Karstadt-Insolvenz: Das bizarre Karstadt-Angebot des Herrn Borletti

KommentarKarstadt-Insolvenz: Das bizarre Karstadt-Angebot des Herrn Borletti

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Eingang eines Karstadt-Warenhauses

von Henryk Hielscher

Und noch ein Kaufkandidat für Karstadt: Der italienische Kaufhaus-König Maurizio Borletti will Karstadt übernehmen – und blitzt beim Insolvenzverwalter ab. Kein Wunder: Borlettis Offerte kommt zwei Monate zu spät.

Ein wenig erinnert der italienische Kaufhaus-König Maurizio Borletti an einen Reisenden, der eine halbe Stunde zu spät zum Bahnhof eilt und nicht verstehen will, dass sein Zug abgefahren ist. Wichtiger noch: Der Zug - nennen wir ihn einmal Karstadt-Express – steht bereits kurz vor seiner nächsten Haltestelle. Doch mit einem Bündel Geld, so meint Borletti offenbar, zieht der Zugführer – genau, Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg – schon noch die Notbremse, kehrt mit seinen 25.000 Mitarbeitern pardon Passagieren zurück zum Bahnhof, um dort darauf zu warten, dass Herr Borletti geruht, einzusteigen.

Ganz ähnlich klingt jedenfalls Borlettis Angebot, Karstadt zu übernehmen. Nachdem entsprechende Gerüchte schon in der vergangenen Woche gestreut wurden, bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters am Wochenende das Interesse Borlettis an Karstadt. Über die Ernsthaftigkeit der Offerte kann allerdings nur spekuliert werden.

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Termin verschwitzt

Auch in Italien dürften Investoren mitbekommen haben, dass es ein reguläres Bieterverfahren gab. Die Angebotsfrist dafür ist vor zwei Monaten abgelaufen. Hat Borletti in der Hektik des Alltags den Termin verschwitzt, stand die Finanzierung noch nicht - oder wieso ist er nicht schon damals als Bieter aufgetaucht? Nachdem sich der Karstadt-Gläubigerausschuss dann auf das Angebot von Nicolas Berggruen festgelegt hatte, unterzeichnete Görg einen notariellen Kaufvertrag mit Berggruen, an den er nun gebunden ist. Selbst wenn Görg wollte, könnte er aus dem Vertrag nicht einfach raus, ohne sich rechtlich angreifbar zu machen.

Zudem würde sich die Frage stellen, was mit den damals unterlegenen Bietern – der Beteiligunsggesellschaft Triton und dem Vermieterkonsortium Highstreet – geschehen würde. Ein russischer Interessent war abgelehnt worden, weil er bis zur damaligen Deadline Ende Mai keinen verbindlichen Kaufvertrag vorgelegt hatte. Warum in aller Welt sollte Görg jetzt also einen neuen Bieter zulassen? Der seit Wochen andauernden Abstimmungsprozesse würden sich wiederholen. Selbst den bisher äußerst duldsamen Richtern am Essener Amtsgericht dürfte das Ganze zu bunt werden.

Görg hat also nicht das geringste Interesse an einem neuen Bieter. Die beiden einzigen überhaupt denkbaren Varianten wie Borletti noch ins Spiel kommen könnte wären damit

a) ein neues Votum des Gläubigerausschusses. Dass bei der derzeitigen Frontstellung in dem Gremium ausgerechnet Borletti gewinnen würde, ist derzeit allerdings so wahrscheinlich wie ein Wahlsieg der FDP. Oder

b) ein Scheitern der Verhandlungen mit Berggruen. Ob dann allerdings noch verhandelt, oder Karstadt direkt zerlegt wird, ist völlig offen. Und warum ausgerechnet Borletti zum Zuge kommen sollte, ist ebenfalls fraglich. Auch andere Interessenten haben bereits Interesse an Karstadt-Paketen oder einzelnen Standorten geäußert.

Auch der Hinweis, dass Borletti deutlich mehr bietet als Berggruen, führt in die Irre. Finanzkreisen zufolge hat Borletti rund 100 Millionen Euro für Karstadt geboten, Berggruens Angebot liegt bei 65 Millionen. Der Insolvenzverwalter ist nach dem Votum der Gläubiger auch nicht an das höchste Angebot gebunden – sonst hätte wohl auch nicht Berggruen den Zuschlag erhalten.Vielmehr soll Görg dafür sorgen, dass Karstadt als Ganzes erhalten bleibt. Ob das bei Borletti, der auch mit dem Karstadt-Konkurrenten Metro (Kaufhof) in Gesprächen ist, oberste Priorität hat, darf bezweifelt werden. Ihm wird vor allem Interesse an den Karstadt-Flaggschiffen – etwa am Berliner „KaDeWe“ - nachgesagt. Zudem ist ein vages Schreiben kein verbindliches Angebot, was Borletti eigentlich mit Karstadt vorhat bleibt offen.  

Selbst bei seinen Geschäftspartnern stößt Borletti auf Verwunderung. Er ist mit rund zwei Prozent an dem Konsortium Highstreet beteiligt, das einst die Karstadt-Immobilien für 4,6 Milliarden Euro gekauft hatte und nun als Vermieter auftritt. Die von der US-Investmentbank Goldman Sachs und der Deutschen Bank dominierte Gesellschaft ging auf Distanz: „Highstreet ist nicht Teil des Angebots von Herrn Borletti. Solange Herr Görg das Angebot nicht in Erwägung zieht, gibt es für uns keinen Anlass, dieses Angebot zu prüfen“, sagte ein Sprecher. 

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