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Kenneth Cole: Der missglückte Marketing-Coup

von Astrid Dörner Quelle: Handelsblatt Online

Eine einzige Twitter-Meldung hat ausgereicht, um einen Sturm der Entrüstung auszulösen. Der New Yorker Modedesigner Kenneth Cole ist zwar nicht erst seit letzter Woche für provokante Werbung bekannt, doch mit seinem Versuch, die Aufstände in Ägypten für Marketingzwecke zu nutzen, hat er das Fass zum Überlaufen gebracht.

Kenneth Cole: Mit seinem auf Kairo gemünzten Twittereintrag hat der Modedesigner seine Kritiker auf die Barrikaden getrieben. Quelle: ap
Kenneth Cole: Mit seinem auf Kairo gemünzten Twittereintrag hat der Modedesigner seine Kritiker auf die Barrikaden getrieben. Quelle: ap

NEW YORK. Seinen Faux-Pas via Kurznachrichtendienst Twitter hat der New Yorker Modedesigner Kenneth Cole zwar am Donnerstag schon nach wenigen Stunden gelöscht. Doch die vermeintlich humorvolle Verknüpfung seiner neuen Frühjahrskollektion mit den Unruhen in Ägypten verfolgt den Gründer und Chef der gleichnamigen Modekette weiter.

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Am Wochenende klebten Kritiker einen übergroßen Ausdruck seiner Twitter-Botschaft an die Front einer Kenneth-Cole-Filiale in San Franciso. "Millionen sind in Aufruhr in Kairo. Das Gerücht geht um, sie hörten, dass unsere neue Frühjahrskollektion online verfügbar ist", prangte in großen weißen Buchstaben auf der Ladenfront.

Das Foto dieses Aufklebers wandert seitdem durch amerikanische Blogs - und Cole musste wieder reagieren: "Nur um klarzustellen: Wir haben das unangemessene Tweet nicht an unsere Filiale geklebt. Es war ein Lausbubenstreich", schickte Cole kurz darauf über den Kurznachrichtendienst, mit dem alles angefangen hatte.

Der 56-jährige Designer, der für provokante Werbung bekannt ist, hatte mit seiner Äußerung einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Kritiker verwiesen darauf, dass in Kairo Menschen sterben, während er versuche, seine Frühjahrsmode zu Geld zu machen. Andere beschimpften den Designer und kündigten an, nie wieder Kleidung, Schuhe oder Taschen der Marke zu kaufen und zu tragen.

Über Facebook schickte Cole, der mit seiner Mode in den ersten neun Monaten 2010 einen Umsatz von 330 Millionen Dollar gemacht hat und Läden auf der ganzen Welt betreibt, eine Entschuldigung. Es sei schon lange sein Ziel, die Aufmerksamkeit auf ernste soziale Themen zu lenken. Sein jüngster Versuch sei jedoch "zeitlich schlecht gewählt und absolut unangemessen".

Ob das reicht? Seine Kritiker sind nicht nur mit Aufklebern an seinen Filialen aktiv geworden, sondern auch auf andere Weise. Kurz nach Coles erster Twitter-Botschaft setzten Unbekannte den Twitter-Account @KennethColePR auf, der mit satirischen Botschaften Cole selbst und seine Firma unter Druck setzt.

Eine ähnliche Aktion hatte es nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gegeben. Damals wurden die unsensiblen Äußerungen des Ölkonzerns BP scharf kritisiert. Coles Satire-Account hat bereits knapp 7500 Mitglieder - etwa Dreiviertel seiner offiziellen Twitter-Seite.

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