Karstadt/Kaufhof: Die taktischen Spielchen von Eick und Cordes - Seite 2

Karstadt/Kaufhof: Die taktischen Spielchen von Eick und Cordes

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Metro-Chef Eckhard Cordes Quelle: AP
Metro-Chef Eckhard Cordes Quelle: AP

Bei seinem Einsatz treibt Cordes weniger die Hoffnung, als Retter der Warenhäuser in die Geschichte einzugehen, sondern strategisches Kalkül: Der Metro-Chef will seine Kaufhäuser selbst loswerden. Die Auslagerung von Kaufhof in eine Warenhaus AG wäre ein erster Schritt. Denn nach der Schließung von Doppelstandorten wäre die neue Gesellschaft attraktiver für Investoren. Und klappt es doch nicht, hat Cordes er immerhin der Konkurrenz geschadet. Womöglich so sehr, dass Staatsbürgschaften verhindert werden und er sich später aus der Insolvenzmasse bedienen kann.

Dass es beiden Seiten zur Zeit vor allem darauf ankommt, die eigene Position zu festigen, zeigten auch die weiteren Entwicklungen. Denn wenige Stunden, nachdem Eick seine kategorische Ablehnung eines Zusammenschlusses kund getan hatte, lud er  per „Bild"-Zeitung nun seinerseits zum deutschen Warenhausgipfel, um eine „Lösung für Karstadt und Kaufhof" zu suchen.

Vergangenen Donnerstag, am Himmelfahrtstag, war es soweit. Die Herren trafen sich zu Sondierungsgesprächen am Düsseldorfer Flughafen. "Eick zeigte sich dabei alles andere als amüsiert über das Vorpreschen von Cordes", heißt es im Umfeld beider Unternehmen. Am Ende einigte man sich wohl auf eine Kompromissformel: Bei den Gesprächen seien "beide überein gekommen, dass die Bildung einer Deutschen Warenhaus AG durch das Zusammengehen von Kaufhof und Karstadt grundsätzlich ein vernünftiger Weg für die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland sein kann", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. "Voraussetzung dafür wäre die Erarbeitung eines tragfähigen und betriebswirtschaftlich sinnvollen Konzepts. Es wurde ein weiteres vertiefendes Gespräch zwischen beiden Parteien verabredet."

Wahlkampfthema Arcandor

Die unpräzise Klausel hat vor allem für Eick einen Vorteil: Er hat sich damit öffentlichkeitswirksam gesprächbereit gezeigt und sich bei der Politik wieder für die ersehnten Staatshilfen ins Gespräch gebracht. Ob es allerdings um mehr als Symbolik geht, ist fraglich. In den Interviews der Arcandor-Truppe am vergangenen Wochenende blieb von den Friedenssignalen gen Metro jedenfalls wenig übrig.

Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen kritisierte im "Spiegel" den Vorstoß von Cordes für eine gemeinsame Warenhaus AG als "unmoralisches Angebot". Die Taktik sei durchsichtig. "Herr Cordes strebt keine Branchenlösung an, sondern verfolgt eigene Konzerninteressen", erklärte der Kölner Bankier, der den Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim vertritt.

Und auch Arcandor-Chef Eick glaubt, es gebe keine privatwirtschaftliche Lösung. Ohne staatliche Bürgschaften hätten Verhandlungen über ein Zusammengehen von Kaufhof und Karstadt keinen Sinn. Und während es in der gemeinsamen Pressemitteilung von Donnerstag noch hieß: "Es wurde ein weiteres vertiefendes Gespräch zwischen beiden Parteien verabredet", gab sich Eick nun  wieder kämpferisch: Weitere Gespräche mit der Kaufhof-Mutter Metro führe er nur auf Basis eines gesunden Arcandor-Konzerns. „Alle anderen Versuche kann ich mir schenken. Jeder Störung, die uns Zeit stiehlt, ist schädlich.“ Metro-Chef Eckhard Cordes wittere die Chance, einen Wettbewerber auszuschalten, sagte Eick. "Im Falle der Insolvenz holt sich Kaufhof einzelne Häuser. Dann gibt es kein Karstadt mehr", warnte er.

Ob die Angriff-Frieden-Angriff-Strategie bei der Politik verfängt, ist offen. In der SPD-Fraktion scheint die Bereitschaft vorhanden, Arcandor zu unterstützen. In der Unionsfraktion wachsen dagegen die Vorbehalte. Womöglich wird Arcandor sogar zum Vorwahlkampfthema in der großen Koalition.

Cordes dürfte seinen Konkurrenten allerdings nicht so einfach aus der Umklammerung lassen. Immerhin kann der Metro-Chef derzeit auf die Unterstützung der Branche bauen: "Wenn Arcandor und seine Kaufhaustochter Karstadt mit Steuergeld gerettet würden, sei dies ein Schlag ins Gesicht aller Unternehmer, die ordentlich gewirtschaftet haben, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub der WirtschaftsWoche. Und sollte keine privatwirtschaftliche Lösung gefunden werden, so Haub, stelle sich die Frage, was an einem Insolvenzverfahren eigentlich so schlimm sei. 

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.06.2009, 18:49 UhrAnonymer Benutzer: ballaballaballa

    Kann den dem Steinbrück keiner mal sagen, das dieses Füllhorn das Ende der Republik ist ? Das ist doch der einzige wählbare Politiker in der SPD.....Keinen Hilfe für ARCADOR !

  • 29.05.2009, 16:30 UhrAnonymer Benutzer: Kommentar

    Vielleicht sollten die hochbezahlten, klugen Manager von Karstadt und Galeria KAUFHOF nach anderen Möglichkeiten suchen um aus
    der Krise zu kommen.
    Durch gemeinsame Zielvereinbarungen, wie sie es öfteren in Citymangement der Städte zu finden sind, könnte man mit kleinen Schritten sparen und so kosten reduzieren.
    Zum beispiel die Anpassung und Optimierung der Öffnungszeiten.
    Durch späteres Öffnen oder früheres Schließen der Häuser würde man auch ohne Personalabbau Personalkosten optimieren und die Summen die durch das Stromsparen erzielt würden, sollte man auch nicht vergessen. Es wären vielleicht für die Konzern nur kleine
    Summen, aber es wäre ein Anfang...
    Wie lehrte man früher: Kleinvieh macht auch Mist!

  • 29.05.2009, 16:24 UhrAnonymer Benutzer: Kommentar

    Der Zusammenschluss von Galeria KAUFHOF und Karstadt wäre keine Lösung für die angeschlage Warenhausbranche. ich denke, dass durch den möglichen Zusammenschluss viele Arbeitsplätze verloren gehen würde und je nachdem, unter welcher Führung der "neue Großwarenhauskonzern" geleitet wird, nicht unbedingt eine Verbesserung der momentanen Situation erzielt wird.
    Eine Chance wäre es. ist die Frage für wen? Für die Geldbeutel der Manager! Für die Mitarbeiter würde es Stellenabbau und Schließungen bedeuten, für Mitbewerber die Angst der Verdrängung
    vom Wettbewerb aufgrund einer "Fast-Monopolstellung" im Einzelhandel. Man sollte doch alle Seiten und Fassetten der "neuen Deutschen Warenhaus AG" betrachten.

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