Katastrophe in Japan: "Über Monate Probleme in den Lieferketten"

Katastrophe in Japan: "Über Monate Probleme in den Lieferketten"

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Autos die auf ein Schiff verladen werden sollten, wurden vom Tsunami erfasst.

von Martin Seiwert

Wie schlimm trifft die Katastrophe in Japan die weltweite Autoindustrie? Die Nachrichten sind verwirrend. Manche Autowerke bleiben wegen Teilemangel geschlossen, andere produzieren schon wieder auf Hochtouren. Experten warnen vor zu viel Optimismus: Erst ab Mitte April werden viele Autohersteller die Folgen der Katastrophe wirklich zu spüren bekommen.

Wer in den USA einen schwarzen oder roten Neuwagen von Ford kaufen möchte, sollte sich beeilen: Wie der Autobauer gestern seinen US-Händlern mitteilte, gehen wegen der Erdbebenkatastrophe in Japan die Pigmente für die Herstellung roter und schwarzer Lacke zur Neige. Für schwarze Wagen können die Händler keine Bestellungen mehr entgegennehmen, bei den roten Autos wird die Produktion vom Hersteller zumindest zurückgefahren – es drohen lange Wartezeiten für die Liebhaber roter Pickup-Trucks und Geländewagen.

Sollte es bei solchen Einschränkungen bleiben, könnte die Autoindustrie aufatmen. Doch davon gehen Experten zwei Wochen nach dem Beginn der Katastrophe nicht mehr aus. Das schlimmste Beben in der Geschichte Japans werde bei „tausenden Betrieben“ in Deutschland für mehrere Monate zu Problemen in der Produktion führen, sagt Jochen Körner vom Versicherungsmakler und Risikoberater Marsh & McLennan Companies in Frankfurt. Vor allem auch Unternehmen aus der Autoindustrie seien betroffen, so Körner. „Es könnte eine Weile dauern, bis Japan seine Exportinfrastruktur wieder aufgebaut hat. Eine Folge könnten erhebliche Probleme in den Lieferketten sein, die sich über mehrere Monate hinziehen“, fügt er hinzu.

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Zulieferer in Japan sind die Achillesferse der Autobauer

Der europäische Autozuliefererverband Clepa, der rund 3000 Zulieferer vertritt, sieht allein in Europa Milliardenschäden auf die Autoindustrie zukommen. „Ohne Zweifel wird es zu Produktionsausfällen in Europa kommen“, sagt Clepa-Chef Lars Holmqvist. In den kommenden Wochen würden die Autobauer in Europa vor allem durch den Mangel an Speicherchips und anderer Elektronikbauteile belastet.

Für IHS Global Insight, einer der führenden Marktforscher und Datendienstleister im Automobilsektor, sind die Zulieferer in Japan die Achillesferse der Autobauer. Ab Mitte April werden die Autobauer, so die Prognose von IHS, die Knappheit einiger Zulieferprodukte „verstärkt zu spüren bekommen“. Manche Zulieferer sind die einzigen Anbieter bestimmter Produkte oder haben Marktanteile von weit über 50 Prozent. Können sie nicht mehr liefern, haben die Autokonzerne kaum eine andere Wahl, als die Bänder anzuhalten.

Die IHS-Prognosen für die kommenden Wochen sind wenig erfreulich. Dass manche japanischen Hersteller die Produktion in einzelnen Werken wieder aufgenommen haben, ist für die Analysten von IHS noch keine Rückkehr zur Normalität. In den Werken würden meist nur Komponenten produziert, die in den ausländischen Werken dringend benötig würden. Autos werden in Japan dagegen kaum noch produziert: Seit dem Beben von zwei Wochen, so die Schätzung von IHS, brach die Autoproduktion in Japan um 335.000 Fahrzeuge ein. Jeden Tag vergrößere sich das Minus um weitere 37.000 Fahrzeuge.

Dort, wo in Japan wieder Autos gebaut werden, könnten die Bänder bald schon wieder stehen – wenn der Vorrat an Zulieferteilen aufgebraucht sei. Laut IHS-Prognose kann es dauern, bis wieder Nachschub von den Zulieferern kommt. Viele hätten es wegen Rohstoffmangel, ständigen Stromausfällen und Transportproblemen besonders schwer, die Produktion wieder aufzunehmen.

Nachschub fehlt ab April

Noch arbeiten die Autobauer in Europa und den USA mit japanischen Teilen, die bereits vor der Katastrophe verschickt wurden. Kommt dieser Nachschub Mitte April zum Erliegen, könne es auch die europäischen und amerikanischen Werke eng werden, vermuten die Experten von IHS.

Einen Vorgeschmack bekamen die Autobauer bereits durch schwere Schäden an einem Werk des Elektronikkonzerns Hitachi, wo Luftsensoren produziert wurden. Hitachi hatte vor der Katastrophe mit diesen Sensoren einen Marktanteil von 60 Prozent in der Autoindustrie und beliefert fast alle wichtigen Autobauer, darunter Ford, General Motors, Renault-Nissan, Toyota und Volkswagen.

Weil Hitachi derzeit keine Sensoren liefern kann, musste General Motors die Produktion eines kleinen Pickup-Trucks in Louisiana, USA, anhalten. Auch die Opel-Produktion in Eisenach und Zaragossa, Spanien, wurde deshalb zeitweise unterbrochen. Peugeot-Citroen plant ebenfalls eine Produktionsdrosselung. Unter anderem sind der Peugeot 207 und der Citroen C3 betroffen. In fünf Werken muss Peugeot-Citroen die Produktion voraussichtlich um bis zu 50 Prozent drosseln, in drei Fabriken sogar um bis zu 75 Prozent.

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