bentz der SS bei, wenige Monate danach der NSDAP. Er ist sogar für Himmlers berüchtigten Sicherheitsdienst tätig. Bentz fordert in seiner Werkzeitung 1938 zum Boykott jüdischer Geschäfte auf und droht bei Nichtbefolgung mit „fristloser Kündigung“. Nach dem Pogrom konnte man in der Dezember-Ausgabe lesen: „In der Judenfrage hat das Herz zu schweigen!“ Das sollte auch für Kinder gelten, denn: „Jeder Judenlümmel wird einmal ein ausgewachsener Jude.“ Wer das nicht beherzige, so die Werkzeitung, „würde das gesamte Geschmeiß in kürzester Zeit wieder auf dem Halse haben“. 1939 erhält Melitta ein „Gaudiplom für hervorragende Leistungen“ und zwei Jahre später die „Goldene Fahne“ zum NS-Musterbetrieb.

Dieser Verantwortung stellt sich im Jahr 2000 die nachfolgende Unternehmergeneration und beteiligt sich am Fonds „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" der Bundesregierung.

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