Karstadt-Insolvenz: Verdi setzt Karstadt-Rettung aufs Spiel

KommentarKarstadt-Insolvenz: Verdi setzt Karstadt-Rettung aufs Spiel

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Filialen von Karstadt und Kaufhof in Düsseldorf: Was bezweckt Verdi?

von Henryk Hielscher

Starrsinn, Verhandlungstaktik oder unannehmbare Forderungen? Der Finanzinvestor Triton wirft der Gewerkschaft Verdi Unbeweglichkeit vor und "überdenkt" sein Interesse an Karstadt. Nun stehen nicht nur die Verhandlungen vor dem Aus - auch der Fortbestand des Warenhausunternehmens ist wieder in akuter Gefahr. Ein Kommentar von Henryk Hielscher.

Die Aussage ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Triton ist enttäuscht darüber, dass bisher keinerlei Fortschritt in den Gesprächen mit der Arbeitnehmerseite erzielt werden konnte und überdenkt deswegen sein Interesse an einem Einstieg bei Karstadt", hieß es in einer Mitteilung des deutsch-skandinavischen Finanzinvestors. Triton hatte als bisher einziger Kandidat ein Kaufangebot für die Übernahme des insolventen Warenhausunternehmens vorgelegt. Doch das steht nun zur Debatte: "Wenn kein konstruktives Engagement auf Arbeitnehmerseite erkennbar ist, ist das Triton-Konzept zur Sanierung von Karstadt hinfällig", teilte der Investor mit.

Triton hatte bereits bei der ersten Präsentation des Kaufangebots vor gut einem Monat klar gestellt, dass ein Einstieg nur dann möglich sei, wenn sich die wesentlichen Karstadt-Gläubiger - die Vermieter und die Arbeitsnehmer - zu weiteren Zugeständnissen bereit erklären. Bei den Vermietern ist der Abstimmungsprozess noch in vollem Gang. Bei den Arbeitnehmern - insbesondere bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi - biss Triton aber offenbar auf Granit. Das könnte sich bald rächen.

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Im Grunde geht es dem Finanzinvestor um zwei Dinge: Zum einen wollte das Unternehmen eine gesellschaftsrechtliche Trennung der operativen Karstadt-Teilbereiche in Waren-, Premium- und Sporthäuser erreichen. Das würde im Notfall Verkaufsmöglichkeiten eröffnen. Zum anderen sollten die Mitarbeiter variabler, also erfolgsabhängier entlohnt werden und unrentable Abteilungen anderweitig genutzt werden oder in Kooperationen mit externen Anbietern eingebracht werden. Letztlich würde dies wohl auf eine deutliche Kappung der Personalkosten und eine Verlängerung des geltenden Sanierungstarifvertrags hinauslaufen.

Was will Verdi?

Doch das ist mit Verdi derzeit nicht zu machen. "Triton steht unterm Wunschbaum und rüttelt", sagte das für die Verhandlungen zuständige Verdi-Vorstandsmitglied Margret Mönig-Raane der "Financial Times Deutschland"."Würden wir uns auf deren Wünsche einlassen, könnte Triton mit Teilverkäufen Kasse machen, und von Karstadt würde am Ende nur ein Gerippe übrig bleiben", sagte Mönig-Raane. Verdi könne daher "den bestehenden Sanierungstarifvertrag nicht verändern. Sonst gehen sein Sinn und seine Basis kaputt."

Inzwischen scheint man sich allerdings auch bei Verdi darauf besonnen zu haben, dass die Alternativen zu einem Kauf durch Triton recht begrenzt sind.  „Wenn sie mit uns reden wollen, sind wir dazu jederzeit bereit“, sagte eine Sprecherin derGewerkschaft am Dienstag und gab sich damit deutlich moderater als Mönig-Raane.  Die Verdi-Sprecherin betonte nun, Triton werde zwar keinen „Blankoscheck“ zum Abbau von Arbeitsplätzen erhalten. Der Sanierungstarifvertrag biete Triton aber die Möglichkeit, einzelne „Stellschrauben“ zu verändern. 

Ob das ausreicht, wird sich zeigen. Die harschen Töne gegen Triton interpretieren Insider indes auch als eine Art brancheninterne Kommunikationsstrategie von Verdi. Denn auch die Gewerkschaft steckt in einer Zwickmühle. Alle Zugeständnisse bei Karstadt wecken Begehrlichkeiten der Konkurrenz. So beschweren sich Kaufhof-Vertreter schon seit längerem über die Sanierungszugeständnisse bei Karsatdt, klagen über Wettbewerbsverzerrungen und drohen hinter den Kulissen mit deutlichen Reaktionen. Reizt man Kaufhof zu lange, könnte eine der wenigen Gewerkschaftsbastionen im Handel fallen, befürchten Verdi-Leute.

Zähe Abstimmungsprozesse mit den Kreditgebern

Zum anderen glaubt man sich die Attacken gegen Triton leisten zu können. Im Notfall, so die Erwartungen, würde das Vermieterkonsortium Highstreet um die Investment-Bank Goldman Sachs als Karstadt-Käufer einspringen und den Laden weiterführen. Doch die Hoffnung könnte trügen.

Zwar erwägt die US-Bank wohl tatsächlich ein Engagement, doch nur als Auffanglösung, um die eigenen Mieteinnahmen kurzfristig zu retten. Noch hat das Immobilienkonsortium nicht einmal ein formelles Angebot vorgelegt. Und ob dies bis Ende kommender Woche gelingen kann, ist fraglich. Da die Kredite für den Immobilienverkauf einst verbrieft und weiterverkauft wurden, sind zähe Abstimmungsprozesse mit den Kreditgebern notwendig. Selbst wenn eine Auffanglösung letztlich zustande kommt, dürfte Goldman die operative Führung in die Hände eines Partners - womöglich eines weiteren Finanzinvestors - geben, nach einer kurzen Schamfrist dürfte der Bank zudem viel daran liegen, ein Zusammengehen mit dem Rivalen Kaufhof zu arrangieren und das Paket - und damit das Risiko - schnell wieder loszuwerden. Eine solche K-und-K-Fusion würde letztlich aber zu zahlreichen Schließungen führen und Tausende Arbeitsplätze kosten, vor allem beim schwächeren Partner Karstadt. Von Karstadt bliebe dann wohl tatsächlich kaum mehr als ein Gerippe übrig.

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