Karstadt: Die Luftnummer von Karstadt-Investor Berggruen

KommentarKarstadt: Die Luftnummer von Karstadt-Investor Berggruen

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Der Kunstsammler und Investor Nicolas Berggruen. Will er Karstadt überhaupt noch?

von Henryk Hielscher

Immer neue Forderungen an die Vermieter und Kompromisse, die keine sind. Wenige Tage vor Ablauf der Karstadt-Einigungsfrist wirft die Verhandlungstaktik des Investors Nicolas Berggruen eine Grundsatzfrage auf: Will er Karstadt eigentlich immer noch übernehmen, oder sucht er schon nach einer gesichtswahrenden Rückzugsmöglichkeit?

Die Herren spielen mit dem Feuer. Gestern ließen der deutsch-amerikanische Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und der Chef der Essener Mini-Bank Valovis, Robert Gogarten, verkünden, sie hätten sich im Streit um die Mietkonditionen der Karstadt-Häuser geeinigt. Nur wenige Stunden später entpuppte sich die vermeintliche Einigung jedoch als fauler Kompromiss. Die Probleme sollten nicht nicht gelöst, sondern nur verlagert werden - auf das Vermieterkonsortium Highstreet.

Doch der Reihe nach: Der Karstadt-Hauptvermieter Highstreet steht bei Valovis mit 850 Millionen Euro in der Kreide. Das Bankhaus hatte Highstreet den Kredit, der bis 2014 läuft, einst zur Verfügung gestellt, um Karstadts Immobilien zu kaufen. Als Sicherheit für das Darlehen dienen ein Teil der Warenhäuser, etwa das Berliner KaDeWe. Mit der Insolvenz von Karstadt wurde die Lage für Highstreet und die Bank jedoch bedrohlich. Denn der neue Investor Berggruen verlangt deutliche Mietreduzierungen.

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Sinken die Mieten jedoch dauerhaft, sinken auch die Immobilienwerte. In der Konsequenz brechen die Sicherheiten für die Darlehen weg, was bei Valovis wiederum zu einem Einschreiten der Bankenaufsicht BaFin führen könnte, da der Highstreet-Kredit die größte Risikoposition der Bank ist. Aus Valovis' Sicht waren die Forderungen Berggruens damit unannehmbar, insbesondere weil er so genannte Mieterdienstbarkeiten ins Grundbuch eintragen lassen wollte. Das heißt: Die Mietkürzungen würden dauerhaft festgeschrieben und würden bei der Bank erheblichen Abschreibunsgbedarf beziehungsweise eine höhere Risikovorsorge erfordern.

Mal schnell 850 Millionen Euro auftreiben

Soweit die komplexe Ausgangslage, über deren Lösung Valovis und Berggruen seit Tagen verhandeln. Gestern wurde dann eine simple Einigung präsentiert, die nur einen Haken hat: Sie wälzt die Probleme auf andere ab. Man wolle dem Berggruen-Vorschlag zustimmen, ließ Bankchef Gogarten mitteilen, falls es "zu einer zügigen, vorzeitigen Ablösung des Darlehens der Valovis-Bank durch das Highstreet-Konsortium" komme. Im Klartext: Die Vermieter sollen mal schnell 850 Millionen Euro auftreiben, dann würde die Bank schon zustimmen. Für Valovis wäre das sicherlich eine bequeme Lösung: Die Bank wäre auf einen Schlag alle Sorgen - und Risiken - los, was ihr Abstimmungsverhalten immens erleichtert.

Nur warum in aller Welt sollte Highstreet zustimmen? Die geltenden Kreditverträge laufen bis 2014. Zudem ist Highstreet kein homogener Block, der zentral gesteuert wird. Vielmehr stecken hinter dem Konsortium Dutzende Einzelinvestoren. Schon mit den bisherigen Mietreduzierungen in Höhe von insgesamt rund 400 Millionen Euro haben sich die Highstreet-Eigner schwer getan. Dass ihr Investment überhaupt jemals Gewinne einfährt, scheint ausgeschlossen. Und jetzt sollen sie dem schlechten Geld gutes hinterher werfen und mit weiteren 850 Millionen Euro ins Risiko gehen?

Postwendende Abfuhr

Die Abfuhr kam denn auch prompt: Kaum hatten Berggruen und Valovis ihre vermeintliche Einigung verkündet, ließ Highstreet wissen: "Es wurde einmal mehr eine Einigung verkündet, die keine ist". Erstaunlich ist weniger die harsche Reaktion als der Vorstoß selbst. Allen Beteiligten dürfte von vornherein klar gewesen sein, dass Highstreet nicht gewillt und in der Lage ist, weitere 850 Millionen Euro aufzubringen. Und ob sich externe Kreditgeber finden, die bereit sind - zu ähnlichen Konditionen wir bisher - ins Risiko zu gehen, ist bei der derzeitigen Karstadt-Lage mehr als fraglich. Warum also präsentieren Berggruen und Valovis in dieser Phase der Verhandlungen eine solche Luftnummer? Am Freitag endet die Rettungsfrist. Dann läuft die vom Amtsgericht Essen gewährte Frist zur Einigung zwischen Berggruen und den Vermietern ab - womöglich wird zwar verlängert, doch beschlossen ist noch nichts.

Sollte Berggruen nur versucht haben, den Druck auf Highstreet zu erhöhen, geht er ein gewaltiges Risiko ein. Die Schmerzgrenze bei Highstreet scheint erreicht. Eine andere Version, die derzeit durch die Branche geistert, besagt, dass Berggruen nach einer gesichtswahrenden Rückzusmöglichkeit suche. Das Kalkül: Scheitert der Deal, könnte die Verantwortung dafür auf die mangelnde Kompromissfähigkeit des Vermieterkonsortiums geschoben werden.

Klar ist: Verbindliche Vereinbarungen zu einer schnellen Kreditablösung sind derzeit schlicht nicht vorstellbar. Einfacher dürften Regelungen zwischen Valovis und Berggruen über die Mieterdienstbarkeiten sein - doch dabei müsste sich ausnahmsweise einmal Herr Berggruen bewegen.

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