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Kamerahersteller: Leica leidet am eigenen Erfolg

von Ulrich W. Hanke

Der Kamerahersteller erlebt einen unerwarteten Kundenansturm. Doch der Boom wurde Unternehmensleiter Rudi Spiller zum Verhängnis.

Gehäuse von Leica R9 Quelle: dpa
Gehäuse von Leica R9 Spiegelreflex-Kameras im Werk der Leica Camera AG in Solms Quelle: dpa
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Leica-Kunden müssen nicht nur Geld mitbringen, sondern vor allem viel Geduld. Ein halbes Jahr warten sie in der Regel, bis sie die bestellten neuen digitalen Modelle erhalten, obwohl der traditionsreiche Kamerahersteller diese Produkte schon im September vergangenen Jahres vorgestellt hat. Doch das mittelständische Unternehmen aus Solms wurde von der Auftragsflut überrollt. Allein beim Leica-Klassiker M9 sollen die Bestellungen die Planungen um vermutlich 180 Prozent übertroffen haben, heißt es aus dem Unternehmen. Die Bestellungen für die 5500 Euro teure Kamera lägen im hohen vierstelligen Bereich.

Der Erfolg wurde Vorstandschef Rudi Spiller zum Verhängnis, am 19. August musste er gehen. Wie jetzt aus Unternehmenskreisen bekannt wurde, soll er dem Aufsichtsrat höhere Produktionszahlen genannt haben, die nicht den Fakten entsprochen hätten. Offenbar habe Spiller das Kapazitätsproblem nicht in den Griff bekommen, heißt es aus dem Unternehmen.

Leica wechselt den Chef

"Ein deutlicher Vertrauensbruch hat dazu geführt, dass ich als Aufsichtsratschef Rudi Spiller von seinem Amt entbunden habe", sagt Andreas Kaufmann. Ihm gehören über die Salzburger Beteiligungsgesellschaft ACM 97,5 Prozent des börsennotierten Unternehmens. Mehr will er zu dem Fall nicht sagen. Insider berichten, Spiller habe einen Vergleich ausgeschlagen. Spiller wollte sich dazu nicht äußern.

Nun soll Adolf Schopf das "Luxusproblem" lösen, wie der Engpass intern genannt wird. Der Schwabe ist seit 2005 schon der fünfte Chef des Unternehmens und saß zuvor zehn Monate lang im Leica-Aufsichtsrat.

Die 1100 Leica-Angestellten arbeiteten derzeit am Limit mit dem Ziel, die Nachfrage im Laufe des Jahres abzuarbeiten und die Lieferzeit deutlich zu verringern, wie es heißt. Ob dies gelingt, hängt auch davon ab, wie die Neuheiten nachgefragt werden, die Leica Mitte September auf der Leitmesse Photokina in Köln zeigen will. Die Rede ist von mehreren Kameras und Produkten aus der Sportoptik.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.09.2010, 20:18 UhrAnonymer Benutzer: caddiejuli

    ich denke, wer jemals mit einer M-Kamera fotografiert hat, macht sich keine Rechtfertigunggedanken über den Wert. Schlimmer wiegt das Problem, wenn der wirtschaftlich angeschlagenen betrieb die Nachfrage nicht bedienen kann. Als Produktionsverantwortlicher war es die Aufgabe von CEO-Spiller, Aufträge in Auslieferungen umzuwandeln. Wenn dann noch menschliches Fehlverhalten gegenüber Mitarbeitern (s. Manangermagazin) und Vertrauensverlust beim investor auftreten, ist es Zeit, Manager dieser Art mit Nachdruck vom Markt zu verbannen.

  • 07.09.2010, 23:53 UhrAnonymer Benutzer: Nikolausi und Osterhasi

    im Alter wird's nun mal langsamer. Wenn Tattergreise für ebensolche produzieren, geht's halt nicht so schnell. braucht's auch nicht: 5.500 Euronen für eine nicht lieferbare Kamera können sich eh nur die Leica-Vitrinenfetischisten gönnen. Da stirbt so mancher vor Auslieferung seines letzten Willens. bestellungen im hohen vierstelligen bereich. Wer's glaubt wird seelig.

  • 07.09.2010, 19:31 UhrAnonymer Benutzer: Yogibear

    Da muss einer gehen, weil die Produktion eines Luxusartikels nicht nachkommt?
    Es gibt eine Uhrenmarke, die seit Jahrzehnten den Erfolg gerade wegen diesem "Makel" feiert.
    Sind die Entscheider für die Entlassung des Managers denn noch zu retten? Soll aus dem Luxusartikel ein Massenramschartikel werden?

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