Karstadt-Verkauf: Poltern, pöbeln, drohen: Die Strategien der Karstadt-Bieter

Karstadt-Verkauf: Poltern, pöbeln, drohen: Die Strategien der Karstadt-Bieter

Bild vergrößern

Fensterputzer bei einer Karstadt-Filiale

von Henryk Hielscher

Der Karstadt-Verkaufsprozess gerät zunehmend zur Wrestling-Show. Alle Mittel scheinen erlaubt, wenn sich Borletti und Berggruen, Görg und Goldman, Valovis und die Deutsche Bank beharken. Nur wer kämpft eigentlich gegen wen? Wiwo.de gibt einen Überblick über den aktuellen Frontverlauf.

Der Kampf um Karstadt geht in die heiße Phase. In einer Woche, am 2. September, muss der Verkaufsprozess abgeschlossen werden, damit am Tag darauf, das Amtsgericht Essen den Insolvenzplan genehmigen kann. Ob das gelingt, ist nach wie vor offen. Denn kurz vor dem Showdown zeichnet sich keine Einigung ab.Im Gegenteil: Brandherde und Konflikte gibt es reichlich.

Berggruen vs. Deutsche Bank

Anzeige

Die Kritik fiel heftig aus:  „Ich kann nicht überblicken, welche kommerziellen Interessen Borletti und die Deutsche Bank verfolgen. Ich kann nur sagen, die spielen mit dem Feuer und der Zukunft von Karstadt“, sagte Karstadt-Investor Nicolas Berggruen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Bank ist über ihre Immobilientochter Rreef an dem Vermieterkonsortium Highstreet beteiligt. Die Frankfurter sollen den Abschluss der Verhandlungen verschleppen und sich für eine Gegenofferte des italienischen Warenhausbetreibers Borletti stark gemacht haben, sagt Bergguen. Er könne das nicht verstehen. „Denn wir hatten ja zunächst die Unterstützung der Deutschen Bank. Glauben Sie mir, die hinterlassen auf unserer Seite extrem verblüffte Vertragspartner.“

Kaum war das Interview erschienen, reagierte Deutschlands größte Bank und wies die Kritik „in aller Schärfe“ zurück und zeigte sich „sehr verwundert über die Vorwürfe von Herrn Berggruen“ und erklärte: „Herr Berggruen spielt hier mit der Angst der Karstadt-Mitarbeiter um die Zukunft des Unternehmens und versucht, politischen Druck auf die Deutsche Bank auszuüben, um seine geschäftlichen Ziele zu erreichen. Dieser Weg führt definitiv nicht zum Ziel.“ Berggruen wisse sehr genau, dass „die Deutsche Bank von Anfang an alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt hat, um eine gedeihliche Lösung für Karstadt zu erreichen“.

Goldman vs. Deutsche Bank

Auch intern sind sich die Highstreet-Eigner nicht einig, berichten Insider. Die amerikanische Investmentmentbank Goldman Sachs als zweiter wichtiger Partner hinter dem Vermieterkonsortium Highstreet scheint sich mit Berggruen als Investor abgefunden zu haben. Schon vor Wochen gab Goldman-Deutschland-Statthalter Alexander Dibelius die Rettung von Karstadt bekannt. Anschließend sollen die harmonischen Tage im Konsortium vorbei gewesen sein. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass Goldman einst als die Karstadt-Immobilien verkauft wurden, zumindest an den Transaktionsgebühren gut verdient haben dürfte. Bei der Deutschen Bank fehlen solche Kompensationseinnahmen.

Highstreet vs. Görg

Auf das Vermieterkonsortium Highstreet ist Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg wohl schon lange nicht mehr gut zu sprechen. „Nachdem seitens der Vermieter bereits vor Wochen die Rettung von Karstadt in Europas größter Sonntagszeitung verkündet wurde, sind die anschließenden Verzögerungen und Erfahrungen der vergangenen Wochen kaum noch nachvollziehbar“, schrieb Görg jüngst an die Karstadt-Mitarbeiter. Die Unzufriedenheit beruht auf Gegenseitigkeit: Im Verkaufsprozess hatte auch Highstreet mitgeboten, war in der entscheidenden Sitzung des Gläubigerausschusses jedoch rausgeflogen, stattdessen machte Berggruen das Rennen. Hinterher beschwerten sich Highstreet über den Zuschnitt des Verfahrens, auch von Benachteiligungen war die Rede. Auf Görgs Seite sorgte derweil eine Geheimabmachung zwischen Highstreet und dem Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt für Ungemach. Dass Eckpunktepapier, das nie in Kraft trat, lässt sich auch als Fahrplan einer Karstadt-Zerschlagung interpretieren. Damit wäre Görgs Rettungsmission im Nachhinein torpediert worden.

Borletti vs. Berggruen und Görg

Dass der italienische Warenhauskönig Maurizio Borletti und der deutsch-amerikanische Investor Berggruen jemals Freunde werden, darf bezweifelt werden. Borletti, der gut zwei Prozent an Highstreet hält, grätschte mit Hilfe des US-Einzelhandelsinvestors Gordon Brothers in die Berggruen-Offerte. Natürlich wusste Borletti, dass die Bieterfrist für Karstadt längst abgelaufen war und Insolvenzverwalter Görg einen rechtsgültigen Vertrag mit Berggruen abgeschlossen hatte. Görg hatte gar keine andere Wahl, als die Offerte direkt zurückzuweisen. Zuvor hatte Borletti bereits mehrfach Zweifel am Sanierungskonzept Berggruens geäußert. So schürte der italienische Warenhaus-Betreiber die Angst, dass Berggruen die Premium- und Sportfilialen möglichst schnell veräußern wird, um Investitionen wieder reinzuholen. Karstadt stünde dann allein mit den unprofitablen Warenhäusern umso schlechter da. Ob Borlettis Plan aufgeht, sich noch ins Verfahren zu drängen, ist fraglich. Selbst wenn Berggruen scheitert, dürfte Görg von der Alternative Borletti nicht allzu angetan sein. Erst kürzlich sagte der Insolvenzverwalter: „Es ist so, dass es nicht durchgehend als legal und anständig verstanden wird, wenn jemand wie Herr Borletti nach Ablauf einer Bieterfrist versucht, den Prozess zu behindern.“Valovis und Berggruen

Immerhin: Auch Frieden ist möglich. Die kleine Essener Valovis Bank und Berggruen verstehen sich neuerdings ganz prächtig. Valovis hat dem Karstadt-Vermieter Highstreet einen Kredit über 850 Millionen Euro gegeben. Für diesen dienen Karstadt-Filialen als Pfand. Die Festschreibung der Mietreduzierungen im Grundbuch hätte daher zu erheblichen Abschreibungen bei der Bank geführt, weshalb sich das Institut lange Zeit quer stellte. Inzwischen sind sich die Parteien handelseinig. Laut der nun getroffenen Vereinbarung kann Berggruen Valovis den Kredit bis zu seinem Auslaufen 2014 abkaufen. Im Falle einer Pleite kann die Bank die Marken und Internetadressen von Karstadt nutzen, um die Häuser weiter zu betreiben oder betreiben zu lassen. Bei Mietrückständen kann Valovis zudem für das Berliner Nobelkaufhaus KaDeWe wieder die alte, höhere Miete verlangen. Valovis hoffe nun, dass die Einigung zu einem „erfolgreichen Abschluss“ des Kaufvertrages mit Berggruen führen werde, erklärte die Bank.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%