_

Kartellstrafe gegen E.On: Was liegt noch unentdeckt in den Schubladen des Energieriesen?

von Andreas Wildhagen

Die EU hat gegen E.On und Gaz de France eine Kartellstrafe in Milliardenhöhe wegen Aufteilung der Gasmärkte verhängt. Das wirft die Frage nach Absprachen beim Strompreis auf. Anzeigen und Ermittlungen laufen, mit Geheimdokumenten könnte eine mögliche Verteidigungslinie vorbereitet werden.

E.On-Chef Wulf Bernotat: Quelle: REUTERS
E.On-Chef Wulf Bernotat: "Kunden werden zu Mitproduzenten von Energie" Quelle: REUTERS

Die Amtszeit von E.On-Chef Wulf Bernotat wird nicht verlängert - wahrscheinlich scheidet er schon nach der Sommerpause aus dem Unternehmen aus - da kommt es noch einmal knüppeldick für ihn. Die EU verhängt die zweithöchste Kartellstrafe in ihrer Geschichte gegen E.On und den französischen Gasriesen GdF. Über 500 Millionen Euro müssen beide Unternehmen zahlen, 1,1 Milliarden Euro sind es insgesamt, die EU-Wettbewerbskommissarin Kroes als Strafe verhängt.

Anzeige

Auf den ersten Blick ist das ein alter Hut und die Strafe der EU eher eine Art Rachefeldzug gegen die übermächtigen Energieversorger. Das corpus delicti stammt aus dem Jahr 1975, also aus alten Monopolzeiten, als man sich zwischen beiden Staatskonzernen - Vorläufer von E.On war der Essener Gasimporteur Ruhrgas - die Märkte Deutschland und Frankreich untereinander aufteilte und in beiden Zonen die Preise exorbitant anhob. Das war ein sehr gemütlicher Kapitalismus. Doch ist der Sündenfall, der damals legal war, nicht etwas sehr verstaubt-historisch, als dass man ihn noch so hart ahnden könnte? Das fragen sich vor allem Energiemanager mit Unschuldsmiene.

Razzia bei E.on brachte lang gehütetes Geheimnis ans Licht

Die Frage darf mit nein beantwortet werden. Denn auf den zweiten Blick ist die Absprache eine ziemliche Unverfrorenheit. Denn nach der Liberalisierung sollten Strom- und Gaspreise eigentlich in Bewegung geraten. Doch es gab nur eine Richtung: nach oben und zwar exorbitant. Man verwies bei E.On scheinheilig auf den Preis an der Energiebörse in Leipzig. Die mache die Preise und sonst niemand, sagte man bei E.On achselzuckend. Der Markt also sollte Schuld an hohen Energiepreisen haben.

Doch etwas anderes wurde gut abgeschottet. Das lang gehütete Geheimnis nämlich, dass die gute alte Kartellabsprache aus dem Jahre 1975 nach 1999 und weit darüber hinaus einfach beibehalten wurde. Merkt doch keiner! Hätte auch keiner bemerkt, wenn es nicht eine Razzia im Hause E.On gegeben hätte, die solche Absprachen sogar noch in schriftlicher Form ans Tageslicht beförderte.

Für die E.on-Vorstände wird es brenzliger

Eine Frage drängt sich ganz automatisch auf: Was liegt sonst noch unentdeckt in den Schubladen des Energieriesen? Für Bernotat ist die Strafe aus Brüssel - und ihre Begründung - alles andere als ein schöner Abgang, es sei denn, er kann nachweisen, dass er selbst intern hinters Licht geführt wurde. Doch soviel Staub einer internen Untersuchung wird er zugunsten seines Nachfolgers bei E.On nicht aufwirbeln wollen.

Wo der Gaspreis manipuliert wird, ist der Verdacht nicht weit, dass man den Versorgern auch beim Stromgeschäft auf die Schliche kommt. Noch klingt den Verbrauchern der Satz Bernotats im Ohr "Der Strompreis ist zu niedrig". Hat er bei dieser Kommunikationspanne die Wahrheit gesagt?

Es liegt bei den Staatsanwaltschaften Düsseldorf und Essen eine Anzeige gegen die Vorstände von E.On und RWE vor, die von Verbrauchern erstattet wurde. Vor dem Hintergrund der harschen EU-Entscheidung dürften die deutschen Staatsanwälte bei ihren Ermittlungen nun viel genauer hinschauen, als sie es vielleicht früher gemacht hätten. Da hätte man bei solchen Anzeigen vielleicht den permanenten und quängeligen Verbraucher-Ärger über zu hohe Energiekosten vermutet und schnell die Ermittlungen eingestellt. Jetzt wird es brenzliger für Vorstände.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.07.2009, 12:49 UhrAnonymer Benutzer: Colly

    So lange unsere Politiker mit am Trog der Energiebranche hängen, wird sich nicht viel ändern.
    Vielleicht geht da ja was über die EU.
    Dem bürger wäre es zu wünschen.

  • 09.07.2009, 11:12 UhrAnonymer Benutzer: Kleiner Mann

    Die Strafe zahlt nicht E-On sondern die Verbraucher. Entweder muss nämlich E-on deswegen die Preise erhöhen oder weniger Dividende an die Aktionäre ausschütten. Da E-on weitgehend Kleinaktionären gehört, müssen in beiden Fällen die bürger die Strafgelder an die EU zahlen

  • 09.07.2009, 10:00 UhrAnonymer Benutzer: Kurt

    Energiekonzerne kann man garnicht so viel bestrafen wie sie die Verbraucher abzocken. Wie immer regelmäßig zum Winter das Gas, zur Urlaubszeit der Sprit usw. unabhängig vom tatsächlichen Marktpreis teurer werden. Kann ja heutzutage jeder im internet nachschauen wie sich Energiepreise tatsächlich entwickeln. Oder die Schaffung einer Strombörse - nur um selbst die Nachfrage zu manipulieren. Oder russisches Gas, dessen Preis sich ab der Grenze verdreifacht. Mit der begründung, dass es ja transportiert werden muss. Nach dieser Rechnung wäre Deutschland doppelt so groß wie die Entfernung zu den Gasquellen in Russland. Mein Fazit: Hier wird gelogen, dass sich die balken biegen. Seit es internet gibt ist dies für jeden, der es wissen will ersichtlich. Dagegen unternehmen tut keiner was. im Gegenteil, der Trennung von Stromerzeugung und Netzen z. b., initiiert durch die EU, hat unter anderem unsere Regierung widersprochen. Dieselben Leute, die immer entrüstet die Versorger anprangern wenn Preise erhöht werden und sich verbal demonstrativ auf die Seite der Verbraucher stellen!!! Aber man will ja schließlich nicht seinen Anschlussjob gefährden - Aufsichtsrat bei E.ON, RWE oder, oder, oder...

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.