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Karstadt/Kaufhof: Die taktischen Spielchen von Eick und Cordes

von Henryk Hielscher

Störmanöver von Metro oder ernsthaftes Angebot, Hinhaltetaktik von Arcandor oder zaghaftes Interesse? Die Planspiele um eine Fusion der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof taugen zum Lehrstück über PR-Strategien – und nähren Spekulationen über die wahren Motive der Kontrahenten.

Arcandors Vorstandschef Quelle: REUTERS
Arcandors Vorstandschef Karl-Gerhard Eick betont die volkswirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedeutung seines Unternehmens Quelle: REUTERS

Für seinen ersten Schlag hatte Metro-Chef Eckhard Cordes eine eher beschauliche Kulisse gewählt: Die Düsseldorfer Stadthalle. Dort hatte Deutschlands größter Handelskonzern am 13. Mai seine Hauptversammlung abgehalten. Und fast schon beiläufig, gegen Ende seiner Rede, ließ der Metro-Vorsteher einen Satz fallen, der als Kriegserklärung interpretiert werden kann: Für Kaufhof seien die Weichen gestellt, Dank harter Arbeit sei das Unternehmen profitabel geworden, sagte Cordes, „vor diesem Hintergrund würden wir staatliche Eingriffe bei Wettbewerbern als eine uns benachteiligende Intervention betrachten“.     

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Gemeint war der Erzrivale Arcandor, mit seinen Handelstöchtern Karstadt und Quelle sowie dem Reiseunternehmen Thomas Cook. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte zuvor sein Interesse an Staatsbürgschaften für den klammen Konzern bekundet. Bis 12. Juni muss Arcandor seine Banken davon überzeugen Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro zu verlängern. Die Staatsbürgschaften sollen die gesamte Summe umfassen, zudem hat Eick einen 200-Millionen-Euro Kredit bei der staatlichen Förderbank KfW beantragt.

Störfeuer auf politischer Bühne

Bis zur Cordes-Intervention sah es für die Genehmigung der Arcandor-Hilfen nicht schlecht aus. Im staatlichen Hilfsgemenge vor der Bundestagswahl schien auch die Arcandor-Stütze die politischen Gremien zu passieren. Doch Cordes legte nach. Auf der Hauptversammlung versuchte er noch den Eindruck zu vermeiden, konkrete Pläne zur Übernahme von Karstadt zu haben. Auf die Frage, ob er bereits mit Eick gesprochen habe, gab der Metro-Manager zu Protokoll: „Das letzte Gespräch, das ich mit Herrn Eick geführt habe, war, dass wir uns über die Skipisten in Lech ausgetauscht haben, wo er und ich Ski laufen.“

Anschließend folgte eine mediale Schussfahrt. Am Wochenende nach der Hauptversammlung wurde ein Brief von Cordes an Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt. Darin erklärte Cordes seine Bereitschaft zu Gesprächen „über eine privatwirtschaftliche Lösung“, die auch „einen möglichen Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof beinhaltet“. Kurz: Die Metro-Tochter Kaufhof und der Arcandor-Ableger Karstadt sollten in einer neu zu gründenden Deutschen Warenhaus AG zusammengelegt werden.

Eick reagierte prompt. In einem Interview wies er die Hilfsangebote der Konkurrenz brüsk als "Störfeuer auf der politischen Bühne" zurück. "Zum jetzigen Zeitpunkt lehne ich einen Zusammenschluss ab", gab Eick zu Protokoll und zeigte sich demonstrativ besorgt, um den Erhalt der Arbeitsplätze. Schließlich wären 40 bis 50 Kaufhäuser bei einer Fusion von Schließung bedroht, so Eick. Im Übrigen habe man den Fall "von Kartellanwälten prüfen lassen" und festgestellt, dass das Modell beim Bundeskartellamt kaum eine Chance hätte. Seltsam nur: Noch vor gut einem Jahr hatte Arcandor selbst geplant, von Metro den Rivalen Kaufhof zu kaufen, berichten Insider. Damals war die Idee aber wohl nicht an kartellrechtlichen Bedenken oder Arbeitsplatzrisiken gescheitert, sondern an Cordes’ Vertrauen in die Finanzkraft von Arcandor.

Auch in der Bundespolitik hatte sich Eick mit den harschen Tönen keinen Gefallen getan. Wer um Bürgschaften über 650 Millionen Euro und zusätzliche Kredite bettelt, sollte etwas Demut zeigen und zumindest zu Gesprächen bereit sein, so der Tenor in Berlin.

Eine Ansicht, die sich wohl nicht zuletzt auch Dank Interpretationshilfe von Metro-Chef Cordes durchgesetzt hat. Der Manager – nebenher Vizepräsident des Wirtschaftsrats der CDU – tingelte vergangenen Dienstag eigens zu Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, um für die Warenhausallianz zu trommeln.

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.06.2009, 18:49 UhrAnonymer Benutzer: ballaballaballa

    Kann den dem Steinbrück keiner mal sagen, das dieses Füllhorn das Ende der Republik ist ? Das ist doch der einzige wählbare Politiker in der SPD.....Keinen Hilfe für ARCADOR !

  • 29.05.2009, 16:30 UhrAnonymer Benutzer: Kommentar

    Vielleicht sollten die hochbezahlten, klugen Manager von Karstadt und Galeria KAUFHOF nach anderen Möglichkeiten suchen um aus
    der Krise zu kommen.
    Durch gemeinsame Zielvereinbarungen, wie sie es öfteren in Citymangement der Städte zu finden sind, könnte man mit kleinen Schritten sparen und so kosten reduzieren.
    Zum beispiel die Anpassung und Optimierung der Öffnungszeiten.
    Durch späteres Öffnen oder früheres Schließen der Häuser würde man auch ohne Personalabbau Personalkosten optimieren und die Summen die durch das Stromsparen erzielt würden, sollte man auch nicht vergessen. Es wären vielleicht für die Konzern nur kleine
    Summen, aber es wäre ein Anfang...
    Wie lehrte man früher: Kleinvieh macht auch Mist!

  • 29.05.2009, 16:24 UhrAnonymer Benutzer: Kommentar

    Der Zusammenschluss von Galeria KAUFHOF und Karstadt wäre keine Lösung für die angeschlage Warenhausbranche. ich denke, dass durch den möglichen Zusammenschluss viele Arbeitsplätze verloren gehen würde und je nachdem, unter welcher Führung der "neue Großwarenhauskonzern" geleitet wird, nicht unbedingt eine Verbesserung der momentanen Situation erzielt wird.
    Eine Chance wäre es. ist die Frage für wen? Für die Geldbeutel der Manager! Für die Mitarbeiter würde es Stellenabbau und Schließungen bedeuten, für Mitbewerber die Angst der Verdrängung
    vom Wettbewerb aufgrund einer "Fast-Monopolstellung" im Einzelhandel. Man sollte doch alle Seiten und Fassetten der "neuen Deutschen Warenhaus AG" betrachten.

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