Kampf um Opel: Blitz-Krieg: Warum General Motors gut für Opel ist

Kampf um Opel: Blitz-Krieg: Warum General Motors gut für Opel ist

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37 Milliarden Dollar Schulden hat GM im Konkursverfahren abgebaut

von Franz W. Rother, Andreas Henry, Martin Seiwert, Henning Krumrey und Florian Willershausen

Opel hat bessere Chancen unter GM als unter Magna und der russischen Sberbank. Denn die wieder erstarkte US-Konzernmutter braucht die Marke mit dem Blitz mehr als früher. Und der deutsche Steuerzahler könnte davon profitieren.

Was in den Vereinigten Staaten „Warm Welcome“ heißt, ein „Herzliches Willkommen“, sieht anders aus. „GM hau ab!“ steht auf dem Schild, das ein Demonstrant hoch hält, darüber ein überdimensionierter Stinkefinger. Ein Pärchen mittleren Alters trägt Kappen mit der Aufschrift: „Freiheit für die Sklaven von GM.“

Die Stimmung auf der IG-Metall-Kundgebung in Rüsselsheim vor dem Opel-Hauptportal am Bahnhofsplatz ist explosiv am Tag eins nach der Bekanntgabe aus Detroit, dass der US-Autokonzern General Motors (GM) seine europäische Tochter Opel behalten will. Ganz vorn auf der Bühne steht einer, der den Kampf seines Lebens kämpfte, Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, und der nun in die Menge ruft, was er immer rief: „Wir wollen kein Anhängsel sein, das von Detroit aus durchregiert wird“.

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Unterm Strich dürfte Opel mit GM auf Dauer besser fahren

Hätte der gegenwärtig bekannteste deutsche Arbeiterführer am vorigen Donnerstag die bisher schlechten Erfahrungen mit der US-Konzernmutter nicht einfach nur in die Zukunft verlängert, wäre er vielleicht zu einem anderen Ergebnis gekommen. Ist der politische Lärm um den blitzkriegartigen Beschluss des GM-Verwaltungsrats in der Nacht auf den vorigen Mittwoch erst einmal verraucht, könnte sich bald zeigen: Unterm Strich dürfte die deutsche Traditionsmarke mit GM auf Dauer besser fahren, als mit einem Mehrheitsaktionärsgespann aus dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und der staatlichen russischen Sberbank. Und auch der deutsche Steuerzahler steht sich voraussichtlich besser.

GM ist nicht mehr der hoffnungslos überschuldete Konzern, der er vor der Insolvenz war. Im Konkursverfahren hat der Konzern seine Schulden von 54 Milliarden auf 17 Milliarden Dollar gedrückt. Verwaltungsratschef Edward Whitacre will den wieder erstarkten Konzern auf Wachstumskurs trimmen.Opel und GM sind technologisch eng verwoben. Sie nutzen teilweise die gleichen Fahrzeugplattformen, etwa für das Oberklasse-Modell Insignia. Eine Trennung hätte zu langwierigen Streitigkeiten um Patente und Technologieklau führen können. Zusammen können GM und Opel dagegen Synergien nutzen.

Opel wäre unter Magna mit maximal 1,6 Millionen verkauften Autos im Jahr 2014 deutlich zu klein, um im Massenmarkt Fahrzeuge mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten zu können. Mit GM wäre das möglich, denn zusammen kommen die Autobauer schon heute auf über acht Millionen Fahrzeuge.GM ist der verlässlichere Partner als das Konstrukt, bei dem Magna, die russische Sberbank, GM und die Mitarbeiter mit einem Anteil von zehn Prozent das Sagen hätten. Magna hat als Autobauer kaum Erfahrung und Russland wollte technologisches Know-how abziehen.GM will nur Staatsbürgschaften in Höhe von drei Milliarden Euro. Sollte GM Wort halten könnte der deutsche Steuerzahler profitieren.Magna wollte 10.560 Jobs in Europa streichen, GM spricht nun von rund 10.000 Stellen, die wegfallen sollen. Der von den Gewerkschaften behauptete Job-Kahlschlag ist nicht zu erkennen. Da sich GM am Magna-Plan orientieren will, könnten die deutschen Standorte vergleichsweise glimpflich davonkommen.

Gregor Matthies, Partner und Autoexperte bei der Unternehmensberatung Bain & Company, sieht den Verbleib von Opel bei GM denn auch positiv: „Die Magna-Lösung war für GM immer mit großen Risiken und Nachteilen, etwa mit dem Verlust von Know-how verbunden. Und dass das bisherige Restrukturierungskonzept von GM weniger tragfähig wäre als das von Magna, kann ich auch nicht erkennen.“

Am lautesten poltert der Frankfurter Insolvenzverwalter und Freidemokrat Dirk Pfeil, der für die Bundesländer über einen möglichen Opel-Verkauf wachte „Herr Franz, der Oberdemagoge, spricht von Zigtausend wegfallenden Arbeitsplätzen. Dabei beruhte der Magna-Plan doch selber auf GM-Plänen.“

Mit der Entscheidung, Opel nicht zu verkaufen, geht ein monatelanges Feilschen von Investoren, Parteien und Regierungen zu Ende. Drei, zeitweise vier Investoren buhlten in Berlin um Opel: Der italienische Konkurrent Fiat, der Finanzinvestor RHJI, der chinesische Hersteller BAIC und schließlich Magna mit der Sberbank im Schlepptau. Schon früh entwickelten Kanzlerin Angela Merkel und der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), aber vor allem auch die Ministerpräsidenten von Bundesländern mit Opel-Werken eine klare Präferenz für den kanadisch-österreichischen Zulieferer. Denn der versprach, die meisten Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. Kanzlerin Merkel favorisierte Magna so sehr, dass Deutschland die anderen EU-Länder mit Opel-Standorten brüskierte und anbot, die erforderliche staatliche Stütze allein vorzufinanzieren.

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