Karstadt-Prozess: Gericht dampft Forderungen gegen Middelhoff ein

Karstadt-Prozess: Gericht dampft Forderungen gegen Middelhoff ein

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Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg

von Henryk Hielscher

Das Landgericht Essen sieht Hinweise auf Pflichtverletzungen durch den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. Doch die Schadensberechnungen des Arcandor-Insolvenzverwalters sind zu hoch.

Eine holzvertäfelter Gerichtssaal, ein Heer von Anwälten und ein reichlich verklausulierter Streit um die Feinheiten von Verjährungsfristen und Schadensberechnungen – so lässt sich der Auftakt zu einem der spektakulärsten deutschen Wirtschaftsprozesse zusammenfassen. Die Kammer für Handelssachen am Essener Landgericht befasste sich heute erstmals mit einer Klage des Arcandor-Insolvenzverwalters Klaus-Hubert Görg gegen elf frühere Vorstände und Aufsichtsräte des Konzerns , darunter auch Ex-Vorstandschef Thomas Middelhoff.

Die Summe, die Görg bislang forderte, klingt gewaltig: 175 Millionen Euro wollte er bei Middelhoff und seinen früheren Kollegen eintreiben. Doch schon am ersten Verhandlungstag zeigte sich, dass die Kammer Middelhoff – wenn überhaupt - wohl keinesfalls zur Zahlung einer Summe in dieser Größenordnung verurteilen wird. Allerdings erfüllten sich wohl auch die Erwartungen der insgesamt 16 anwesenden Anwälte von früheren Karstadt-Verantwortlichen nicht: Das Gericht wies die Klage Görgs nicht von vornherein wegen Verjährung ab.

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Die erste von zwei Klagen Görgs gegen Middelhoff & Co. ist von enormer Komplexität. Allein hinter dem Tisch der vorsitzenden Richterin Regina Pohlmann, die souverän durch die Verhandlung führte, reihten sich Dutzende Leitz-Ordner in einem Regal. Hintergrund der Materialschlacht sind die umstrittenen Verkäufe von fünf Karstadt-Häusern an Oppenheim-Esch-Fonds am dem Jahr 2001. Nach Ansicht von Görg waren diese Geschäfte für Arcandor wirtschaftlich nachteilig. Middelhoff selbst hatte die Verträge zwar nicht abgeschlossen, hätte nach Meinung des Insolvenzverwalters aber mögliche Regressansprüche gegen frühere Konzernmanager geltend machen müssen, die die Verträge ausgehandelt hatten und dabei offenbar auch Aufsichtsgremien umgangen haben. Zudem hätten die Manager den Abschluss von Mietverträgen verhindern und den Schaden dadurch eindämmen können, schreibt Görg in seiner Klageschrift. Pikant ist die Gemengelage vor allem, weil Middelhoff selbst an vier der fünf Karstadt-Fonds beteiligt ist und Fondsinitiator Josef Esch sein Vermögensberater war.

Die Anwälte der beklagten Manager und Aufsichtsräte argumentieren indes, dass es gar keinen Schaden gab und selbst wenn es einen gegeben hätte, wären die Verträge wasserdicht gewesen und die Ansprüche ohnehin verjährt. Auch das Gericht setzte hinter einzelne Vorwürfe in Görgs Klageschrift ein Fragezeichen. Bei vier der fünf Immobilienverkäufe können die Richter nach ihrer vorläufigen Einschätzung keine Pflichtverletzungen erkennen. Lediglich beim Verkauf der Wiesbadener Karstadt-Immobilie sei dies denkbar. Offen blieb hingegen, wie das Gericht die Prüfung von Regressansprüchen durch Middelhoff bewertet.    

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