Karstadt: Verdi "empört" über Karstadt-Gesamtbetriebsratschef

Karstadt: Verdi "empört" über Karstadt-Gesamtbetriebsratschef

von Henryk Hielscher

Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt gerät zunehmend unter Druck. In einer vertraulichen Mitteilung an Patzelt, die dem Magazin vorliegt, äußerte die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, ihre Empörung über das Verhalten Patzelts.

In einem Brief an die Beschäftigten hatte Patzelt am 22. Juni seine umstrittenen Verhandlungen mit dem Vermieterkonsortium Highstreet gerechtfertigt und dabei betont, dass die Verdi-Vertreterin Mönig-Raane über die Gespräche „immer im Bild" gewesen sei.

In einer SMS-Nachricht vom 22. Juni schreibt Mönig-Raane dazu an Patzelt: „Bin über die Aussagen im Brief an die Beschäftigten – es gab keine Geheimnisse gegenüber Verdi, und Margret Mönig-Raane war immer im Bilde – sehr empört, weil es eine wissentlich und ehrabschneidende Lüge ist. […] Ich erwarte eine umgehende Klar- und Richtigstellung". Nachdem Mönig-Raane die Forderung wiederholte und sich ausdrücklich „rechtliche Schritte" vorbehielt, sendete Patzelt am 24. Juni eine Richtigstellung an seine Betriebsratskollegen: In der E-Mail heißt es Mönig-Raane sei zwar über den Kontakt zu Highstreet informiert worden, „nicht aber über die Inhalte" der Gespräche.

Anzeige

Hintergrund des Streits: In den vergangenen Wochen war ein „Eckpunktepapier" zwischen Highstreet und Patzelt bekannt geworden, in dem die Modalitäten einer Übernahme von Karstadt diskutiert wurden. Highstreet unterlag im Bieterprozess für Karstadt zwar letztlich dem Investor Nicolas Berggruen. Patzelts Papier wurde von vielen Beschäftigten aber als „Verrat" an ihren Interessen gewertet. Denn Passagen darin lassen sich so interpretieren, als hätte Patzelt einer Zerschlagung des Unternehmens zugestimmt, den Verkauf des Flaggschiffs KaDeWe durchgewunken und längere Arbeitszeiten für Mitarbeiter akzeptiert. Patzelt widerspricht, bezeichnet das Papier als „unfertigen Entwurf", der so nie akzeptiert worden wäre. Dem Vernehmen nach will nun auch die Karstadt-Geschäftleitung eine Stellungnahme von Patzelt zu dem Vorgang einfordern.

Kurz vor einer Entscheidung über die Zukunft der insolventen Warenhauskette droht auch betriebsratsintern eine Zerreißprobe. In einem offenen Brief vom 28. Juni, der der WirtschaftsWoche vorliegt, bitten insgesamt 32 Betriebsräte aus Städten wie Trier, Gießen und Düsseldorf Patzelt darum „uns in dieser immer noch schwierigen Situation nicht alleine zulassen". In einem zweiten offenen Brief an Patzelt vom gleichen Tag kritisieren 15 Betriebsräte aus Städten wie Hamburg, Dresden und Berlin hingegen „ein klares Fehlverhalten" ihres Gesamtbetriebsratsvorsitzenden. „Während dieser Brief verfasst wird, mehren sich die Emails, die das gesamte Verhalten von Dir kritisieren", heißt es darin, „und das hat hoffentlich zur Folge, dass der Gesamtbetriebsrat oder sein derzeitiger Vorsitzender die Konsequenzen zieht."

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%