Kino: Filmstudios: Neue Traumfabrik in Russland

Kino: Filmstudios: Neue Traumfabrik in Russland

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Daniel Craig und Eva Green in der letzten James Bond-Verfilmung Kinofilm "Casino Royal"

Der russische Milliardär Wladimir Jewtuschenkow will den etablierten Filmstudios wie Babelsberg und Bavaria millionenschwere Aufträge entreißen.

„James Bond“, „Das Bourne Ultimatum“ und „Die Chroniken von Narnia“ – Europas Filmstudios, darunter Babelsberg in Potsdam und Bavaria in München, reißen sich um die Drehs für teure Kinofilme mit Starbesetzung. Jetzt verschärft sich der Konkurrenzkampf noch: Der russische Oligarch Wladimir Jewtuschenkow will den Markt aufmischen. Noch in diesem Monat eröffnet er in St. Petersburg das modernste Filmstudio Russlands und eines der modernsten der Welt. Außerdem errichtet er am Schwarzen Meer einen riesigen Studiopark, in dem unter anderem aufwendige Seeschlachten gedreht werden können.

Auf der Liste der weltweit reichsten Menschen liegt Jewtuschenkow auf Platz 77. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt sein Vermögen auf rund zehn Milliarden Dollar. Der studierte Kunststoff-Ingenieur hält die Mehrheit an dem russischen Mischkonzern AFT Sistema, der an der Londoner Börse gelistet ist und 51 Prozent an den Russian World Studios (RWS) besitzt, dem Betreiber des Petersburger Filmstudios und des Studioparks am Schwarzen Meer. Im Aufsichtsrat von AFT Sistema sitzt auch Ex-Telekom-Chef Ron Sommer. In Deutschland machte das Unternehmen zuletzt 2006 von sich reden, als es Teile der Telekom kaufen wollte.

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Die Film-Offensive des Russen trifft auch die deutschen Studios Babelsberg und Bavaria. Die heimischen Studios seien oft durch TV-Produktionen blockiert, sagt Martin Moszkowicz, Produktionsvorstand bei Constantin Film. „Dieser Neuzugang vergrößert die Auswahl und stärkt unsere Verhandlungsposition.“ Constantin drehte schon 2004 sein Weltkriegsdrama „Der Untergang“ auf Sankt Petersburger Straßen, weil sie denen des alten Berlins ähneln.

Die Verhandlungen laufen

Die russischen Studios verhandeln nach eigenen Angaben schon mit namhaften internationalen Produktionsfirmen. Bisher hat Sistemas Filmtochter große Kinostreifen auch im Ausland gedreht. So entstand etwa der Krimi „Match Point“ von Regisseur Woody Allen in Großbritannien. Künftig dürfte Sistema verstärkt ihre Werke in Russland herstellen.

Um die deutschen Studios vor ausländischer Konkurrenz zu schützen, unterstützt der Bund Produzenten allein in diesem Jahr mit Subventionen von 60 Millionen Euro. Großbritannien lockt mit Steuererleichterungen, genauso wie Ungarn. Schlechter steht die tschechische Filmbranche da, die in den vergangenen Jahren ausländische Produktionen wie den James-Bond-Streifen „Casino Royale“ anzog und nun zusehends Marktanteile verliert. Die Regierung in Prag zahlt Filmemachern keine Subventionen. RWS-Managerin Julia Kasanskaja ist sich sicher, dass die Russen den anderen europäischen Studios demnächst einige millionenschwere Projekte abjagen.

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