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Kampf um Kunden: Sparkasse wildert bei Schwesterinstituten

von Von Frank M. Drost

Eine Bank jagt der anderen mit ihrer Direktbank Kunden ab. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse hat die Hauptstadt im Visier. Die Berliner Sparkasse sieht das noch recht gelassen.

BERLIN. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) in Potsdam wildert virtuell in fremden Gefilden. Sie hat das Geschäftsgebiet der Berliner Sparkasse im Visier. Nachdem die MBS im Bieterwettbewerb um die Berliner Bank der Deutschen Bank unterlag, will der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Schubert das Wachstum nun auf andere Weise stimulieren – auch wenn das zu Lasten von Prinzipien der Sparkassen-Organisation gehen sollte. „Ich habe immer gesagt, wenn es mit der Berliner Bank nicht klappt, bauen wir unsere Direktbank-Aktivitäten aus“, sagte der Vorstandschef dem Handelsblatt. Mit Anzeigen in Berliner Tageszeitungen wirbt die MBS um Festgeldanlagen für ihre Online-Tochter „MBS Direkt“. „Nicht nur für Brandenburger“ lautet der zentrale Satz im Werbetext. Damit greift die MBS die Berliner Sparkasse frontal an und versucht Kapital aus dem Streit um den Bezeichnungsschutz für Sparkassen zu schlagen. Gleichzeitig zieht Vorstandschef Schubert Konsequenzen aus der Haltung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), keine bundesweit aktive Direktbank zu etablieren. Derzeit steht die Berliner Sparkasse, eine Niederlassung der Bankgesellschaft Berlin AG, im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission in Brüssel. Die Kommission verfügte auf Grund geleisteter Beihilfen durch den Berliner Senat, dass die Bankgesellschaft samt Sparkasse und Bezeichnungsschutz bis 2007 veräußert werden muss. Um den Verkauf „diskriminierungsfrei“ zu gestalten, wie von Brüssel gefordert, änderte das Land Berlin sein Sparkassengesetz. Die Landesbank Berlin AG wurde mit der Trägerschaft für die Berliner Sparkasse betraut. Auf diese Weise kann auch ein privater Investor durch den Kauf der Landesbank die Sparkasse erwerben. Zwar ist die Berliner Sparkasse kein eigenständiges Institut mit eigenem Vorstand und Vermögen, doch alle sparkassentypischen Aufgaben wie beispielsweise die Gemeinwohlorientierung werden erfüllt, betont der Berliner Senat. Das sieht der Vorstandschef der MBS anders. „Es gibt in Berlin formaljuristisch keine Sparkasse mehr“, urteilt Schubert. Auch für den DSGV ist die Berliner Sparkasse eine „virtuelle Veranstaltung“. Daher hält sich der Verband mit Kritik an der MBS zurück. „Da wird der Direktzugang beworben, das tun andere auch“, sagte ein Sprecher. Schubert sieht sich in seinem Werben um Kunden jenseits der Geschäftsgebietsgrenze nicht an das Regionalprinzip gebunden. Dieses besagt, dass die Geschäftstätigkeit einer Sparkasse nur auf das Gebiet der Träger des Instituts begrenzt ist. Allerdings weiß niemand genau zu sagen, wie dieses Prinzip auf Direktbank-Aktivitäten der Sparkassen anzuwenden ist. Kein Verständnis hat der Berliner Senat für die Werbeaktionen der MBS in Berlin. Schließlich würde für einen möglichen privaten Investor bei der Berliner Sparkasse auch die Beschränkung der Geschäftstätigkeit auf den Wirtschaftsraum gelten, wo das Unternehmen ansässig ist, so ein Sprecher. Dagegen reagiert die Berliner Sparkasse selbst gelassen: „Wir haben das registriert“, sagte eine Sprecherin. Ob die Überlegungen von Bankgesellschafts-Chef Hans-Jörg Vetter über eine eigene Direktbank nun schneller reifen, ist offen. Sind sich Schubert und der DSGV in der Beurteilung der Berliner Sparkasse noch einig, dass es sich bei dem Institut um keine richtige Sparkasse handelt, so gehen ihre Meinungen in puncto Direktbank auseinander. „Ich halte es für einen Riesenfehler, keine bundesweit agierende Direktbank zu gründen“, grollt Schubert. Er könne schlicht „ nicht länger tatenlos zusehen, wie die Frankfurter Sparkasse (eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen) oder die DKB (eine Tochter der BayernLB) bundesweit aggressiv auf Kundenfang gehen“, so Schubert. Glücklich sei er nicht über die entstandene Situation. Aber die MBS reagiere nur und es sei nicht sein Fehler, „wenn Sparkassen nicht an einem Strang ziehen“.

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