Kamelle satt: Helau und Alaaf: Kasse machen mit Karnevalsartikeln

Kamelle satt: Helau und Alaaf: Kasse machen mit Karnevalsartikeln

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Wirtschaftsfaktor Fasching

Das Geschäft mit Karnevalsartikeln boomt. Je edler die Verkleidung, desto tiefer müssen Narren in die Tasche greifen.

In diesem Jahr, sagt Thomas Mersch, endet die Session „einfach zu früh“. Schon am 4. Februar ist Rosenmontag, zwei Tage später, am Aschermittwoch, ist alles vorbei, und so „fehlen uns“, klagt Mersch, „14 Tage“ – zwei Wochen Spaß und Umsatz. Der Geschäftsführer von Andrea Moden und seine 60 Mitarbeiter leben von der Lust am Verkleiden. Über den Einzelhandel bringt das westfälische Unternehmen Kostüme unters jecke Volk, die meist in Asien gefertigt und in Bocholt mit Bordüren und Flitterkram veredelt werden. Piratenkostüme verkaufen sich seit dem Kinohit „Fluch der Karibik“ besonders gut.

Trotz der Kurz-Saison kalkulieren Kostümhersteller wie Andrea Moden, die im Verband der Spielwaren-Industrie organisiert sind, nicht mit weniger Umsatz. Denn der Karneval im Westen oder Fasching im Süden Deutschlands boomt, und das Geld sitzt locker. Die Mitgliederzahlen der Vereine steigen. Zwar weiß niemand, ob es wirklich drei, vier oder fünf Milliarden Euro sind, die Faschingsfunktionäre und -fans in den mentalen Ausnahmezustand investieren. Aber das Geschäft wächst, so viel ist sicher. Josef Arenz zum Beispiel freut sich über eine „gesunde Steigerung“ seiner Umsätze.

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Der Westerwälder lebt nicht wie Andrea-Moden-Chef Mersch aus Westfalen von den Gästen der Sitzungen und Umzüge, sondern vorwiegend vom harten Kern des hiesigen Karnevals, den 2,6 Millionen Mitgliedern der 4900 Vereine. Arenz’ Manufaktur schneidert mit 20 Beschäftigten anspruchsvolle Kostüme für Prinzen, Präsidenten, Elferräte und Gardetänzer und liefert zurzeit täglich 250 bis 300 Pakete aus. Das bordeauxfarbene Modell „Grace“ kostet die temporäre Prinzessin 1999 Euro – mit Reifrock, Diadem, Handtasche, Schuhen und Handschuhen sogar rund 2500 Euro.

Sofort nach Karneval beginnt die Arbeit an der Kollektion für die nächste Session. Denn vier Monate später im Juni, wenn der Rest des Landes auf Sommer und Sonne hofft, treffen sich die Karnevalsprofis bei der Messe Interkarneval – natürlich in Köln. Orden, Billigbonbons, Konfettibeutel und Luftschlangen, einfach alles, was zur privaten Karnevalsparty, zur großen Sitzung oder zum Faschingsumzug gehört, ist hier zu finden. Die Einkäufer von Spielwarengeschäften und Warenhäusern, aber auch die Chefs der ganzjährig geöffneten Karnevalsgeschäfte – alleine in und um Köln gibt es davon ein halbes Dutzend – ordern für die nächste Saison und suchen Neues.

Größter Aussteller bei der Interkarneval ist kein Kleinbetrieb, sondern die Metro. Der Düsseldorfer Handelsriese karrte im vergangenen Jahr 45 Busse mit wichtigen Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet nach Köln und präsentierte sich als „kompetenter Partner der Vereine“. René Bendier von der Kölnmesse setzt auf noch mehr Geschäft mit dem Frohsinn: „2008 wird die Ausstellungsfläche weiter wachsen.“

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